Die führenden Namen bei Rekordmeister FC Bayern München sind in Sachen Franck Ribery offenbar unterschiedlicher Meinung: Während Franz Beckenbauer öffentlich an dem Star-Franzosen herummäkelte, nahm ihn Sportdirektor Christian Nerlinger in Schutz.
Deutliche Worte hatte 'Kaiser' Franz Beckenbauer hinsichtlich Mittelfeld-Regisseur Franck Ribery (26) zu Protokoll gegeben: Bei einer Gala der DFB-Stiftung Egidius Braun schimpfte die Fußball-Legende auf den wechselwilligen Kicker des FC Bayern München: "Wozu schließe ich denn einen Vier-Jahres-Vertrag, wenn ich nur drei Jahre bleiben will?"
Der amtierende Vereinspräsident äußerte noch dazu erhebliche Zweifel an der Loyalität des Fußballgenies: "Der ist nur zu Bayern gekommen, um sich einen Namen zu machen. Das ist ein Franzose, dem ist München wurscht!"
In den vergangenen Tagen waren immer lauter Zweifel in Richtung des wahren Fitnessgrades Riberys laut geworden. Böse Stimmen hatten gemunkelt, die eigentliche Verletzung sei halb so schlimm, und nur vorgetäuscht, um den ersehnten Wechsel zu Real Madrid zu erzwingen. Manche Stimmen hatten sogar vermutet, dass der Ausschluss aus dem Kader am Wochenende in den Testspielen in Köln und auf Schalke eine Retourkutsche seitens Bayern-Trainers Louis van Gaals sei.
Diesen Eindruck wollte Sportdirektor Christian Nerlinger (36) am gestrigen Sonntag zerstreuen, als er im ZDF-Sportstudio erklärte: "Wir haben ganz klare Diagnosen. Ihn wurde Unrecht getan. Wir freuen uns alle auf Ribery, wenn er wieder gesund ist." Am heutigen Montagmittag folgte allerdings eine wesentlich heftigere Stellungnahme des Bayern-Vorstands, der sich faktisch indirekt mit dem 'Kaiser' anlegt.
Darin heißt es im Wortlaut: "Unser Spieler Franck Ribery hat sich stets professionell, korrekt und seriös verhalten. Der FC Bayern München hatte und hat bei Franck Ribery zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass er den FC Bayern nur dazu benützen würde, um in seiner eigenen Karriereleiter nach oben zu kommen. Er hat sich mit seinen Fähigkeiten stets in den Dienst der Mannschaft gestellt. Franck Ribery hat sich nie dazu geäußert, von der Möglichkeit des Ziehens des FIFA-Paragrap 17 Gebrauch zu machen."
Gegenüber der Münchner 'Abendzeitung' legte mittlerweile Bayern-Manager Uli Hoeneß noch einmal kräftig nach, und betonte, Ribery sofort über die Stellungnahme zu seinen Gunsten informiert zu haben: "Wir haben Franck sofort eine französische Übersetzung zukommen lassen, ihm persönlich, nicht seinen Beratern. Es ist eine sachliche Stellungnahme, aber wer zwischen den Zeilen lesen kann, ist klar im Vorteil."
Es riecht also nach mächtig Stunk im Hause FC Bayern München. Sogar Vereins-Neuling Louis van Gaal erlaubt sich eine Spitze in Richtung des ranghöchsten Bayern-Fans: "Beckenbauer ist nicht der Unwichtigste, natürlich hat es einen Einfluss auf Ribery. Der Vorstand hat eine Politik, wir müssen ihr folgen. Auch Franz Beckenbauer." Damit sollten auch alle Gerüchte vom Tisch sein, denen zufolge van Gaal etwaige Strafmaßnahmen gegen den Franzosen veranlasst haben soll.