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FC Bayern München fertigt Hertha BSC 4:1 ab - selbst Klose trifft

01.09.2008 FC Bayern München fertigt Hertha BSC 4:1 ab - selbst Klose trifft

'Langsam kommen wir ins Rollen'

Drei Spieltage hat es gedauert, bis der Münchner Fußballexpress auf Hochtouren kam: 4:1 besiegte der FC Bayern München die Hertha aus Berlin, neben Luca Toni trafen Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und selbst der seit einigen Wochen unter Ladehemmungen leidende Miroslav Klose. Beim ersten bayerischen Sieg in der laufenden Saison zeigte sich Jürgen Klinsmann als echter Trainerfuchs: Eine neue Taktik vor eigenem Publikum sicherte dem FC Bayern München gegen die Hertha einen deutlichen Sieg.

Mit einer Dreierkette um den zentralen Mann Martin Demichelis, ließ Klinsmann seine Mannschaft auflaufen. Davor wiederum spielten Philipp Lahm, Christian Lell und Andreas Ottl wiederum auf einer Linie. Der Vorteil: Lahm konnte seine Offensivstärke besser unter Beweis stellen, dafür blieben Lells eklatanten Defensivprobleme dem Zuschauer erspart. Vor dieser doppelten Dreierkette sorgten der Wiedergenesene Zè Roberto und Schweinsteiger dafür, dass die beiden Spitzen Toni und Klose mit ordentlichen Bällen versorgt wurden.

Toni trifft früh

Nach weniger als 15 Minuten klappte dies auch ganz gut: Ein Pass von Schweinsteiger auf Toni öffnete das Mittelfeld, der Italiener spielte mit nur einer Körperdrehung die komplette Berliner Verteidigung aus und schob den Ball an Jaroslav Drobny vorbei ins Netz. Auch in der Folge spielte nur das Münchner Starensemble. Von Hertha BSC Berlin war wenig zu sehen. Stattdessen hatte die Münchner weitere gute Chancen auf 2:0 zu erhöhen wie Toni, dessen Knaller vom Strafraumeck in der 24. Minute von Drobny mit einer klasse Parade gehalten worden war.

Nach etwa einer halben Stunde nahmen die Bayern allerdings langsam den Turbo heraus. Dennoch fanden die Gäste aus Berlin nicht zu ihrem Spiel. Der auch in seinem 26. Spiel ungeschlagene Michael Rensing im Münchner Tor musste in der ersten Hälfte keinen einzigen Berliner Schuss halten.  Zu einer höheren Führung für den Bayernexpress reichte es dennoch nicht, zu wenig zielstrebig spielte die Münchner Offensivabteilung in der Endphase der ersten Halbzeit. Nur noch ein Aufreger folgte in den ersten 45 Minuten. Luca Toni war im Strafraum von seinem Gegenspieler Steve von Bergen klar am Trikot gerissen worden. Doch der erst 25-jährige Schiedsrichter Michael Kempter traute sich in dieser Situation noch nicht auf Elfmeter zu entscheiden.

Bayerischer Sturmlauf geht auch nach dem Wechsel weiter


Ohne Wechsel kamen beide Mannschaften aus den Kabinen und auch auf dem Platz änderte sich nichts. Die Bayern kontrollierten die Partie, die Mannschaft von Lucien Fravre kam an dem bayerischen 3-5-2-Bollwerk einfach nicht vorbei. So erzielten die Münchner in der 54. Minuten das verdiente 2:0. Nach einem ansehnlichen Doppelpass mit Zè Roberto schlenzte der kleine Flügelflitzer Lahm den Ball an Drobny vorbei ins Netz. Die Führung war ausgebaut, das Spiel entschieden.

Doch das Münchner Starensemble ließ auch nach der Vorentscheidung nicht locker und spielte sich in den ersten Rausch der neuen Saison. Nur eine Minute nach dem 2:0 hatte Miroslav Klose die weitere Großchance, doch diesmal parierte der Hertha Torwart den Schuss des abschlussschwachen Bayern-Stürmers. Weitere vier Minuten später war es wieder der Nationalstürmer, dem das Pech schon seit Monaten am Fuß klebt: Eine scharfe Hereingabe konnte Klose zwei Meter vor dem Tor nicht verwerten, der Pfosten rettete für die Hertha.

