Die Aktie des niederländisch-belgischen Banken- und Versicherungskonzerns ist am heutigen Donnerstag erneut stark unter Druck geraten. An der Amsterdamer AEX-Börse fiel der Titel um die Mittagszeit um etwa 20 Prozent auf ein neuerliches Rekordtief von 5,60 Euro pro Aktie. Die Rückschläge auf dem Kapitalmarkt treffen den Bankversicherer in dem äußerst sensiblen Moment der ABN-Amro-Integration.
Die Talfahrt der Fortis-Aktie ist umso bemerkenswerter, als der Amsterdamer AEX-Index heute leichte Gewinne verzeichnen konnte. Auch ING und Aegon, die beiden anderen großen Player auf dem niederländisch-belgischen Bankenmarkt, notierten im Plus. Die niederländische Tageszeitung 'NRC Handelsblad' zitiert einen Börsenhändler mit der Aussage, der Titel habe infolge von Gerüchten rund um mögliche Liquiditätsprobleme nachgegeben.
Fortis steht bereits seit Monaten unter hohem Druck. Der Konzern wird derzeit von Brancheninsidern als einer der europäischen Hauptverlierer in der globalen Finanzmarktkrise angesehen. Niederländische Zeitungen spekulieren bereits, dass die Regierungen in Brüssel und Den Haag sich Gedanken machen sollten, wie sie im Falle eines Liquiditätsengpasses seitens des Finanzgiganten vorgehen wollen. Dabei stehen eigentlich nur die Optionen Ausverkauf an einen Konkurrenten, Verstaatlichung und Milliardenkonkurs im Raum.
Die bisher bekannten Tatsachen sprechen indessen in puncto Fortis eine klare Sprache: Der Unternehmenswert ist in den vergangenen 12 Monaten um über 25 Milliarden Euro gesunken, und die Nachrichtenagentur Bloomberg bezifferte die erfolgten Abschreibungen infolge der Subprime-Krise bislang auf fünf Milliarden Euro. Der weiße Ritter im Kampf um ABN Amro hat sich also längst zum Sorgenkind der Anleger entwickelt.
Und das kann gefährlich werden: Sobald ein Mitbewerber in den Geruch von Zahlungsnöten kommt, tendieren die anderen Banken und Versicherer dazu, die eigenen Kreditlinien zu stornieren, und das eigene Geld nach Hause zu holen. Auch fällt der Kapitalmarkt als Liquiditätspuffer aus: Bei der derzeitigen Verfassung der Finanzmärkte gilt die Ausgabe einer hochvolumigen Anleihe seitens eines krisenumwitterten Giganten als aussichtsloses Unterfangen.
Rund 8,3 Milliarden braucht Fortis laut Analysten, um die eigene Kapitaldecke wieder auf halbwegs solide Beine zu stellen. Davon ist angeblich nur knapp die Hälfte generiert worden, und in genau fünf Tagen ist Buchungsschluss für das aktuelle Quartal. Spätestens dann wird klar sein, wie groß das Ausmaß der Misere wirklich ist - und ob erstmals auch eine kontinentaleuropäische Regierung drastische Verstaatlichungsmaßnahmen in Betracht ziehen muss.