Star-Stürmer Mario Gomez vom FC Bayern München kehrt am morgigen Samstag an die Stätte seiner früheren Erfolge zurück, ins Stadion des VfB Stuttgart - allerdings nur als Bankdrücker. Der ehemalige Torschützenkönig der Bundesliga gibt sich dennoch kampfeslustig.
Es ist eine Demütigung, wie sie ein A-Klasse-Spieler nur ungern auf sich sitzen läßt: Mario Gomez kommt mit dem FC Bayern München am morgigen Samstag zu seinem Ex-Verein, dem VfB Stuttgart - nur ist der ehemalige Torheld der Schwaben eben mittlerweile zum Bankdrücker deklassiert worden.
Im Interview gibt sich der Nationalspieler dennoch alles andere als resigniert. Mit einer Mischung aus Einsicht und Ehrgeiz stimmt er seine Konkurrenten im Sturm des Rekordmeisters, Luca Toni und Miroslav Klose, auf das ein, was da noch kommen mag. Gegenüber der 'Bild'-Zeitung gibt Mario Gomez zu Protokoll: "Ich werde Vollgas geben, weiterhin in jedem Training alles aus mir herausholen und damit den Trainer überzeugen. Ich bin ein Stürmer, der über Dynamik, die Schnelligkeit und den Körper kommt. Einer, der für Tore steht. Das wird auch in Zukunft so sein."
Sein Ziel habe er klar vor Augen, betont der für sage und schreibe 30 Millionen Euro an die Säbener Straße gewechselte Star-Kicker: "Ich bin nicht zum FC Bayern gekommen, um auf der Bank zu sitzen. Aber ich muss mich nicht selbst anlügen: Ich bin auch nicht zufrieden, und im Moment haben die Leute sicher nicht viel Spaß am Spieler Gomez.Auch das Vertrauen der Fans muss ich mir zurückholen."
Louis van Gaal, Trainer des FC Bayern München, habe ihn ebenfalls bereits zur Seite genommen, um ihm zu stecken, wo er an sich arbeiten müsse: "Er hat mir erklärt, dass es mit den Laufwegen nicht gepasst hat." Dennoch könne er auch selbst gut einschätzen, wo er im Moment Nachholbedarf habe, ergänzt er stolz: "Man muss mir aber nicht jeden Tag erklären, woran es liegt. Ich habe es schon ganz gut verstanden. Ich brauche kein Mitleid, keine 100.000 Schulterklopfer, die mir sagen, dass ich ein super-toller Stürmer bin."
Doch auch schon in der Vergangenheit, und nicht erst beim FC Bayern München, habe Mario Gomez bereits schwierige Phasen durchstehen müssen, erinnert sich der Schwabe: "Ich habe mir alles erarbeitet, nie was geschenkt bekommen. 2008, als die EM für mich nicht gut gelaufen war, meinten viele Leute: 'Der Gomez braucht Zeit, um wieder auf die Beine zu kommen.' In der folgenden Saison habe ich 24 Bundesliga-Tore gemacht. Daraus schöpfe ich nun Kraft, um auch diese schwierige Situation zu meistern."
Auch am vergangenen Mittwoch im DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt hatte Mario Gomez erneut nur 21 Minuten Zeit gehabt, um Louis van Gaal für sich einzunehmen - und konnte letztlich keine überzeugenden Ergebnisse präsentieren. Die Helden des Tages hießen bei dem Schützenfest Miroslav Klose, Thomas Müller und Luca Toni mit einmal zwei und zweimal einem Treffer.
Wie er aus dem Tief beim FC Bayern München herauskommen soll, weiß Gomez auch schon: Im Gegensatz zu den Spielen mit dem VfB Stuttgart klaffen in der gegnerischen Defensive bei Spielen des Rekordmeister weniger Löcher, weil mit Mann und Maus verteidigt wird. Seine bevorzugte Spielsituation, der Steilpass in die Spitze, kommt im neuen Team daher auch kaum vor.
Das hat Mario Gomez auch schon erkannt: "Den Gassenpass von der Mittellinie wird es bei Bayern nicht oft geben." Und sobald er seine Laufwege den neuen Gegebenheiten angepasst hat, wird es bald wieder Tore von dem Halbspanier hageln - diesmal jedoch für den FC Bayern München.