Nachdem US-Staatsbürgerin Amanda Knox durch ein italienisches Gericht schuldig gesprochen und zu 26 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, geht eine Welle der Empörung durch Amerika. Die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern sind gespannt. Die Familie Knox versucht jedoch zu vermitteln und beteuert, das Vertrauen in das italienische Justizsystem nicht verloren zu haben.
US-Studentin Amanda Knox (23) war am vergangenen Samstag im italienischen Perugia in einem Indizienprozess wegen Mordes und sexueller Nötigung zu 26 Jahren Haft verurteilt worden. Die Ermittlungen und der Prozess sind umstritten. Nachlässigkeiten in den Ermittlungen, fehlende Tatzeugen, fehlende Geständnisse und Unklarheiten über die Tatwaffe lassen die Beweisführung lückenhaft erscheinen. Der spektakuläre Prozess wurde darüber hinaus von den Medien hochgradig beeinflusst.
Amanda Knox
Die US-Staatsbürgerin war gemeinsam mit ihrem italienischen Ex-Freund Raffaele Sollecito (25) angeklagt, die Britin Meredith Kercher gefoltert, vergewaltigt und ermordet zu haben, da diese sich weigerte, bei Sexspielen mit den Angeklagten und dem Ivorer Rudy Guede mitzumachen. Rudy Guede wurde in einem abgekürzten Prozess wegen Beteiligung an dem Verbrechen bereits im Vorfeld zu einer Haftstrafe von 30 Jahren verurteilt.
Amanda Knox brach im Moment der Urteilsverkündung in Tränen aus und stand anschließend wegen ihres besorgniserregenden Zustandes unter erhöhter Überwachung. In der Zwischenzeit hat sie sich jedoch wieder erholt und nach eigenen Angaben ihr Vertrauen in die italienische Justiz noch nicht verloren. Die italienische Zeitung ´Corriere della Sera´ zitierte die verurteilte Studentin:
"Ich habe noch Vertrauen in die italienische Justiz, ich glaube noch daran, ich dachte, ich wäre Weihnachten zu Hause, aber ich muss warten. Und sicher, dass ich unbedingt frei sein möchte, aber die Straße, die ich gewählt habe, um hier herauszukommen, ist nur die eine: die Berufung, die meine Anwälte vorbereiten." Sie fügte hinzu, dass sie glaube, ihre Rechte seien bei dem Prozess respektiert worden.
Auch die Eltern der Amerikanerin äußerten sich ähnlich: "Es handelt sich um einen Justizirrtum, aber wir kritisieren nicht das italienische Justizsystem." Die Worte scheinen die außenpolitischen Irritationen, die die Verurteilung der Amerikanerin durch ein italienisches Gericht vor allem in den USA hervorgerufen hat, glätten zu wollen.
Tatsächlich brachte die US-Senatorin Maria Cantwell aus Knox´ Heimatstaat Washington "ernste Zweifel an der Funktion des italienischen Justizsystems" zum Ausdruck und deutete ebenfalls an, dass "Antiamerikanismus" bei dem Urteil eine Rolle gespielt haben könnten. Der Fall wurde auch an die US-Außenministerin Hillary Clinton herangetragen, die diesen überprüfen will. Bereits vor der Urteilsverkündung gab es im amerikanischen Fernsehen fast wöchentlich eine Sondersendung über den "Jahrhundertprozess in Perugia".
Nach der Urteilsverkündigung wird Knox nun von den amerikanischen Medien erst recht als Märtyrerin überhöht, der der italienische Antiamerikanismus zum Verhängnis wurde. Mehrere Gemeinden in Amerika riefen zu einem Boykott italienischer Produkte auf und forderten sogar ein Eingreifen des Präsidenten Barack Obamas.
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Die Eltern der verurteilten Studentin äußerten im Interview mit Talk-Show-Gastgeber Larry King, zu dessen Show sie per Live-Schaltung aus Perugia zugeschaltet waren, die Hoffnung, dass die Berufungsverhandlung bereits in weniger als einem Jahr stattfinden kann.
Olaf Becker (11.12.2009 08:48)Wen wunderts
Was soll man denn bitte von einem Land und dessen Bürgern erwarten, in dem ein Berlusconi regiert ?