Zu diesem Zeitpunkt stand es allerdings schon 3:0. Nachdem von Bergen Schweinsteiger im Strafraum leicht am Fuß berührte, pfiff der unparteiische einen fragwürdigen Elfmeter - wahrscheinlich war dies der Ausgleich für das nicht gegebene Toni-Foul aus Hälfte eins. Der gefoulte trat selbst an, und verwandelte sicher. Damit hat Schweinsteiger in drei Spielen schon dreimal getroffen. Doch damit war immer noch nicht Schluss mit dem bayerischen Sturmlauf. In der 77. Minute war es wiederum der äußerst unglücklich agierende von Bergen, der einen Elfmeter verschuldete. Zè Roberto dribbelte den schweizer Verteidiger mühelos aus, dieser konnte sich nur mit einem Foul behelfen.

Klose trifft wieder

Eigentlich wollte wieder Schweinsteiger schießen, doch Toni redete auf den 23-Jährigen ein, dass nun Klose sein Tor verdient habe. Der Stürmer bekam schließlich auch den Ball überreicht und traf in der 77. Minute sicher zum 4:0. Anschließend jubelte der Angreifer als sei im gerade eine zentnerschwere Last von den Schultern gefallen. Im Anschluss wollten die Bayern Zauberfußball wie aus Zeiten des ‚Weißen Balletts‘ zeigen. Doch die bis dato beinahe unsichtbaren Hertha-Spieler hattes etwas dagegen und kamen schließlich doch noch zum Ehrentreffer.

Nach einem Fehlpass von dem mittlerweile eingewechselten Tim Borowski im Mittelfeld schickte Fabian Lustenberger den Stürmer Marco Pantelic steil, dieser tauchte alleine vor dem Bayern-Tor auf und ließ Rensing keine Chance. Damit verwandelten die Berliner zumindest einen von mageren vier Torschüssen in 90 Minuten. Die Münchner spielten auch in den letzten Minuten weiter fleißig nach vorne und hätten durchaus noch höher gewinnen können. Doch Toni rutschte ein scharfer Pass von dem eingewechselten Podolski ein Meter vor dem Tor durch die Beine, seinen Schuss aus zehn Metern in der 83. Minute parierte Drobny.

Jürgen Klinsmann - der Taktikfuchs

Damit fuhren die Münchner in ihrem dritten Spiel den ersten Sieg ein. Bemerkenswert war dabei die Leistungssteigerung des FC Bayern München gegenüber den ersten Partien: „So langsam kommen wir ins Rollen", erklärte ein sichtlich zufriedener Jürgen Klinsmann nach der Partie. Vor allem seine taktische Meisterleistung verdient dabei größten Respekt: „Wir wollten den Ball laufen lassen und mit wenigen Kontakten spielen - das hat das Team vor allem in der ersten halben Stunde sehr gut umgesetzt und auch Phasenweise in der zweiten Halbzeit. Außerdem haben wir mit den Systemen, die wir in der Vorbereitung einstudiert haben, immer die Möglichkeit zu variieren und auf die Situation zu reagieren", erklärte der Taktikfuchs und ergänzte: „Heute haben wir mit einem 3-5-2-System gespielt, um gerade im Mittelfeld einen Mann mehr zu haben."

Auch Lucien Favre hatte mit einer Dreierkette und einem 5-Mann-Mittelfeld spielen lassen. Doch der Versuch, die Bayern abzukochen, schlug fehl: „Der FC Bayern war viel besser. Wir haben in diesem Spiel schnell die Orientierung verloren. Gegen so eine Mannschaft muss man zu 100 Prozent verteidigen, sonst hat man keine Chance. Aber das haben wir nicht gemacht. Ich bin schon sehr Enttäuscht", zog der Schweizer ein vernichtendes Fazit.

Nach der Länderspielpause wartet auf die Hertha mit dem VfL Wolfsburg eine starke Mannschaft, eine Wiedergutmachung vor eigenem Publikum sollte dennoch folgen. Die Münchner hingegen treten  in vierzehn Tagen beim 1. FC Köln an. Bei der Rückkehr von Lukas Podolski in seine Heimat soll ein weiterer Dreier folgen, damit die Spitze nach dem aktuell siebten Platz schnell erklommen wird.

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