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16.11.2007Kohl-Beleidigung

Auch SPD und Merkel gegen Wolfgang Thierse

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse gerät wegen seiner umstrittenen Äußerungen über Altkanzler Helmut Kohl immer stärker unter Druck. Die Union gibt sich empört. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von „Niedertracht“. Inzwischen...

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse gerät wegen seiner umstrittenen Äußerungen über Altkanzler Helmut Kohl immer stärker unter Druck. Die Union gibt sich empört. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von „Niedertracht“. Inzwischen melden sich auch erste Stimmen aus den eigenen Reihen. „Thierse hat eine Grenze überschritten“, kritisierte Peer Steinbrück den Parteikollegen im ZDF.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte ein Zitat Thierses in der „Leipziger Volkszeitung“. Anscheinend hatte sich der Bundestagsvizepräsident über Franz Müntefering geäußert, der seinen Rücktritt mit der Krebserkrankung seiner Frau begründet hatte. Thierse ist mit Hinweis auf Hannelore Kohl, die sich wegen ihrer Lichtallergie das Leben genommen hatte, mit den Worten zitiert worden: „Seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal.“

Nach massiver Kritik von Union und FDP bemühte sich Thierse um Schadensbegrenzung. Er bedauere, wenn der Eindruck entstanden sei, Kohl kritisiert zu haben. In einem Brief bat Thierse Kohl ausdrücklich um Entschuldigung. Allerdings betonte der SPD-Politiker in der ARD, Kohl weder kritisiert noch ihm einen Vorwurf gemacht zu haben. Daher falle es ihm auch nicht schwer, sich ausdrücklich dafür zu entschuldigen, dass ein anderer Eindruck entstanden ist und dass er verletzt worden ist. „Es war nicht meine Absicht“, bekräftigte Thierse.

Der stellvertretende SPD-Chef Peer Steinbrück hat sich indessen ebenfalls kritisch zu Wort gemeldet. Der private Bereich von Politikern müsse respektiert werden, sagte der Bundesfinanzminister. „Ich halte es für glaubhaft, dass Herr Thierse nicht Helmut Kohl in seiner Integrität treffen wollte, tatsächlich hat er eine Grenze überschritten.“ Kritik der Union, Thierses Bedauern über die Wirkung seiner Aussage sei nicht glaubwürdig, wies Steinbrück allerdings zurück: „Ich denke, er hat sich glaubhaft entschuldigt.“

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla hatte sich nämlich aufgeregt, Thierses Worte des Bedauerns seien unzureichend. Statt sich herauszureden, müsse der Sozialdemokrat eine glasklare Entschuldigung hervorbringen. Der Unionssprecher Jürgen Gehb reagierte sogar geradezu höhnisch. „Eine Entschuldigung von Thierse akzeptiere ich nur, wenn ein fachärztliches Attest ihm eine partielle Geschäftsunfähigkeit bescheinigt“, zitierte ihn die „Stuttgarter Zeitung“.

SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler hält den ganzen Wirbel für übersteigert. „Man sollte das niedriger hängen“, äußerte Stiegler sich gegenüber der „Passauer Neuen Presse“. „Das war nicht als Angriff auf Helmut Kohl gedacht.“ Er habe „aus eigener Erfahrung volles Verständnis“, wenn einem eine „Assoziation“ herausrutsche, die dann für Aufregung sorge. (dl)

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