02.11.2008 FC Bayern München spielt wie aus einem Guss
Starke zweite Hälfte sichert den Sieg
„Die Mannschaft hat wie aus einem Guss gespielt, das war super Offensiv-Fußball, obwohl die Bielefelder total defensiv ausgerichtet waren", erklärte der Manager des FC Bayern München, Uli Honeß, im Anschluss an die Partie. 75 Minuten lang tat sich der FC Bayern gegen die Gäste vom Teutoburger Wald allerdings schwer. Doch dann schlug wieder einmal die Stunde von Franck Ribèry.
Über 65 Prozent Ballbesitz, 20:0 Ecken, 37:2 Torschüsse und drei Aluminiumtreffer. Diese Statistik spricht eine deutliche Sprache - für die Münchner. Dennoch taten sich die weitaus überlegenen Bayern gegen die zehn-Mann-Defensive aus Bielefeld lange Zeit schwer. Vor einer ausverkauften Kulisse in der Allinz Arena gingen die Münchner in der 25. Minute durch Klose zwar früh in Führung, doch nur vier Minuten später war der Vorsprung schon wieder dahin. Wieder war es Martin Demichelis, der einen Gegner im Strafraum zu Fall brachte, der Schiedsrichter entschied auf Elfmeter. Diesen verwandelte Arthur Wichniarek zu seinem achten Saisontor und gleichzeitig zum zwischenzeitichen Ausgleich.
Jürgen Klinsmann: Schon wieder ein neues SystemDoch beginnen wir am Anfang: Schon vor dem Anpfiff wartete die erste Überraschung. Trotz des neuerlichen Fehlens von Luca Toni durfte Lukas Podolski nicht von Beginn an auflaufen. Stattdessen verstärkte Jürgen Klinsmann mit Andreas Ottl das Mittelfeld. „Uli Honeß hatte recht. Ich habe die letzten beiden Spiele nicht gut gespielt", zeigte der zunächst auf der Bank sitzende Nationalstürmer Verständnis für die zuletzt geäußerte Kritik und die nun folgende Nichtberücksichtigung gegen Bielefeld.
Trotz dieser nominell recht defensiven Aufstellung spielten die Bayern gleich zu Beginn munter nach vorne. Doch die erste halbe Stunde wollte der entscheidende Pass in die Sturmspitze einfach nicht gelingen. So war es eine Standardsituation, die den entscheidenden Vorteil brachte. Aus spitzem Winkel zog Ribèry einen Freistoß direkt aufs Tor, Keeper Ailow wehrte den Ball in die Mitte ab, der Nachschuss von Schweinsteiger landete in den Füßen der versammelten Bielefeld-Abwehr. Erst im dritten Versuch zappelte der Ball endlich im Netz: Klose, wieder in Topform, vollstreckte in der 25. Minute mit seinem 111 Bundeliga-Treffer eiskalt zum 1:0. Damit hat der Nationalstürmer seinen Trainer Jürgen Klinsmann in der ewigen Torschützenliste zugleich hinter sich gelassen.
Bayern-Abwehr wackelt diesmal nur einmalZu diesem Zeitpunkt waren die Bielefelder, die seit 21 Auswärtsspielen keinen Sieg mehr einfahren konnten, noch kein einziges Mal vor dem Bayern-Tor aufgetaucht. Doch dann folgte das lange Bein von Demichelis. Nach einem hervorragenden Steilpass in das Herz der Bayern-Innenverteidigung waren Lucio und sein argentinischer Kollege düpiert. Demichelis hetzte dem allein aufs Tor zurennendem Tesche nach, doch seine Grätsche kam zu spät. Statt den Ball, traf der Innenverteidiger nur den Fuß des Stürmers, der Schiedsrichter entschied auf Strafstoß, der zum schmeichelhaften Ausgleich für die Gäste führte.
In der Folge wirkten die Bayern leicht geschockt, zunächst war die Präzision im Sturm dahin. Erst kurz vor der Pause hatten die Bayern eine weitere gute Chance. Nach einem doppelten Doppelpass zwischen Schweinsteiger und Klose versagten dem 23-jährige Mittelfeldspieler jedoch im Abschluss die Nerven. Damit ging eine einseitige erste Hälfte, trotz statistischer Super-Werte der Münchner, mit einem 1:1 zu Ende.
