In einem Auftritt in der Late Night-Talkshow ’Beckmann’ am gestrigen Montagabend erklärte Andrea Ypsilanti, dass auch eine Koalition mit der Linkspartei in absehbarer Zeit möglich sei. Insgesamt zeigte sich die heftig kritisierte hessische SPD-Frau wie eine professionelle Politikerin – das heißt, souverän, aber auch aalglatt und wenig glaubwürdig. Nur einmal gelang es dem Gastgeber, die Landesvorsitzende aus der Reserve zu locken.
Mangelnde Glaubwürdigkeit ist bei Andrea Ypsilanti ja kein neues Problem, werden die zahlreichen Kritiker der Politikerin jetzt einwenden. Schließlich hatte die angehende hessische Ministerpräsidentin vor der Landtagswahl ein Bündnis mit der Linkspartei ausgeschlossen, nur um dann nach der Wahl einzuräumen, dass sie „ihr Wahlversprechen nicht halten kann". Eine rot-grüne Koalition sollte es sein, toleriert von den Linken - damit sollte der Sturz von CDU-Ministerpräsident Roland Koch möglich sein.
Nach dem gestrigen Abend haben die Kritiker nun noch mehr Futter, das ihnen Ypsilanti vor die Füße geworfen hat. Eine Koalition mit der Linkspartei sei innerhalb der nächsten zwei Jahre möglich, bekannte die vermeintliche Wahlsiegerin. Zwar dürfe man die Grünen „nicht übergehen", aber „es ist schon so, dass man es so fest wie möglich machen will." Und eine Koalition sei eben fester als das zunächst angestrebte Tolerierungsbündnis.
Dem Gastgeber Reinhold Beckmann verriet Ypsilanti dann auch gleich, das es einen Koalitionsvertrag mit den Linken geben werde. Darin werde enthalten sein, dass die Linkspartei dem Haushalt zustimmen müsse und kein Mitspracherecht in der Länderkammer, dem Bundesrat, habe.
Insgesamt ließ sich Ypsilanti bei ihrem Auftritt bei Beckmann jedoch wenig Interessantes entlocken. Im Gegensatz zu ihrem hektischen Auftritt an selber Stelle im März gab sich die 51-Jährige diesmal wie eine professionelle Politikerin - also aalglatt, ohne Ecken und Kanten, und ohne erkennbare moralische Probleme angesichts ihres Wortbruchs.
Auch die Einspielung einer Umfrage, nach der über 60 Prozent aller Befragten in Hessen gegen eine rot-grüne Koalition unter Tolerierung der Linkspartei sind, brachte Ypsilanti nicht aus der Fassung. „Das sind alles FDP- und CDU-Wähler", konterte die hessische SPD-Chefin schlagfertig. Daraufhin konnte sich selbst der Gastgeber ein Lachen nicht verkneifen, sowie den Hinweis, dass das nicht stimme, was Ypsilanti auch genau wisse.
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Nur einmal verlor die eventuelle Nachfolgerin Roland Kochs kurz ihr bemüht ungerührtes Gesicht. Da fragte Beckmann sie nämlich, ob sie wisse, von wem das folgende Zitat stamme: „Um die Lust an der Macht zu verschleiern, verweisen einige als Motivation für ihr Handeln auf angebliche Inhalte, auf eine übergeordnete Sache." Die knappe Antwort von Ypsilanti war: „Das muss auf jeden Fall ein Mann geschrieben haben." Das hätte die Politikerin jedoch besser wissen können - schließlich stammt das Zitat aus ihrer eigenen Diplomarbeit, die sie vor 16 Jahren über Frauen in Führungspositionen geschrieben hatte. Dies war der größte Punktsieg für den Moderator am gestrigen Abend, vor allem als Ypsilanti ihm im Laufe der Sendung vorhielt: „Aber Herr Beckmann, es geht doch um die Inhalte."