Der Mord an der englischen Austauschstudentin Meredith Kercher in Perugia ist fast eineinhalb Jahre her, aber bewegt immer noch die Gemüter. Angeklagt ist neben dem ‘eiskalten Engel’ Amanda Knox auch ihr Ex-Freund Raffaele Sollicito. Bereits vor Monaten war der aus Afrika stammende Rudy Guede, ein ortsansässiger Drogendealer, rechtskräftig zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Nun legte der damals zuständige Richter sein Urteilsbegründung vor - und nährt den bösen Verdacht gegen die schöne Knox.
„Ein Mord zur Befriedigung sexueller Instinkte", attestierte der damalige Richter Paolo Micheli in dem abgekürzten Verfahren dem Angeklagten Guede. In dem 106-seitigen nun veröffentlichtem Bericht steht zudem: „Es waren weitere Personen an der Tat beteiligt". Micheli nährt den Verdacht gegen Amanda Knox weiter: Der spätere Täter konnte in die Wohnung hinein, „weil ihm die Tür geöffnet worden war und das konnte niemand anders gewesen sein als Amanda Knox."
Vor Gericht hatte der Verteidiger von Guede erklärt, sein Mandant habe Kercher beraubt, nachdem Knox ihr unter Mithilfe ihres damaligen Freundes Sollicito die Kehle durchgeschnitten hatte. Mit der Tat selbst habe er nichts zu tun, obwohl an der Leiche seine DNA-Spuren gefunden worden waren. Dieser Verteidigungsstrategie folgte der Richter nicht. Micheli sah es hingegen als erwiesen an, dass alle drei Angeklagten einer klaren Tötungsabsicht aus sexuellen Motiven heraus folgten.
Damit gerät auch die Verteidigung von Amanda Knox und Sollicito langsam immer stärker ins Wanken. Den beiden wird neben Mordes auch noch Diebstahl und die Vortäuschung eines Einbruchs vorgeworfen. Die Anwälte der zwei Angeklagten machen hingegen geltend, dass der alleinige Mörder, nämlich Guede, bereits gefasst und verurteilt worden sei. Im Übrigen seien die von der Anklage gesammelten Indizienbeweise wie Fingerabdrücke, DNA- und Blutspuren unzureichend, widersprüchlich und wegen Schlampereien der Polizei zudem noch stark kontaminiert worden, also insgesamt beinahe unbrauchbar.
Amanda Knox
Die Anklage geht hingegen ebenfalls von einem Mord aus Lust aus. Demnach hätten die drei Beschuldigten an jenem Tag viel Marihuana geraucht und anschließend eine wilde Sex-Orgie gefeiert. Schließlich habe Knox zur größeren Lustbefriedigung Kercher getötet. Nachdem nun die höchstrichterliche Urteilsbegründung im ersten Prozess um den Mord an Meredith Kercher veröffentlicht worden ist, könnte die Anklage gegen Amanda Knox und Sollicito weiter Auftrieb bekommen. Ob sich das Geschworenengericht davon beeindrucken lässt, bleibt abzuwarten, noch in dieser Woche steht ein weiterer Prozesstag im berühmtesten Mordfall Perugias an. (cai)
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