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17.08.2008 FC Bayern München spielt nur Unentschieden gegen den Hamburger SV

Saisonauftakt mit Münchner Problemen gespickt

Das erste Ligaspiel unter Neu-Trainer Jürgen Klinsmann endete für den FC Bayern München mit einer kleinen Enttäuschung. Nach einer sicheren 2:0-Führung der Münchner kam der Hamburger SV unter dem ebenfalls neuen Dick Jol an der Seitenlinie zunächst zum Anschlusstreffer und schließlich sogar noch zum am Ende mehr als verdienten Ausgleich. Damit bleibt der HSV als bislang einziges Team in der Allianz Arena weiter ungeschlagen.

Die Zuschauer in der restlos ausverkauften Allianz Arena sahen vor allem in der ersten Halbzeit ein ansehnliches Spiel. Bereits nach wenigen Minuten glänzten die Gäste, auch ohne ihren zu Real Madrid abgewanderten Spielmacher Rafael van der Vaart. Sein Vertreter auf dem Platz, Piotr Trochowski, hatte nach knapp 10 Minuten die Führung auf dem Fuß, doch der Pfosten rettete die Klinsmann-Elf vor einem frühen Rückstand.

Bayern führen mit Glück schon früh

Beinahe im Gegenzug machten es die Bayern besser. Nach einer schönen Kurzpassstafette zog Bastian Schweinsteiger in der 11. Minute aus knapp 20 Metern ab, der Ball landete für Frank Rost im Hamburger Tor unhaltbar im linken unteren Eck. Nach der Führung bestimmten die Bayern das Spiel, auch wenn Hamburg keineswegs reines Kanonenfutter war. Vielmehr entwickelte sich eine Temporeiche Partie, bei der der Zuschauer voll auf seine Kosten kam.

Auch am zweiten Münchner Treffer war Bastian Schweinsteiger maßgeblich beteiligt. Der Flügelspieler wurde hoch angespielt, sein Bewacher Joris Mathijsen klammerte und hielt Schweinsteiger im Strafraum wie in jeder europäischen Liga üblich leicht fest. Doch nachdem der Bayern-Spieler fiel, zögerte Schiedsrichter Torsten Kinhöfer keinen Moment und entschied in der 16. Minute auf Strafstoß - nicht seine einzige umstrittene Entscheidung bei der Saisoneröffnung. Den anschließenden Elfmeter verwandelte Lukas Podolski sicher im rechten unteren Eck.

Damit starteten sowohl Schweini als auch sein kongenialer EM-Partner Poldi erfolgreich in die neue Saison. In der gesamten vergangenen Spielzeit hatte Schweinsteiger nur einmal das gegnerische Tor getroffen, Podolski musste auf seinen ersten Treffer schlappe 26. Spieltage warten. Dennoch klafften nach dem verletzungsbedingten Fehlen von Franck Ribèry und Luca Toni nach dem 2:0 große Lücken im bayerischen Angriff.

Hamburg SV auch ohne van der Vaart treffsicher

Bei Hamburg hingegen merkte man auch nach dem schnellen Rückstand das Fehlen von Rafael van der Vaart kaum. Die Handschrift des neuen Trainers Dick Jol konnte dem Team aber sofort angesehen werden: Der zuvor in England arbeitende Holländer ließ seine Spieler aus einem kompakten Mittelfeld heraus schnell nach vorne spielen, tollkühne Dribblings von Trochowski, David Jarolim und Co. lässt Jol nicht mehr zu.

So konnten die Hamburger auch noch vor der Pause den Anschusstreffer erzielen. Nach einem schönen Angriff über die Flügel stand Paolo Guerrero in der 25. Minute vollkommen frei am Fünf-Meter-Raum und köpfte den mittlerweile verdienten Ausgleich. Das Fehlen von Martin Demichelis und Willy Sagnol machte sich vor allem in dieser Situation bemerkbar. Auch in der Folge wackelte die Bayern-Abwehr immer wieder: Sowohl Christian Lell über die rechte Außenbahn als auch Daniel van Buyten leisteten sich immer wieder Stellungsfehler und leichte Abspielfehler.

Nachdem die Münchner in der zweiten Halbzeit mehr als nur einen Gang heruntergeschaltet hatten - die zerfahrene Vorbereitung der Münchner machte sich ebenso wie die schwache Bank schnell bemerkbar - kamen die Hamburger zum am Ende verdienten Ausgleich. Wieder war es Schiedsrichter Torsten Kinhöfer der maßgeblich dazu beitrug: Nach einer weiten Flanke in den Bayern-Strafraum schob Lell seinen Gegenspieler Ivica Olic mit dem Ellbogen leicht weg, der Kroate fiel und der Unparteiische entschied erneut auf Strafstoß, diesmal auf der anderen Seite. Trochowski verwandelte den folgenden Elfmeter in der 57. Minute sicher.

Was ist anders in der Saison 2008/09?

Die beiden Elfmeterentscheidungen sind keineswegs auf einen blinden Schiedsrichter zurückzuführen. Vielmehr hatte der DFB bereits vor der Saison die Unparteiischen dazu angewiesen, bei Halten und Klammern im Strafraum sofort auf Efmeter zu entscheiden. So soll die sich eingeschlichene Unart des Trikot-Zerren endlich unterbunden werden. Ex-Bayern-Trainer Otmar Hitzfeld kommentierte die Linie wie folgt: "Wenn das die ganze Saison durchgezogen wird halte ich das für gut. Dann werden die Spieler auch irgendwann mit dem Gezerre im Strafraum aufhören", erklärte der neue Nationaltrainer der Schweiz. Sein ehemaliger Bayern-Bank-Genosse Uli Hoeneß fügte noch hinzu: "Vielleicht sehen wir dann auch endlich wieder Kopfballtore." Ganz anders bewertete Jol die Schiedsrichterentscheidungen: "Das sind keine Elfmeter gewesen. Wenn so gepfiffen wird, haben wir in jedem Spiel mindestens zwei", erklärte der aus seiner Zeit bei den Tottenham Hotspurs abgehärtete Trainer.

Spielerisch begann die neue Saison wie die alte geendet hatte. Die Münchner wirkten noch ehe der Sack zugemacht wurde schnell müde, ihr Gegner rannte als ginge es um Leben und Tod. Dennoch ist eines bemerkenswert: Die ehemals um Längen geschlagenen Bayern-Jäger holen langsam auf, auch ohne Einzelkönner wie Rafael van der Vaart. Zumindest zu Beginn der Partie konnte die neue Klinsmann-Handschrift bewundert werden: Schnelles Spiel nach vorne über eine Raute im Mittelfeld ohne planlose hohe Bälle sorgen bei vielen Fans für Hoffnung. Dass diese im gestrigen Spiel noch nicht von Erfolg gekrönt war, liegt nach Einschätzung von Uli Hoeneß vor allem an einem: "Unsere Vorbereittung war keineswegs perfekt. Außerdem fehlen immer noch wichtige Spieler. Bis in den September hinein müssen wir uns wohl durchwurschteln, erst dann wird die Mannschaft ihr wahres Leistungsvermögen abrufen können."

So müssen die Bayern-Fans noch etwas Geduld haben, Restdeutschland hingegen lacht sich erstmal ins Fäustchen, zumindest solange bis die Bayern vom Verfolger wieder zum Verfolgten geworden sind.

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