Am morgigen Freitag hat das Warten endlich ein Ende: Mit der Begegnung FC Bayern München gegen den Hamburger SV startet die Fußball-Bundesliga in ihre 46. Saison. Auf Seiten des Rekordmeisters von der Isar trüben eine insgesamt mäßige Vorbereitung und viele Verletzte die Vorfreude auf den Auftakt. Außerdem konnten die Bayern in der Allianz-Arena noch nie ein Bundesliga-Spiel gegen den HSV gewinnen.
Nach elf Jahren und drei Monaten wird der neue Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann am Freitag auf die Bundesliga-Bühne zurückkehren. Der 44-Jährige weiß, was von ihm erwartet wird, nämlich nichts weniger als die Meisterschaft und zumindest die Finalteilnahme in der Champions League. Entsprechend locker gab sich der Schwabe auch vor der Partie. Er wolle gegen den HSV natürlich „positiv starten“ und hoffe auf „viele positive Momente“ bis zum Ende der Hinrunde, erklärte der charismatische Coach.
Dass die Saisonvorbereitung alles andere als perfekt gelaufen ist, weiß auch Klinsmann. Die zahlreichen Nationalspieler in Diensten des Rekordmeisters stiegen wegen der EM erst später ins Training ein, zudem verletzten sich Stars wie Franck Ribéry, Luca Toni und Martin Demichelis. Entsprechend wenig Zeit blieb zum gemeinsamen Training, und das Resultat waren Niederlagen gegen Borussia Dortmund (1:2) und Inter Mailand (0:1). In der ersten Runde des DFB-Pokals zitterte sich der Titelfavorit zu einem 4:3 gegen den Drittligisten Rot-Weiß Erfurt.
Klinsmann macht sich auch gar nicht die Mühe, die Leistung seines Teams schönzureden. „In Erfurt hat es in allen Mannschaftsteilen nicht funktioniert“, erklärte der Ex-Bundestrainer. Nach der frühen 1:0-Führung sei seine Mannschaft dem Irrglauben erlegen, „es geht von selbst, das war leichtsinnig. Die Mannschaftsteile waren noch zu weit auseinander.“ Genau so sieht es auch Stürmer Miroslav Klose, der ebenfalls wegen verlängertem EM-Urlaub noch nicht fit ist. „Alle müssen mithelfen“, so Klose, damit der neue Angriffsfußball Klinsmannscher Prägung richtig funktionieren kann. Nach Ballgewinn müssten „zwei, drei Mann schnell nachrücken, und nicht eine halbe Stunde durchs Mittelfeld spazieren“.
Vor der morgigen Auftaktpartie gegen den starken Gegner aus Hamburg sorgt aber nicht nur die chaotische Spielweise für Sorgenfalten auf dem Gesicht von Jürgen Klinsmann. Auch die lange Verletztenliste ist ein großes Problem. Neben dem immer noch verletzten „Fußballer des Jahres 2008“ Franck Ribéry wird auch Luca Toni nicht gegen den HSV mitspielen. Zwar ist der amtierende Torschützenkönig am Dienstag wieder ins Training eingestiegen, jedoch ist sein konditioneller Rückstand nach Wadenverletzung und Zahn-Operation noch zu groß für einen Einsatz. Auch Willy Sagnol und vor allem Martin Demichelis werden schmerzhaft vermisst. Der Argentinier erlitt gegen Inter Mailand einen Muskelfaserriss im Unterschenkel und wird fünf Wochen zuschauen müssen. Auch Hamit Altintop wird nicht spielen können.
Den morgigen Gegner Hamburger SV plagen hingegen andere Sorgen. Der neue Trainer Martin Jol musste nicht nur den Abgang des holländischen Superstars Rafael van der Vaart verkraften. Auch der Ärger um Vincent Kompany störte die Vorbereitung. Der belgische Abwehrspieler war unerlaubt länger bei den olympischen Spielen in Peking geblieben als abgemacht. Am gestrigen Mittwoch traf der Belgier endlich wieder in Hamburg ein, wird aber – wohl als Strafmaßnahme – zunächst nicht zur Startelf gehören.
Doch chancenlos ist der HSV natürlich nicht. Denn in der Vergangenheit haben die Hanseaten in München oftmals sehr gut ausgesehen. Vor allem, seitdem die Bayern in der Allianz-Arena spielen. Nur im DFB-Pokal konnte der Rekordmeister gegen den HSV zuhause gewinnen, in der Bundesliga klappte dies in drei Anläufen jedoch noch nicht. Entsprechend selbstbewusst gab sich Martin Jol in einem Interview auf der Homepage der Hanseaten: „Ich habe noch das Spiel vom letzten Jahr im Kopf. Da haben Kompany, de Jong und Trochowski im Mittelfeld wirklich sehr gut gespielt und gezeigt, dass immer etwas möglich ist. Ich denke, wenn wir am Freitag Podolski und Klose kontrollieren können, dann haben wir sicher eine gute Chance.“