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Mesut Özil im Nationalelf-Zwiepalt: Wird es Deutschland – oder die Türkei?

09.10.2008 Mesut Özil im Nationalelf-Zwiepalt: Wird es Deutschland – oder die Türkei?

Begehrtes Mittelfeld-Talent

Der Bremer Mittelfeldspieler Mesut Özil gehört ganz klar zu den Gewinnern der noch jungen Bundesliga-Saison. Nach zuletzt überzeugenden Leistungen ist der 19-Jährige auch ein Thema für die Nationalmannschaft - allerdings nicht nur für die deutsche. Auch der türkische Nationaltrainer Fatih Terim hat bereits Interesse an dem Deutsch-Türken angemeldet. Der hatte sich eigentlich schon längst für den DFB entschieden, scheint nun aber doch wieder zu schwanken.

In den ersten sieben Spielen der laufenden Bundesligasaison erzielte Özil drei Treffer und bereitete vier weitere vor. Damit ist der im letzten Winter von Schalke 04 gekommene Mittelfeldspieler unerwartet schnell aus dem Schatten des Brasilianers Diego getreten. Viele Experten sehen in Özil bereits den legitimen Nachfolger Diegos, sollte der Ballzauberer vom Zuckerhut seine Zelte an der Weser abbrechen.

Nach der äußert positiven Entwicklung des Dribbelkünstlers rechneten nicht wenige damit, dass Bundestrainer Joachim Löw Özil bald zur Nationalmannschaft einladen würde. Schließlich zählt der gebürtige Gelsenkirchener bereits seit längerem zum Stamm der deutschen U21, und war auch schon in der U19-Auswahl für Deutschland am Ball. Doch nun hat auch die Türkei, das Geburtsland von Özils Vater, Wind von den guten Leistungen des Bremers bekommen.

Der türkische Nationalcoach Fatih Terim will nichts unversucht lassen, Özil von einem Engagement für das Land am Bosporus zu überzeugen. „Mesut hat uns um Zeit gebeten, um nachzudenken. Wir erwarten seine Entscheidung in den nächsten Tagen", verkündete der 'Imperator'. Doch um dem Umworbenen die Türkei zusätzlich schmackhaft zu machen, hat Terim sogar zwei weitere Bundesligaprofis mit einem Spezialauftrag versehen. „Wir haben Hamit und Halil Altintop darum gebeten, uns in dieser Sache zu unterstützen", verkündete der Nationaltrainer.

Trotz seiner Einsätze für die Jugendauswahlen des DFB wäre Özil nach wie vor für die Türkei spielberechtigt. Denn bis zum 21. Lebensjahr kann ein Spieler noch das Auswahlteam wechseln. Der Bremer schweigt bislang zu den Avancen von Seiten der Türkei. Das mag wohl daran liegen, dass sich Özil innerlich schon lange für den DFB entschieden hatte, nun aber durch die Charmeoffensive Terims wieder ins Schwanken gekommen ist. Seinen türkischen Pass hatte Özil angeblich bereits abgegeben. Auch der Vater des Spielers, der selbst im Alter von zwei Jahren aus Anatolien ins Ruhrgebiet kam, riet seinem Filius stets dazu, für sein Geburtsland Deutschland zu spielen.

Erdal Keser, der frühere Bundesliga-Profi türkischer Abstammung, versicherte gegenüber FOCUS Online, dass der türkische Verband keinerlei Druck auf die türkischstämmigen Deutschen ausübe. „Die Spieler sollen nach ihrem Herz entscheiden", erklärte der frühere Dortmunder, der bis vor kurzem für das Talentscout-Büro des türkischen Fußballverbands in Europa tätig war.

Dort sollen begabte Kinder ausgewanderter Türken ausfindig gemacht, und für die türkische Nationalelf verpflichtet werden. Ob sich Özil, wie bespielsweise vor ihm der Dortmunder Nuri Sahin, für die Türkei entscheidet, kann auch von ganz praktischen Gesichtspunkten abhängen. „Oft entscheiden sich die Spieler für die Auswahl, in der sie auf ihrer Position am meisten Chancen auf eine Berufung sehen", so Keser.

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