Eigentlich wollten Sie nur einen günstigen Landwein erstehen - nun kommen Sie mit einem sündhaft teuren Chateau Lafite-Rothschild nach Hause. Ach, Sie meinen, das könnte Ihnen nie passieren?
Heiliger Strohsack! Kurz vor Ladenschuss fällt Ihnen ein, dass Sie dringend ein Gastgeschenk brauchen. Zum Glück hat der kleine Weinladen an der Ecke noch offen. Sie treten ein mit dem festen Vorsatz, einen soliden Mittelklassewein zu erwerben. Doch drinnen bekommen Sie plötzlich Lust auf etwas Erlesenes und fühlen sich von den Regalen mit den "großen" Weinen geradezu magisch angezogen.
Schließlich wählen Sie einen Chateau Lafite-Rothschild, Jahrgang 1985. Was hat Sie nur dazu bewogen, derart tief in die Tasche zu greifen. Ist Ihnen vielleicht die sanfte Musik im Hintergrund aufgefallen - die leise aus den Lautsprechern perlt - etwa ein Klavierkonzert von Mozart. Und das kann Sie teuer zu stehen kommen. Wie kommt es zu dieser absatzfördernden Allianz von Mozart und Rothschild?
Tatsächlich wissen Forscher schon länger um die "Verführungskünste" klassischer Komponisten. Charles Areni und David Kim von der australischen James Cook University ließen bereits 1993 in diversen Weinhandlungen mal Popmusik, mal Klassik erklingen und verglichen dann die Verkaufszahlen.
Ergebnis: Mozart und Kollegen erhöhen den Umsatz verglichen mit Popcharts um das Zweieinhalbfache. Dabei nahmen die Kunden insgesamt zwar nicht mehr Flaschen, aber teurere. Wenngleich auch für die meisten unter uns unbewusst. Erst kürzlich entdeckte der japanische Neuropsychologe Makoto Iwanaga von der Universität Hiroshima, dass die 70er-Taktfrequenz Homo sapiens quasi im Blut liegt: Versuchspersonen hörten über Kopfhörer Musik, deren Geschwindigkeit sie selbst regeln sollten. Iwanaga stellte fest, dass sie das Tempo häufig dem Rhythmus des eigenen Herzens anglichen, das in Ruhe normalerweise etwa 70-mal pro Minute schlägt. Bei schnellerem Takt beschleunigt sich auch der Herzschlag, was sich sofort im Verhalten widerspiegelt.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit den Genuss von klassischer Musik oder ein Konzert dieser Gattung etwas näher bringen. Geprägt wurde der Begriff "Mozart-Effekt" 1993 von Journalisten der 'Herold Tribune' in New York gemeinsam mit einem Musikpädagogen.
Fröhliches Wochenende.
WÖRTERBERG:
Musik ist das Geräusch, das denkt.
Petra Augustyn
www.museum-tv.eu