Als Gene Roddenberry in den Sechzigern seinen STAR TREK Epos entwickelte, herrschte ein früher Zeitgeist. Man las Marcuse, Hesse und Fromm, und noch lieber als Marx, Sartre und Freud. Wer besonders klug sein wollte, las Heidegger und McLuhan. Die alte Besatzung des Raumschiff Enterprise war ein, ohne Penetranz, inszeniertes politisch korrektes Abbild der Weltlage.
Der Russe Chekov, der Chinese Sulu und natürlich Lieutenant Uhura, die Frauen- und Schwarzenbewegung in sich verband, machten das Raumschiff Enterprise zur kleinen UNO. Somit praktizierte STAR TREK zur Zeit des Vietnam- und Kalten Krieges eine frühe und vorbildliche Form Art der Entspannungspolitik.
Heutzutage übernehmen solche aufgeklärten und kulturellen Missionen Menschen wie ich. Der Tag eines solchen Menschen, wie ich es bin, ist prägender als die Rallye Paris-Dakar. Fast ein halbes Jahr hat es gedauert, um alle Vorbereitungen für die große Mission zu treffen, Planungen abzuschließen und sich mit Körper, Geist und natürlich auch Seele darauf vorzubereiten. Zu großem Dank verpflichtet bin ich meinen Freunden und sonstige Personen, die mir nahe stehen, mich trotz erheblicher Bedenken moralisch unterstützen, und mir den Abschied nicht all zu schwer gemacht haben.
Dem neutralen Leser sei vorab gesagt, dass mögliche Bemerkungen über die bäuerlichen Bewohner Mitteleuropas im folgendem aus dem Affekt gefallen sind und deshalb entsprechend milde beurteilt werden sollten.
Alle Golfreisenden, die schon mal außerhalb urbaner Gefilde gewesen sind, können verstehen, wie die Aufdringlichkeit, die fatale Hilfsbereitschaft oder das "Laissez faire" der Einheimischen den Besucher eines anderen Kulturkreises in den Wahnsinn treiben können. Eingepackt in Schneekombis und bei klirrender Kälte bricht die Expeditionscrew gegen 7 Uhr morgens auf. Mit maximal 100 km/h ziehen wir unsere Bahn, das Fahrverhalten unserer schwer beladenen Minis muss erst einmal ausgetestet werden. Vorbei an Enzian bedeckten Alpen düsen wir in Richtung Golf Babylon. Eine Mission zu Ehren meines Lob Wedge
56°steel.
Ausgeschlafen, gut gefrühstückt und in bester Laune verlassen wir bei ca. -12°C Windstille das Clubhaus. Der Kampf um eine bessere Startzeit war erfolglos. Der Spaziergang gleicht einer emotionalen Achterbahnfahrt der Elemente. Der Schlag, wenn der Ball aufs, extra für uns, aufgetaute Wasser knallt, lässt Titanic-Stimmung aufkommen. An meinem Röntgenaugen ziehen bei zig Minusgraden Wasserfontänen vorbei. Angesichts dieser Wassermassen bleibt mir fast das Herz stehen.
Die entsetzten Kollegen bleiben in einer großen Gischtwolke zurück. Mit Herzklopfen in sibirischer Kälte verbringe ich den halben Tag auf diesem Seelenverkäufergolfplatz. Ich rappele mich wieder auf und frage mich, ob es wohl gefährlich ist, hier auf Risiko zu spielen. "No, but drive quickly", pfeift der Kollege. Plötzlich eingebunkert in knallharten Wüstensand genieße ich mittlerweile diese überirdische Kälte. Wir nutzen die Zeit, um zu plaudern: Sir Laurence, was lieben Sie an der Wüste? Es ist ihre Reinheit.
Danach stürmt und poltert es wieder. Die Luft wird mit jeder Golfmeile wärmer. Erst nach mehr als fünf Stunden errreichen wir den 18-Millionen-Moloch und fühlen uns wieder sicher, glücklich und geborgen. Ein wunderschöner Spaziergang am Golfplatz zu Babylon ist zu Ende.
Erde an EUROPOLITAN - beamen wir uns wieder zurück ins Hier und Jetzt. Einst spielte STAR TREK ironisch mit dem liberalen Optimismus und expansionistischen Geist eines Commander James T. Kirk, der das 'New Frontier'- Denken der Kennedy-Generation widerspiegelte, und im ironischen Egghead-Fanatismus eines Dr. Spock und in der skeptischen Humanität eines 'Pille' McKoy Gegenpole vorgesetzt bekam. In deren multikultureller Zukunftsvision schien letztlich allles möglich zu sein, sogar ein neobuddhistischer Captain Picard.
Wörterberg:
Commando Chekov bitte übernehmen Sie.
Petra Augustyn
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