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FC Bayern München macht großen Schritt in Richtung Achtelfinale

21.10.2008 FC Bayern München macht großen Schritt in Richtung Achtelfinale

3:0 gegen AC Florenz

Was sind schon 23 gegnerische Torschüsse? Der FC Bayern München ließ sich am gestrigen Dienstagabend davon jedenfalls nicht beeindrucken, und fertigte den AC Florenz in der Champions League mit 3:0 ab. Miroslav Klose, Bastian Schweinsteiger und Zé Roberto erzielten die Tore für eine Bayern-Mannschaft, bei der jetzt wieder etwas Ruhe einkehren dürfte. Der Rekordmeister muss jedoch darauf achten, dass er seine immer noch vorhandenen Schwächen in der Abwehr nicht plötzlich unter den Tisch kehrt.

Es existiert da ein Klischee über den italienischen Fußball, und das geht so: Im besten 'Catenaccio'-Stil lässt die italienische Mannschaft den Gegner anlaufen, verriegelt taktisch geschickt den eigenen Strafraum, nur um dann in einem unachtsamen Moment der gegnerischen Abwehr eiskalt zuzuschlagen. Zugegeben, das Verteidigen muss der FC Bayern noch üben - dennoch präsentierte sich der deutsche Rekordmeister über weite Strecken italienischer als sein Gegner aus Florenz.

Bei der Aufstellung gab sich Jürgen Klinsmann für seine Verhältnisse ungewohnt konservativ. Der Bayern-Trainer vertraute auf sie selbe Elf, die letzten Samstag in Karlsruhe als Sieger vom Platz ging. Mark van Bommel begann also wieder von Anfang an im zentralen Mittelfeld, Martin Demichelis rückte in die Viererkette, und der verletzte sowie formschwache Luca Toni erhielt abermals den Vorzug vor Lukas Podolski.

Ein Hauch von Ottmar Hitzfeld wehte also durch die Allianz-Arena an diesem Dienstagabend, denn die 4-4-2-Formation, die Klinsmann aufs Feld schickte, war exakt dieselbe, mit der sein Vorgänger die vergangene Saison bestritt. Auch im Hinblick auf die Spielweise erinnerten die Bayern stark an das Meisterteam der letzten Spielzeit, spielten viele Queerpässe und versuchten, das Tempo aus dem Spiel zu nehmen. Vor dem Spiel erklärte Kapitän van Bommel, eine Spitzenmannschaft sei daran zu erkennen, dass sie die Geschwindigkeit des Spiels bestimmen könne. Es ist nicht verwunderlich, dass der Niederländer in den letzten Wochen einige Differenzen mit seinem Trainer hatte, denn Klinsmann kennt nur ein Tempo: Höchstgeschwindigkeit.

Und so begannen die Bayern auch. Die Gastgeber wollten die Italiener überrumpeln, was auch gelang. In den ersten drei Minuten vergaben bereits die agilen Ribéry und Schweinsteiger gute Chancen, bevor dann Miroslav Klose unter Beweis stellte, warum er in guter Form zu den besten Stürmern der Welt zählt. Der hart arbeitende Luca Toni verlängerte den Ball per Kopf, Klose zog alleine Richtung Tor, brachte geschickt seinen Körper zwischen den Ball und Gegenspieler Juan Vargas, und schob dann den Ball seelenruhig an Torwart Frey vorbei ins Netz.

In der Folge versuchten sich die Bayern jedoch wieder am Hitzfeld-Fußball und wollten den Gegner auskontrollieren. Doch die Fiorentina setzte nun zum Sturmlauf an. Deren Trainer Cesare Prandelli gilt als ein ganz und gar 'unitalienischer' Coach mit ausgeprägter Liebe zum Offensivspiel, und so ergab es sich, dass die Bayern italienischer spielten als ihre Gäste.

Die Angreifer Adrian Mutu und Alberto Gilardino spielten immer wieder Katz und Maus mit der Abwehrreihe der Gastgeber, vergaben jedoch im Minutentakt beste Torgelegenheiten. Der Druck auf die Bayern-Defensive wurde immer größer, da gaben die Münchner die passende Antwort: Schweinsteiger bekam in der 25. Minute den Ball an der rechten Strafraumecke, zog dann nach innen und vollendete mit einem herrlichen Schlenzer ins linke Eck zum 2:0.

Bis zur Halbzeit war nun die Fiorentina wieder am Drücker, unterbrochen durch gelegentliche Konterangriffe der Gastgeber. Nach der Pause versuchten sich die Bayern immer noch an der staubtrockenen Ergebnisverwaltung, doch streuten nun immer wieder kurze Drangphasen dazwischen, wenn die Abwehr wieder einmal zu schwimmen begann. So ergaben sich um die 65. Minute herum beste Torchancen für Demichelis, der per Kopfball an Torhüter Frey scheiterte, sowie für den überragenden Klose, der zunächst zwei Gegenspieler stehen ließ, aber dann ebenfalls nicht am französischen Keeper vorbeikam.

Die Bayern mischten nun also die an sich relativ gegensätzlichen Philosophien von Hitzfeld und Klinsmann, so als ob ihr Trainer Ottmar Klinsfeld oder Jürgen Hitzmann hieße. Dem deutschen Rekordmeister gelang es jedoch weiterhin nicht, die Partie zu kontrollieren, so dass sich weiterhin eine Reihe von Großchancen für die italienischen Gäste ergaben.

23 Torschüsse wies die Statistik am Ende für die Fiorentina aus, doch den Schlusspunkt setzte Zé Roberto. Der Brasilianer schloss in der 90. Minute ein sehenswertes Solo mit einem herrlichen Schuss aus 17 Metern zum 3:0 ab. "So wollen wir weitermachen", gab ein sichtlich erleichterter Jürgen Klinsmann nach dem Spiel zu Protokoll, womit der 44-Jährige aber nur die Offensive gemeint haben kann. Denn während sich die Bayern im Angriff tatsächlich abgezockt und treffsicher präsentierten, offenbarte die Defensive einmal mehr, dass Klinsmann noch viel Arbeit bevor steht.

"Och ja, wir wissen, dass Florenz auch Chancen hatte", bemerkte Bastian Schweinsteiger verschmitzt, während Franz Beckenbauer den Sieg als "zu hoch ausgefallen" bezeichnete. Die Freude über den großen Schritt in Richtung Champions-League-Achtelfinale, den die Bayern mit diesem Sieg getan hatten, stand an diesem Abend jedoch im Vordergrund. Am Samstag kommt der momentan stark aufspielende VfL Wolfsburg in die Allianz-Arena, um die Abwehr der Münchner auf Herz und Nieren zu prüfen. Ob die Hitzfeld-Bayern oder die Klinsmann-Bayern auf dem Platz stehen werden, ist noch nicht bekannt.

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