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FC Bayern München gegen Hamburger SV am Rande der Niederlage

31.01.2009 FC Bayern München verliert unglaubliches Spiel gegen den Hamburger SV

Glück und Pech liegen nah beieinander

46 Tage ruhte der Ball in der Bundesliga, am gestrigen Abend begann dann das Spektakel gleich mit einem Knaller: Der Hamburger SV hat den FC Bayern München empfangen und in einer heißen Schlacht mit 1:0 nach Hause geschickt. Nun steht der HSV zumindest vorübergehend auf dem ersten Platz, während die Münchner die erste Niederlage nach 17 Spielen hinnehmen mussten.

Der HSV zeigte vor allem in der 1. Halbzeit die bessere Leistung, der FC Bayern hatte in der zweiten Halbzeit die größeren Chancen. Anders als gegen den VfB Stuttgart begannen die Münchner gemächlich, auch wenn sie bereits in der 3. Minute durch Bastian Schweinsteigers Direktabnahme die große Chance auf die Führung hatten. In der Folge spielten jedoch nur noch die Hamburger aus einer kompakten Defensive heraus. In der 6. Minute setzten sie schließlich schon ihre erste Duftmarke. Piotr Trochowski schoss einen Schuss aus knapp 25 Metern an den Pfosten der Münchner, Michael Rensing war mit seinen Fingerspitzen noch dran.

Reguläres Toni-Tor zählt nicht

Die folgenden Minuten waren durch viel Mittelfeldgeplänkel dominiert, die Hamburger konnten aus ihrer sichtbaren Überlegenheit kein Kapital schlagen. In der 28. Minute zappelte dann plötzlich der Ball im Netz, allerdings im Hamburger. Luca Toni war steil angespielt worden, schüttelte seinen Gegenspieler Bastian Reinhardt ab und schob einen Kullerball an dem herauseilenden Rost vorbei ins gegnerische Netzt. Toni setzte schon zu seiner bekannten Schüttelgeste am Ohr an, als er plötzlich ungläubig die Fahne des Linienrichters steil in der Luft sah. Den Pfiff des Schiedsrichters, der ziemlich unerklärlich auf Stürmerfoul entschieden hatte, wollte Toni lieber überhören. Der Italiener schimpfte in seiner bekannt liebenswürdigen Art mit der himmlischen Fußballmadonna, anschließend rollte das runde Leder weiter.

Kurz vor der Pause konnte der HSV schließlich seine Feldüberlegenheit, die durch das eigentlich reguläre Tor von Toni beinahe zunichte gemacht worden wäre, selbst in ein Tor ummünzen. Nach einer Ecke bekam David Jarolim den Ball im Hinterraum, umkurvte einige Bayernspieler und zog ab. Den abgefälschten Ball konnte Rensing nur mit Mühe abprallen lassen, Martin Petric stand goldrichtig und versenkte das runde Leder per Kopf zum 1:0. Die Bayern zeigten sich in der Folge keineswegs geschockt und hatten im direkten Gegenangriff die Chance zum Ausgleich, doch Toni köpfte nur ans Außennetz.

Rost der Mann des Abend

Nach dem Seitenwechsel legten die Münchner dann so richtig los, auch wenn der HSV die erste Chance  hatte. Petric lief in der 46. Minute alleine auf Rensing zu, schob den Ball aber nur an den Pfosten. Die Münchner zeigten sich wieder wenig beeindruckt. Zwei Minuten später hatte Klose nach einer schönen Angriffskombination die große Chance auf den Ausgleich, doch der gegen die Münchner stets gut haltende Rost - "gegen die Bayern entwickelt er immer einen besonderen Hass", erklärte der ARD-Experte Mehmet Scholl die außergewöhnliche Leistung des Hamburger Tormanns - holte den Ball noch von der Linie, auch wenn die Fernsehbilder keinen genauen Aufschluss darüber geben konnten, ob der Ball nicht doch schon im Tor war. Bayern-Manager Uli Hoeneß regte nicht zuletzt aufgrund der gestrigen Szene heute auch die Einführung einer Torkamera.

Auch in der 66. Minute war es Rost, der den Seinigen die Führung sicherte. Einen Schuss von Miroslav Klose aus elf Metern lenkte der Torwart mit den Zehenspitzen knapp über die Querlatte. Drei Minuten später wurde Rost schließlich doch beinahe noch überwunden, nachdem Klose eine Flanke mustergültig auf Toni quer gelegt hatte. Doch der Italiener zog den Kopfball aus zwei Metern am Tor vorbei. In der Folge wechselte Jürgen Klinsmann mit Hamit Altintop, Landon Donavan und Tim Borowski  drei weitere Offensivspieler ein, die Bayern lösten die Defensive nahezu vollkommen auf. Doch die Hamburger Angreifer, allen voran Jonathan Pitriopa und Piotr Trochowski, nutzten die Freiräume nicht und vergaben ihren guten Schusschancen in der 68. und 72. Minute leichtfertig.

Klinsmann sauer, Rost träumt von der Meisterschaft

Den Schlusspunkt setzten wieder die Bayern. Zunächst kullerte ein Schuss von Borowski in der 78. Minute nur Zentimeter am Hamburger Tor vorbei, vier Minuten später hatte Klose die letzte Großchance des Spiels. Seinen Schuss werte Boateng auf der Linie gerade noch ab. Nach so viel Glück bei der Verteidigung und noch mehr Unvermögen im Angriff der Münchner waren nun selbst die Hamburger Fans siegessicher und jaulten die letzten Minuten schadenfroh den altbekannten Schlachtruf ‘Zieht den Bayern die Lederhosen aus'.

Dass dies den Hamburgern gelang sah Klinsmann als selbstverschuldet an: "Wir hatten genügend Chancen, das Tor der Hamburger zu korrigieren, haben die aber nicht reingemacht. Deswegen stehen wir mit leeren Händen da." Vor allem in der ersten Halbzeit habe seine Mannschaft nicht gut gespielt, erklärte ein angesäuerter Trainer. Sein Gegenüber Martin Jol war hingegen hoch zufrieden, vor allem weil die Partie aufgrund der Schnelligkeit und der vielen Chancen ein wirklich gute Werbung für die Bundesliga war: „Es war ein unglaubliches Spiel. In der ersten Halbzeit haben wir sehr gut gespielt, zu Beginn der zweiten Halbzeit hätten wir aber das 2:0 machen müssen. Danach hatten wir viel Glück, aber auch die Bayern hatten Glück", erklärte der Holländer.

Der neue Tabellenführer, der Hamburger SV, sprach in Person von Frank Rost auch gleich eine Kampfansage an die Bayern aus: „Auch wenn wir das Spiel heute mit Glück gewonnen haben, wenn wir kommende Woche auch gegen den KSC ein vermeintlich leichtes Spiel gewinnen, können wir bis zum Ende oben mitspielen. Davon bin ich überzeugt", erklärte der am gestrigen Sieg maßgeblich beteiligte Tormann des HSV.




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