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06.07.2010 Pressestimmen vor Niederlande-Uruguay: 'Arjen Robben und Wesley Sneijder trumpfen auf'

Zweifacher Weltmeister auf der Lauer

Die internationalen Pressestimmen befassen sich am heutigen Dienstag mit WM-Halbfinalist Holland. Die Niederlande haben gegen Brasilien Blut geleckt und fiebern bereits dem Endspiel entgegen. Um den Ballon d'Or buhlen jedoch nicht nur Wesley Sneijder und Arjen Robben, sondern überraschend auch Thomas Müller, Miroslav Klose und Bastian Schweinsteiger.

Deutschlands gefährlichster Gegner ist Holland: Europas Pressestimmen erwarten vom heutigen Halbfinale die Kür der Niederlande als ersten Anwärter auf den WM-Titel.

Am vergangenen Freitag hatte das Team von Bondscoach Bert van Marwijk den fünfmaligen Weltmeister Brasilien nach spannender Aufholjagd mit 2:1 geschlagen. Wieder einmal war es Inter-Regisseur Wesley Sneijder, der per Strafschuss und Kopfball die entscheidenden Akzente setzte. Bayern-Star Arjen Robben hingegen sorgte mit seinen spektakulären Aktionen nicht nur immer wieder für Unruhe in den gegenerischen Reihen, sondern auch dafür, dass Mittelfeld-Gegner Felipe Melo wegen eines fiesen Fowls letztlich vom Platz gestellt werden musste.

Es kommt also nicht von ungefähr, dass die italienische Tageszeitung 'Gazzetta dello Sport' sowohl Wesley Sneijder, als auch Arjen Robben neben Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose als heiße Anwärter für den diesjährigen Ballon d'Or aufführt. Auf Seite fünf titelt das rosafarbene Blatt: "Die Wesley-Story. Der kleine Mann mit den großen Abenden. Alles in einem Jahr. Wenn er es heute bis ins Finale schafft, dann ist der Ballon d'Or nur noch einen Schritt entfernt."

Im Fließtext analysiert Alberto Cerruti die Ausangslage gegen Uruguay dann wie folgt: "Holland hat das einzige Team, das alle acht Qualifikationsspiele dank Wesley Sneijder und Arjen Robben gewonnen hat und die ersten fünf Begegnungen in Südafrika ebenfalls, auch wenn es die eigene Offensiv-Ausrichtung mit zu vielen Risiken hinten bezahlt. Trotz der tollen Paraden von Stekelenburg bleiben die Niederlande der Halbfinalist, der die meisten Gegentoreassiert hat. Uruguay muss also beim Konter treffen und auf das wahrscheinliche Senario einer Elfmeter-Entscheidung setzen."

Der 'Corriere della Sera' aus Mailand wagt hingegen die folgende Vorausschau: "Jenseits von Sneijder wird die wahre Gefahr für Uruguay von Robbens Talent ausgehen. Er ist der Schlüssel des niederländischen Spiels, und daher der gesamten Begegnung. Über ihn ist alles bekannt, aber es ist nicht einfach, ihn einzukesseln. Robben kann mit seinen Beschleunigungen das Gleichgewicht eines gesamten Teams auseinanderreißen. Die einzige Lösung ist die Teilnahme aller an den Verteidigungsaufgaben - in der Hoffnung auf Gott und so manchen Konter."

In Rom erinnert die Tageszeitung 'Corriere dello Sport' hingegen an das Finale von 1978: "Es ist einfach, Sneijder und Robben als Erben jenes totalen Fußballs zu bezeichnen, der in den Siebziger Jahren in Erscheinung trat. Johan Cruijff verhielt sich zum Fußball wie die Rockstars zu Woodstock. Aufdem Spielfeld verkörperten sie, wie Led Zeppelin auf der Bühne, die reinste Energie. Heute sind Sneijder und Robben an der Reihe, sich einen Weg zum Ruhm zu ebnen, und 32 Jahre später wieder ein Finale zu bestreiten."

Ähnliche Assoziationen werden auch bei 'Tuttosport' in Turin wach: "Man muss sich in die Siebziger zurückdenken, um Holland und Uruguay das letzte Mal in einem WM-Halbfinale zu sehen. Die 'Tulpen' von Trainer Van Varwijk haben die Chance, das Ergebnis des Uhrwerks Orange zu replizieren, das sowohl 1974 als auch 1978 ins Finale einzog, aber dort gegen die jeweiligen Hausherren verlor. Das Ziel lautet, diesmal besser abzuschneiden. Uruguay allerdings wird mit einem freieren Kopf antreten als Holland, das als enormer Favorit gilt und seit 24 Partien ungeschlagen ist."

Die Pressestimmen komplettiert die 'Financial Times' aus London, die ihrerseits den Niederlanden zwar ein Weiterkommen voraussagt - dort aber eine Niederlage gegen Deutschland prohezeit. Im Wortlaut heißt es da: "Wie 1974 wuchs die Hälfte des Teams fußballerisch in den Reihen von Ajax Amsterdam auf. Wie 1974 hielten sie ihren Vorsprung gegen Brasilien nicht, indem sie verteidigten, sondern indem sie stürmten. Genau wie 1974 sind die Holländer pragmatisch, und strecken mit Hilfe von Nigel de Jong und Mark van Bommel bereits im Mittelfeld alles nieder, was bei drei nicht auf den Bäumen ist."

WM-Kolumnist Simon Kuper zieht daraus ein böswilliges Fazit: "Das Team passt derart perfekt in die niederländische Tradition, dass es nicht schwierig ist, das traditionelles Ergebnis vorherzusagen: Eine Niederlage im Endspiel gegen Deutschland."

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