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27.06.2010 Pressestimmen zu Deutschland-England: 'Thomas Müller - Ein Star ist geboren'

Verneigung vor jungem Team

Die Pressestimmen aus Europa feiern den klaren Sieg, den Deutschland am gestrigen Sonntag gegen Erzrivale England erringen konnte. Insbesondere Thomas Müller wird als neuer Shooting Star am Fußball-Firmament wahrgenommen.

Ein überragender Triumph: Die internationalen Pressestimmen sind beeindruckt von der Leistung des DFB-Teams in der gestrigen Partie Deutschland gegen England.

Mit einer Prise Glück und einem veritablen Torreigen konnte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw die englische Elf zu Boden ringen, und zudem noch das historische Ergebnis von 4-1 erzielen. Nach einem Meistertreffer von Miroslav Klose in der 20. legte Lukas Podolski in der 32. Minute noch einen drauf. Gegen Ende der ersten Halbzeit begehrte England dann nach einmal auf, und schien nach dem Treffer von Upson in der 37. Minute das Blatt noch einmal wenden zu können.

Nachdem Frank Lampard dann jedoch ein reguläres Tor aberkannt wurde, machte Thomas Müller den Sack in der zweiten Spielhälfte mit einem Doppelpack endgültig in der 67. und 70. Minute zu. Nicht von ungefähr wurden daher überall Erinnerungen an das sogenannte 'Wembley-Tor' von 1966 wach, als im WM-Finale ein auf der Linie gelandeter Lattenschuss als Tor gewertet wurde und England im entscheidenden Moment in Führung brachte.

Kein Wunder also, dass 'Bild' am heutigen Montag auf Seite 10 titelt: "Nach 44 Jahren ist Wembley endlich ausgeglichen. Jetzt wissen die Engländer, wie wir uns die ganze Zeit gefühlt haben." Aber auch die ausländischen Pressestimmen unterliegen derselben Assoziation, allen voran die 'Gazzetta dello Sport' aus Mailand, die schreibt: "Absurd! Der Fußball blieb vor 44 Jahren stehen. Das 2-2 wird nicht gegeben. Dann zerstückelt Deutschland Capello."

Im Fließtext würdigt das rosafarbene Blatt dann die herausragende Leistung von Thomas Müller: "Vor dem Hintergrund einer WM, die derart mit spektakulärer Spielweise und neuen Namen geizt, begrüßen wir gerne die Geburt eines Sterns, der noch lange scheinen wird: Die Rede ist vom 20-jährigen Thomas Müller, dessen Nachname glorreiche Erinnerungen weckt, aber dessen Technik und Taktik vollständiger ist als die des legendären Gerd."

Auch in der Einzelwertung lobt die italienische Tageszeitung den Stürmer des FC Bayern München über den Klee: "Er ist das überraschende Symbol einer überraschenden Mannschaft. Er kommt von rechts, aber auch überall zurecht. Sein Rhytmus ist überragend. Er ist es, der England versenkt hat. Er ist bereit, Torschützenkönig Higuain herauszufordern."

Aber aus Mehmet Özil wird als spielmacherisches Genie dieses Fußball-Deutschlands hervorgehoben: "Er ist das andere deutsche Teufelchen, ein offensiver Mittelfeldspieler, der einfach nicht festzunageln ist. Mit Müller bildet er ein perfektes Duo." Miroslav Klose wird auch nicht vergessen: "Er war bei der letzten WM mit fünf Treffern Torschützenkönig, jetzt steht er schoen wieder bei zwei. Er war der Erste, der gegen England traf-mit einer Grätsche im Stil ganz großer Stürmer."

In Joachim Löw sieht die 'Gazzetta' den eigentlichen Mann hinter dem deutschen Erfolg: "Er hat eine Mannschaft auf den Platz gestellt, die alle Spielzüge auswendig kann. Sie verliert in den schwierigsten Momenten nie den Kopf. Vor allem aber erteilt er Capello in Sachen Konter eine Lektion, die es in sich hat." Der 'Corriere dello Sport' aus Rom pflichtet dem bei: "Schön ist sein Team - solide, und mit Spaß am Spiel." Über Thomas Müller urteilt das Blatt aus der Haupstadt des Stiefelstaates: "Er hat eine ganz hervorragende Partie hingelegt. Es kamen zwei Tore und zwei Vorlagen dabei heraus."

In der Gesamtschau wertet das Blatt das nicht gewährte Tor jedoch als entscheidend: "Deutschland hat zwar doniniert und den Sieg verdient, aber das Spiel wäre bei einem Stand von 2-2 anders verlaufen. England hätte sich den deutschen Kontern wahrscheinlich nicht so schutzlos ausgeliefert." 'Tuttosport' aus Turin sieht hingegen unterm Strich ein sportliches Ungleichgewicht zugunsten von Deutschland: "Es ist ein Deutschland sichtbar geworden, das sich dank besseren Reaktionsvermögens, intensiverer Laufarbeit und der taktischer Intelligenz von Joachim Löw hat durchsetzen können."

Auch der renommierte 'Corriere della Sera' zollt Respekt: "Deutschland legt auf wundervolle Weise los und führt nach zwanzig Minuten mit 2-0. Die jungen Deutschen spielen wie auf Wolken, sie schweben nahezu und sind tödlich präzise. Nach Kloses Eröffnungstreffer legen sie mit der schönsten Szene der gesamten bisherigen WM noch einen drauf."

Aus Rom geht hingegen 'La Repubblica' mit Fabio Capello hart ins Gericht: "Es hat eines Italieners bedurft, um das schlimmste Desaster der englischen WM-Geschichte anzurichten. Und das auch noch gegen Deutschland, ihre härtesten Rivalen aller Zeiten. Für den britischen Fußball ist das Schande, Demütigung und historischer Tiefschlag zugleich."

Kleinlaut gehen die Pressestimmen aus London in dieselbe Richtung. Die 'Daily Mail' subsumiert: "Deutschland hat eine epische Begegnung gewonnen. Der Schnitzer des Schiedsrichters war am Ende fast egal, nachdem Englands elende Abwehr die peinliche Schlappe erst möglich machte."

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