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15.09.2009BRUTALE ATTACKE AUF COURAGIERTEN GESCHÄFTSMANN

Am S-Bahnhof zu Tode geprügelt, weil er Kinder beschützen wollte

Der 50-jährige Geschäftsmanns Dominik B. hat am Wochenende mit seinem Leben dafür bezahlt, dass er vier 13- bis 15-jährige Jugendliche vor zwei ein Paar Jahre ältere Brutalos beschützen wollte. Die Täter befinden sich derzeit im Untersuchungsgefängnis. CSU-Politiker forderten, das Jugendstrafgesetz zu verschärfen.

Wie die Polizei in einer Pressemitteilung bekannt gab, kam es am vergangenen Samstagnachmittag zwischen zwei Gruppen Jugendlicher am Bahnsteig des Münchner S-Bahnhofs Donnersbergerbrücke zu einem Streit. Zwei 17-Jährige und ein 18-Jähriger drohten vier 13- bis 15-Jährigen, jeweils zwei Mädchen und zwei Jungen, Schläge an, wenn letztere ihnen nicht Bargeld aushändigten. Ein 17-Jähriger schlug zur Untermauerung seiner Drohung mit der Faust den beiden Jungen ins Gesicht sowie auf den Rücken, wie Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger am gestrigen Montagmorgen bestätigte.

Die jüngere Gruppe erwiderte die Aggressionen nicht. In die anschließend einfahrende S-Bahn stiegen zwei der Randalierer gemeinsam mit den Opfern ein, der bisher als einziger körperlich gewalttätig gewordene 17-Jährige blieb zurück. Kurz zuvor wiegelte er seine beiden Kumpanen noch mit dem Spruch "Besorgt's denen richtig" auf. Während der Fahrt äußerten die beiden anderen aggressiven Jugendlichen nochmals ihre Geldforderung "in provokativer Weise lautstark", wie nun ein Polizeisprecher hervorhob.

Ein 50-jähriger Geschäftsmann, Dominik B., der sich ebenfalls in der S-Bahn aufhielt, versuchte daraufhin zwischen den Gruppen zu schlichten. Er verständigte mit seinem Handy die Polizei und bot den erpressten Jugendlichen an, mit ihm zusammen an der Haltestelle Solln auszusteigen. Obwohl sie eigentlich schon früher aussteigen wollten, nahmen sie aus Angst vor den aggressiven Jugendlichen das Angebot des Geschäftsmanns an.

Am S-Bahnhof Solln stiegen daraufhin alle Beteiligten aus. Die beiden Rowdies versuchten nun die jüngeren Jugendlichen zu schlagen, was B. erfolgreich verhindern konnte. Nun allerdings prügelten die Aggressoren auf den couragierten Geschäftsmann ein, und schlugen mit ihren Fäusten auf Gesicht und Oberkörper des angesehenen Vorstands eines Dachziegel-Unternehmens. Die 13- bis 15-jährigen Jugendlichen versuchten dem Mann zu helfen, und forderten die Schläger wiederholt auf, mit der Gewalttat aufzuhören.

Davon unbeeindruckt prügelten die Täter weiter auf ihr Opfer ein, das bereits mit dem Hinterkopf auf ein Geländer aufgeschlagen war und am Boden lag, bis B. das Bewusstsein verlor. Insgesamt fügten die Täter ihrem Opfer 22 Verletzungen "durch Einwirkung stumpfer Gewalt" zu, ergab das vorläufige Obduktionsergebnis. Nach ihrer Tat verschwanden die beiden Beschuldigten über die Gleise in ein Gebüsch. Etwa 15 weitere Passanten befanden sich in unmittelbarer Nähe und riefen die Polizei, die kurz darauf auch am Tatort eintraf. Im Rahmen einer Sonderfahndung konnten die Beschuldigten festgenommen werden.

Der Geschäftsmann erlangte nach der brutalen Tat nochmals kurz das Bewusstsein, musste jedoch von einem Passanten reanimiert werden, bis der Notarzt die Wiederbelebungsmaßnahme fortsetzte. B. verstarb schließlich am Samstagabend im Krankenhaus. Die Polizei vernahm Zeugen und Beschuldigte noch bis in den Morgen. Die Täter räumten zwar ein, eine Auseinandersetzung mit den vier Jugendlichen gehabt zu haben, äußerten sich jedoch ohne ihre Rechtsanwälte nicht zum Tatablauf.

Der dritte Täter, der 17-Jährige, der an der Donnersberger Brücke die männlichen Jugendlichen erstmals geschlagen hatte, konnte wegen Körperverletzung und versuchter räuberischer Erpressung am Sonntagnachmittag festgenommen werden. Kurz zuvor hatte er noch im Internet den Schmähruf 'Schießt die Bullen tot und holt den Basti und Markus raus."

Die Staatsanwaltschaft München stufte die Tat als Mord aus niedrigen Beweggründen ein. Außerdem müssen sich die Beschuldigten wegen versuchter räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten. Sie waren zuvor bereits wegen Körperverletzung, Erpressung und Diebstahl polizeibekannt. Eine toxologische Untersuchung in den nächsten Tagen soll prüfen, ob die Täter bei der Tat unter Drogeneinfluss standen. Über Anwalt Gregor Rose beteuerte der 18-jährige Täter in der Münchner Zeitung 'tz': "Ich wollte nicht, dass der Mann stirbt." Rose fügte hinzu: "Er bedauert seine Tat zutiefst und kann sich nicht erklären, wie es zu diesem Blackout kommen konnte."

Bei dem Opfer Dominik B. handelte es sich um einen führenden Mitarbeiter der Erlus AG, einem niederbayerischen Unternehmen in der Baubrache. Der Mann wohnte in der Nähe seiner Arbeitsstelle in Ergoldsbach im Landkreis Landshut. In Solln hatte der Geschäftsmann seinen Zweitwohnsitz bei seiner Lebensgefährtin, mit der er gerne das Wochenende verbrachte. Den gelernten Juristen beschrieben Nachbarn als gepflegt, zurückhaltend und freundlich. Ein Mitarbeiter erzählte dem Lokalblatt 'tz': "Er wollte immer schlichten."

Politiker der CSU forderten am gestrigen Montag als Reaktion auf die brutalen Ereignisse in Solln, das Jugendstrafgesetz zu verschärfen. Die Höchststrafe solle von zehn auf 15 Jahre erhöht werden. Volljährige Täter müssten grundsätzlich nach Erwachsenenrecht verurteilt werden. CSU-Landesgruppenchef und bayerischer Innenminister Peter Ramsauer erhob gegen die SPD "schwere Vorwürfe", da diese die Verschärfung des Jugendstrafrechts bisher blockiert habe. Die SPD habe sich geweigert "auch nur das Geringste zu tun", erklärte er dem 'Spiegel'. Ramsauer forderte außerdem, Überwachungskameras wie in der Münchner U-Bahn auch an S-Bahnhöfen einzusetzen, denn die Zahl der Straftaten sei in der U-Bahn zurückgegangen.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) verwies darauf, dass die jugendliche Aggressivität "generell" als Problem zu beobachten sei und nicht nur ein Phänomen innerhalb des öffentlichen Nahverkehrs sei. Die Aggressivität sei "keine Besonderheit nur für München". Am morgigen Mittwoch möchte sich das bayerische Kabinett mit den jüngsten Ereignissen befassen.

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