Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki (88) will mit Poptitan und DSDS-Juror Dieter Bohlen offenbar so wenig wie möglich zu tun haben.
In zwei Wochen, am 15. April, sendet die ARD die Verfilmung von Reich-Ranickis Autobiographie 'Mein Leben' (20.15 Uhr, Das Erste). Doch nur weil er selbst in schöner Regelmäßigkeit über die Bildschirme der Nation flimmert, will der von einschneidenden Erlebnissen gezeichnete Holocaust-Überlebende nicht mit anderen TV-Größen in einen Topf gesteckt werden.
Im Gespräch mit der Programmzeitschrift 'TV Digital' erklärt der Star-Kritiker zu Bohlens Biopic 'Dieter - der Film': "Was soll das? Ich kenne diesen Menschen nicht. Ich will ihn auch nicht kennenlernen!"
Den Film über sein eigenes Leben bewertet die ehemalige Ikone der Öffentlich-Rechtlichen hingegen positiv: "Der Film hat mich sehr beeindruckt und berührt. Meine Welt, die dem deutschen Zuschauer fremd vorkommen muss, wird nicht exotisch dargestellt. Das wäre auch fatal gewesen. Ich habe 'Mein Leben' zusammen mit meiner Frau gesehen: Der Film ist sehr schön geworden."
Auch verhofft sich der als Intimfeind von Literaturnobelpreisträger Günter Grass geltende Ex-Journalist von dem TV-Event eine möglicherweise absatzfördernde Wirkung auf sein Buch: "Natürlich wäre es schön, wenn durch ihn mein Buch 'Mein Leben' weiter verbreitet würde." Vor allem aber verfolge der Streifen eine erzieherische Absicht: "Er ist ein Vermächtnis für junge Zuschauer. Sie lernen, was das Warschauer Getto wirklich war."
Es ist in letzter Zeit nicht das erste Mal, dass Dieter Bohlen als prominenter Vertreter von Unkultur unter Beschuss gerät. Den Auslöser hatte ein Interview von Kult-Aktrice Iris Berben gegeben, in dem sie sich vehement gegen Casting-Shows aussprach: "'DSDS', 'Germany's Next Topmodel' und Uri Gellers Magiersuche gaukeln dem Zuschauer eine Karriere über Nacht vor. Ich ertrage sie nicht."
Öffentliche Schützenhilfe bekam sie von Schlager-Röhre Vicky Leandros, die in der 'Bunten' nachsetzte: "Da werden junge Leute für ein, zwei Jahre nach oben geschossen, ausgepresst, und wieder fallengelassen. Gnadenlos." Den Schlussakzent setzte Altrocker Peter Kraus in der 'Abendzeitung': "Nur weil jemand ordinäre Sprüche bringt, ist er noch kein Star. Schon alleine den Gedanken, als Superstar zu beginnen, finde ich vermessen! Bloß nicht zu viel nachdenken."