Bayern gibt in Hälfte zwei VollgasNur magere zwei Torschüsse hatten die Bielefelder im ersten Durchgang auf das Tor von Michael Rensing abgegeben - es sollten auch die einzigen beiden bleiben. Denn die Bayern legten nach dem Seitenwechsel endlich los, nach der Hereinnahme von Podolski und dem zuletzt auf der Tribüne schmorendem Toni Kross spielten die Münchner wie aus einem Guss. Die neue Handschrift von Jürgen Klinsmann war nun zu sehen. „In der zweiten Halbzeit haben wir dann alles auf eine Karte gesetzt. Da hatten wir ja zehn einhundertprozentige Torchancen. Der Sieg war hochverdient, es hätte auch 5:1 oder 6:1 ausgehen können", erklärte ein strahlender Hoeneß nach dem Abpfiff.
Dennoch dauerte es eine weitere Viertelstunde bis die Münchner für ihren Gegner endlich wieder richtig gefährlich waren. In der 62. Minute hatten die Bayern Innerhalb von 15 Sekunden mehr Torschüsse als die Bielefelder im gesamten Spiel, doch der Ball wollte einfach nicht ins Netz. Sowohl Klose als auch Podolski scheiterten am Keeper und den vielen Beinen vor ihm, ehe Kroos im dritten Nachschuss nur die Latte traf. Fünf Minuten später war es wieder das Aluminium, das die Bielefelder vor einem Rückstand bewahrte: Nach einer der unzähligen Ecken stieg Lucio am Höchsten, doch statt ins Netz köpfte der Brasilianer nur an die Querlatte.
Ribèry löst den gordischen Knoten - Podolski nölt wieder herumFrüher waren die Bayern mit einer solchen Schuss- und Eckenstatistik Herbstmeister geworden, am gestrigen Samstag sah es lange so aus, als würde gegen Bielefeld doch nur ein Unentschieden folgen. Als nach 76. Minuten auch noch Klose einen Kopfball an den Pfosten setzte, schien das den Bayern in den vergangenen Woche so holde Glück endgültig verspielt. Doch dann kam der Wunderauftritt von Ribèry. In der 77. Minute passte der Franzose noch in der eigenen Hälfte auf Klose und startete anschließend voll durch. Klose selbst schlug einen langen Steilpass auf den am linken Flügel gestarteten Podolski, der den mittlerweile im gegnerischen Strafraum angekommenen Ribèry wieder bediente. Trotz zweier Gegenspieler und dem Podolski-Pass in den eigenen Rücken, schubste der Franzose den Ball im Fallen ins generische Tor.
Damit war der gordische Verteidigungsknoten der Bielefelder durchschlagen. Als in der 82. Minute Tesche nach einem bösen Foul an Ribèry auch noch die rote Karte sah, war das Spiel endgültig entschieden. Nur zwei Minuten später erschlich sich Ribèry einen weiteren Assistpoint. Steil geschickt wuselte sich der Franzose in den Bielefelder Strafraum, ein leichtes Ziehen von Kauf brachte Ribèry zu Fall. Auch wenn der Elfmeter keineswegs eindeutig war, verdient war er allemal. Schließlich hatte der DFB noch vor der Saison angekündigt, jedes Ziehen und Zerren am Trikot, vor allem im Strafraum, rigoros zu ahnden. Im Anschluss daran schnappte sich Podolski den Ball. Nach einem kurzen Gespräch bekam der junge Nationalstürmer auch den Segen von Ribèry und durfte den Elfmeter selbst verwandeln. Damit war der 3:1 (1:1)-Endstand hergestellt.
Nach dem vierten Ligasieg in Folge lauern die Münchner mittlerweile schon auf dem dritten Tabellenplatz. Doch trotz der Aufholjagd in der Liga und einer ausgezeichneten Leistung gegen Bielefeld, wartet schon der nächste Zoff an der Säbenerstraße. Denn Podoslki begann nach dem Assist und dem geschenktem Elfmetertor gegen Bielefeld schon wieder vor laufenden Kameras über seine Situation bei den Bayern zu lamentieren: „Ich bin mit meiner heutigen Leistung zufrieden. Aber ich glaube es ist verständlich, wenn ich mir im Winter Gedanken über meine Situation mache." Ob sich Hoeneß dieses neuerliche Kogitieren von Podolski mit einem Abschied aus München nach nur einer guten Leistung gefallen lässt, ist mehr als fraglich.