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DSDS 2010: Menowin Fröhlich im Internet vorne - Mehrzad Marashi bei 'Bild'

25.07.2010 Menowin Fröhlich: Als Sinto zum Prügelknaben des Boulevard

Brandgefährliche Klischees

DSDS-Finalist und Sinto Menowin Fröhlich wird seit Monaten von großen Boulevard-Medien als "Ex-Knacki" diskreditiert, der keine Absprachen einhalte, zu Terminen zu spät komme, klaue und krankhaft lüge. Auch kriminelle Tätigkeiten werden am laufenden Band unterstellt, obwohl die diesbezügliche Beweislage oft prekär ist, wenn sie nicht gleich beim näheren Hinsehen jeglicher Grundlage entbehrt. Im Rahmen der Castingshow 'DSDS' mobbten die Konkurrenten das Gesangstalent zudem offen und vor der Kamera als "Zigeuner", und unterstellten ihm und "seinen Leuten" asoziale Verhaltensweisen.

Die gebetsmühlenartig wiederholten Klischees und handfesten Verleumdungen wirken dabei in Summe auf erschreckende Weise wie ein aktuelles Echo jener bösartigen Propaganda, welche die Nationalsozialisten einst gegen Tausende Sinti und Roma betrieben. Schließlich führte diese Ausgrenzung und Verfolgung im Rahmen der 'Endlösung' zum ideologisch motivierten Massenmord. Auch wenn wir heute in einem demokratischen, in vielerlei Hinsicht vorbildlich tolerantem Deutschland leben, ist es dennoch höchste Zeit, einzugreifen: In Ostdeutschland verabreden sich mittlerweile schon Rechtsgerichtete im Internet, um den Sänger bei seinen Auftritten mit rassistischen Schmährufen zu trätieren.

Unschöne Wahrheit: Die systematische Negativ-Kampagne gegen Soul-Talent Menowin Fröhlich (22) trägt üble Früchte und treibt Blüten, die in vielerlei Hinsicht an ein sehr dunkles Kapitel der deutschen Geschichte erinnern.

'Zigeunerpack' lautete es aus zahlreichen Kehlen am vorvergangenen Samstag im sächsischen Schneeberg, als der aus dem TV bekannte Live-Interpret dort im Rahmen des Open Air Festivals 'Sommer am See' hätte auftreten sollen. Im Vorfeld hatte sich auf dem Social Network 'MeinVZ' eine Gruppe mit über 140 Mitgliedern gebildet, die sich unter dem Titel "Sammelt Eier und Tomaten, Menowin kommt zu Sommer am See" zusammengerottet hatte.

Im Fließtext hetzte der Gruppengründer explizit mit rechtem Vokabular gegen Menowin Fröhlich: "Am 17.07.2010 ist zehnjähriges Jubiläum von Sommer am See. Anstatt zu diesem Event ein ordentliches DJ-Act einzuladen, hören wir das Geheule von der DSDS-Schwuchtel Menowin. Lasst uns Menowin mit faulen Tomaten und Eiern vom Mainfloor wegbomben." Die sexistische Beschimpfung 'Schwuchtel' sowie der Wortlaut 'wegbomben' lassen nicht nur auf eine rechte Gesinnung schließen, sondern zeugen ganz offensichtlich auch von einer gewissen Gewaltbereitschaft.

Augenzeugenberichte vor Ort schilderten anschließend auf Facebook, was sich an dem Abend genau abspielte. Eine 55-jährige Userin namens 'Ursula', die rein zufällig anwesend war und Menowin Fröhlich im Vorfeld gar nicht kannte, schildert die schmächlichen Szenen wie folgt: "Da schrie und buhte eine Horde, sprang auf die Tische, warf mit Flaschen, es fielen Ausrufe wie Zigeunerpack und dergleichen, ich war entsetzt. Dann kam der Veranstalter, gab bekannt, dass aus Sicherheitsgründen kein Auftritt stattfinden würde, was ich auch ganz vernünftig fand. Vielleicht wäre es sonst zu Ausschreitungen und Schlägereien gekommen."

Gezielt wurde der Auftritt von anwesenden Störern verhindert, wie 'Mandy R.'zusammenfasst: "Die Musik für Meno ging los. Die Buh-Rufe wurden extrem massiv. Die Musik von Meno wurde abgedreht, Resat machte weiter und dann kam die Absage." Mit Tierlauten begrüßte die Meute die Absage, wie eine Nutzerin namens 'Kerstin Q.' beobachtete: "Ein unglaubliches Getöse ging durch das Zelt. Buhrufe, Pfiffe, Kreischen und Grölen."

Bereits während der diesjährigen DSDS-Staffel hatten die musikalischen Konkurrenten von Menowin Fröhlich ihm im Fernsehen bei RTL vorgehalten, zu einer "Zigeuner-Posse" zu gehören, und ihn deswegen auch vor laufender Kamera mit negativen Kommentaren bedacht und geächtet - ohne, dass dies seitens des Senders unterbunden oder sonstwie zu einer Distanzierung geführt hätte.

Als hingegen die 'Bild'-Zeitung im großen Stil damit begann, den Bühnen-Protagonisten als vorbestraften, latent kriminellen Drogenkonsumenten zu porträtieren, den es als 'Superstar' zu verhindern gelte, sprangen die 'Informationsformate' des Senders bereitwillig auf den Zug auf und beteiligten sich an einer Stigmatisierung, die nun offenbar im rechten Lager Gehör gefunden hat. In der tönenden Menge vom vergangenen Samstag scheint sie erstmals von offen rassistisch eingestellten Kräften aufgegriffen worden zu sein.

Menowin Fröhlich steht angesichts der orchestrierten Pressekampagne jedoch immerhin nicht alleine da. Bei der 'Größten Fanseite' auf Facebook drücken ihm mittlerweile über 140.000 Menschen die Daumen. Es bleibt allerdings abzuwarten, wann sich endlich auch große, seriöse Medien an der dringend notwendigen Berichterstattung beteiligen, um die immer unverhohlener klingenden rassistischen Untertöne gegen den Sinto Menowin an den Pranger zu stellen.

 

Neueste Europolitan-Beiträge zu Menowin Fröhlich gibt es auf unserer Facebook-Seite:

http://www.facebook.com/pages/Milano-Munich-Paris-Berlin/Europolitan/139499409146

 

Foto-Copyright: (c) RTL / Stefan Gregorowius

Pflichthinweis: Alle Infos zu "Deutschland sucht den Superstar" im Special bei RTL.de: www.rtl.de/cms/unterhaltung/superstar.html

Neuen Kommentar schreiben Leser-Kommentar (117)
hedi (06.08.2010 12:16)

unsympathischer Angeber

der ist mir einfach nur unangenehm, einfach nicht zu ertragen.