Zwei Wochen vor Beginn der Weltklimakonferenz in Kopenhagen beraten die EU-Umweltminister in Brüssel nochmals über die Ziele, die der Gipfel nach Ansicht der EU anstreben sollte. Der schwedische Umweltminister und derzeitige Ratsvorsitzende Andreas Carlgren erklärte hierzu: “Wir wollen, dass die Klimakonferenz in Kopenhagen der Meilenstein wird.“
Carlgren bringt damit nochmals klar zum Ausdruck, dass Europa nicht nur Absichtserklärungen, sondern am Ende des elftägigen Gipfels definitive Zusagen erwartet. Die Europäische Union, die sich in den letzten Jahren zunehmend als Vorreiter im internationalen Streben nach Klimaschutz herauskristallisiert hat, will bei den Verhandlungen mit gutem Beispiel vorangehen.
Yvo de Boer, der Leiter des UNO-Klimasekretariats, erklärte hierzu in Brüssel: "Es sind nur noch 13 Tage bis zum Klimagipfel. Ich habe keinerlei Zweifel, dass er gelingt. Es müssen noch schwierige Probleme gelöst werden, aber ich glaube, dass wir das schaffen, dass die EU eine entscheidende Rolle spielen wird und den Grad des Ehrgeizes in Kopenhagen bestimmen wird."
Das konkrete Angebot der Europäer lautet: Bis 2020 sollen die Treibhausgase um 20 Prozent reduziert werden. Sollte der Gipfel in Kopenhagen bereits ein weltweites Klimaschutzabkommen hervorbringen, dann biete man sogar eine Reduktion um 30 Prozent an.
Dabei ist allerdings noch nicht geklärt, wie die Einsparungen innerhalb der EU auf die einzelnen Staaten verteilt werden sollen. Vor allem die osteuropäischen Länder betonen unmissverständlich, dass sie in den letzten 20 Jahren ausreichend investiert hätten, um ihre Industrie zu modernisieren und umweltfreundlicher zu gestalten.
Auf dem Gipfel in Kopenhagen soll nun ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll beschlossen werden, das erstmals verbindliche Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen in den Industrieländern festlegte. Ein entsprechendes Abkommen ist aber nur sinnvoll, wenn sich vor allem auch Länder wie die USA und China, die zu den größten CO2-Emittenten weltweit zählen, an den Absenkungen beteiligen. Der Schwede Andreas Carlgren sagte weiter: " Eine Einigung in Kopenhagen hängt in vollem Umfang davon ab, dass wir auch aus den Vereinigten Staaten und China zufriedenstellende Antworten erhalten."
Bislang haben die USA noch keine konkreten Ziele genannt, noch vor mehr als einer Woche sagte Barack Obama im Gegenteil auf seiner Asienreise, dass es beim Klimagipfel in Kopenhagen ohnehin nicht zum Abschluss eines verbindlichen Vertrags kommen werde. Auf zunehmenden internationalen Druck will jedoch nun auch die US-Regierung in den nächsten Tagen Zahlen für eine geplante CO2-Reduzierung nennen.
Der chinesische Präsident Hu Jintao mahnte, die Staaten sollten Zusagen machen, die sie auch erfüllen könnten. China hat zwar ebenfalls eine Reduzierung seines Schadstoffausstoßes zugesagt, Zahlen wurden jedoch auch in der Volksrepublik noch nicht genannt.
Die europäischen Politiker kritisieren nun allen voran die Vereinigten Staaten, da diese als Vorbild in der Welt dienen. Der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) sagte zu diesem Thema: "Wir wollen, dass die USA ihrer Führungsrolle gerecht werden." Der schwedische Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt betonte ebenfalls, dass die Amerikaner mehr für den Klimaschutz tun müssten. Während andere Staaten wie Australien, Japan oder Russland "sehr wichtige" Zusagen gemacht hätten, komme aus Washington bisher "nicht genug". De Boer, Verhandlungsführer der UNO, kommentierte: "Der Schlüssel liegt in Washington, alle anderen sind bereit."
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Norbert Röttgen ermahnte weiter: "Es muss gelingen, weil ein Scheitern von Kopenhagen bedeuten würde, dass wir katastrophale Klimafolgen weltweit zu erdulden hätten." Diese Aussage ist von besonderer Brisanz. Die Meteorologische Organisation der Vereinten Nationen (WMO) hat Untersuchungsergebnisse bekanntgegeben, die besagen, dass die Treibhausgas-Konzentration in der Erdatmosphäre 2008 auf Rekordwerte und stärker als in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Der Versicherungskonzern Allianz und die Umweltstiftung WWF warnten vor einer plötzlichen Klimakatastrophe schon vor dem Jahr 2050.