Der Regenschirm ist das Symbol der Götter. Ich sende Ihnen heute ein Schutzdach, damit es von Ihrem verehrungswürdigen Haupte den Regen abhalte.
Natürlich war es ein Engländer - der Londoner Geschäftsmann Jonas Hanway - der im Jahre 1750 den Regenschirm für den Gentleman populär machte. Von britischem Blut war auch Samuel Fox, Untertan Ihrer Majestät Queen Victoria: Er erfand 1852 das Stahlgestell für den Schirm und reduzierte damit dessen einstiges Gewicht von bis zu fünf Kilogramm erheblich.
Schließlich hatte man bis dahin noch mit Holzstangen und Fischbein hantiert, was sehr beschwerlich war. Materialien und Formen von Schirmen wiesen in den Anfängen große regionale Unterschiede auf. Waren es etwa in China Bambusgestänge mit Ölpapier, wurde hierzulande das Wachspapier aus Holzstangen gezogen. Dank zollfreier Rohstoffe aus den Kolonien konnte England den Schirm billigst produzieren, die Herstellungskosten lagen oft nur bei einem Penny.
Bei aller Anerkennung ihrer beschirmenden Pionierarbeit - die Briten mögen es uns verzeihen, aber erfunden wurde der Regenschirm übrigens weit vor 1750. Die erste schriftliche Erwähnung eines solchen Utensils soll auch dem Jahre 802 stammen.
Ein gewisser Abt Alcuin von Tours schickte dem Bischof Arno von Salzburg einen Regenschirm mit folgenden Worten: "Ich sandte dir ein Schutzdach, damit es von deinem verehrungswürdigen Haupte den Regen abhalte!"
Für den Mailänder Regenschirmfabrikant Francesco Maglia sind Regenschirme Ausdruck von Kultur und Lebensart. Früher ging ein Herr nie ohne Schirm, Hut und Handschuhe aus dem Haus. Aber diese Zeiten sind vorbei. Doch zum Glück gibt es noch Männer, die Wert auf eine stilvolle Erscheinung legen.
Ein Mann im Maßanzug, so die Philosophie, könne einfach nicht mit einem Schirm von der Stange daherkommen. Das wirkt wie ein Plastikbesteck im Gourmetrestaurant, oder ein Chateau Lafite-Rothschild im Aldi Regal. Und im Idealfall sollte der Schirm auch noch zur Autofarbe passen, eben ein Begleiter für jede Situation.
Lord Wellington, der Sieger von Waterloo, soll seinerzeit einen Schirm besessen haben, in dessen Griff ein Degen versteckt war. Und die feinen Damen der Gesellschaft ließen sich kleine Fächer für Parfüm oder Puder in ihre Schirmchen einarbeiten. Der Fantasie waren also kaum Grenzen gesetzt. Und ein Regenschirm verdient natürlich eine liebevolle Behandlung. Schließlich dient er als lebenslanger Begleiter. Eben wie handgenähte Schuhe, eine edle Aktentasche, die noble Armbanduhr oder die wenig noble, aber warme Winterwollmütze.
"Ich sandte dir ein Schutzdach, damit es von deinem verehrungswürdigen Haupte den Regen abhalte!" - wäre das Zitat des Abtes nicht auch ein schöner Text an den oder die Geliebte. Bestimmt bleiben Sie somit in ewiger Erinnerung. Im besten Falle auch bei Sonnenschein.
WÖRTERBERG:
Humor ist der Regenschirm der Weisen.
Petra Augustyn
www.museum-tv.eu