Im weltweit für Aufregung sorgenden Mordfall der britischen Studentin Meredith Kercher in Perugia ist es am gestrigen Mittwoch zu einer spektakulären Wende gekommen. Ein im italienischen Fernsehen ausgestrahltes Überwachungsvideo entlastet die medial am Pranger stehende US-Amerikanerin Amanda Knox.
Den Hauptverdächtigen, den Deutsch-Afrikaner Rudy Guede, bringt das Video hingegen zunehmend in Bedrängnis. Auf den Aufnahmen einer Überwachungskamera eines Parkplatzes sind die letzten Augenblicke im Leben Meredith Kerchers am 1. November des vergangenen Jahres zu sehen.
Die Aufnahmen bieten zwei Schlüsselindizien. Zum einen regnet es in der Nacht nicht - und dadurch wäre die Aussage des Hauptzeugen der Anklage entkräftet, der Kercher mit ihrer Mitbewohnerin Amanda Knox, deren Freund Raffaele Sollecito und eben Rudy Guede bei strömendem Regen vor dem Haus gesehen haben will.
Zum zweiten steht Guede nicht allein vor dem Haus, um sich mit Meredith zu treffen, wie er behauptet hat, sondern begleitet sie nach Hause, und ist im Anschluss alleine im Vorbeigehen zu sehen. Dabei soll er angeblich dieselbe Jacke tragen, die er anschließend bei seiner Festnahme nach der Flucht nach Deutschland anhatte.
Sollten die Aufnahmen, die der Sender ‚Italia 1' selbst sicherstellte, und die den Ermittlungsbehörden somit noch nicht zugänglich waren, zur Beweisaufnahme zugelassen werden, würde sich die nun schon zehn Monate anhaltende Verhaftung von Amanda Knox und Raffaele Sollecito als Justizfehler herausstellen. Die Lage von Rudy Guede wird hingegen zunehmend unhaltbar.