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23.10.2009 FC Bayern München: Louis van Gaal urplötzlich bescheiden

'Bin kein Gott'

Der preisgekrönte Trainer des FC Bayern München, Louis van Gaal, hat im Umgang mit Journalisten und Öffentlichkeit nach der brennenden Niederlage gegen Bordeaux in der Champions League am vergangenen Mittwoch nun offenbar seine Gangart geändert - und übt sich in Demut.

Ganz neue Töne: Louis van Gaal (58), nicht erst seit dieser Saison als 'General' bekannter Trainer des FC Bayern München, ist nun der Meinung, dass er "nicht Gott" ist.

'Sport Bild' hatte in seiner jüngsten Ausgabe behauptet, van Gaal habe sein Team in der Kabine wie folgt angefahren: "Ich bin wie Gott. Ich werde nie krank, und ich habe immer Recht." Dieser Darstellung trat der Niederländer am heutigen Freitag allerdings entgegen: "Wenn ich ein Gott wäre, dann gewinne ich alles. Ich bin kein Gott."

Zum Amtsantritt beim FC Bayern München hatte van Gaal noch getönt: "Der Klub ist wie ich: selbstbewusst, dominant, arrogant, ehrlich, innovativ - aber auch warm und familiär." Auch dieses Statement wollte er nun, dass seine Bilanz bescheidener ausfällt als die von Ex-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann in der vergangenen Saison, geraderücken: "Arrogant heißt in Holland, dass ich viel Selbstvertrauen habe."

Auch kann der Holländer, der selbst gegenüber seinen Spielern ziemlich hart in Austeilen ist, und noch dazu einen gnadenlosen Wettbewerb wischen den Stürmern um einen Stammplatz angefacht hat, nicht verstehen, warum er plötzlich ins Zentrum einer Personaldiskussion gerückt ist: "Wir leben in einer Welt, die sich mehr auf die Personen als die Fakten richtet - und das ist schade." Auch wenn ihm langsam dämmert: "Es geht im Fußball immer um Ergebnisse."

Vor dem letzten Bundesliga am vergangenen Samstag hatte Louis van Gaal noch kategorisch ausgeschlossen, dass er bald ins Fadenkreuz des Bayern-Managements rücken könnte: "Wenn ein anderer Trainer kommt, was sind dann dessen Papiere im Vergleich zu meinen? Wer muss dann kommen? Ferguson hat mehr Titel als ich gewonnen. Vielleicht auch Capello. Aber die sind besetzt."

Deswegen forderte der aktuelle Inhaber des wohl heißesten Stuhl der Bundesliga für sich, was keinem seiner Vorgänger je vergönnt war - Zeit: "Ich bin ein Prozesstrainer und brauche Zeit. Ich will mit meinen Spielern in Freiburg gewinnen. Und wenn nicht? Van Gaal weg? Und dann? Kommt ein anderer Trainer. Und dann kommt nach sieben Wochen wieder der nächste?"

Sollte der selbstbewußte Niederländer also allen anderslautenden Verkündungen und Beteuerungen dennoch in Kürze den Stiefel bekommen, kann er sich nicht beklagen, nicht im Vorfeld gewarnt worden zu sein. Sogar der Vorsitzende des FCB-Verwaltungsbeirats, Edmund Stoiber (68), knöpfte ihn sich jüngst auf der Wiesn vor: "Ich habe versucht, zu erklären, wonach die Basis hier fragt, und dass im Moment Antworten folgen sollen. Ich glaube, dass ihm jetzt bewusst ist, dass er nicht so viel Zeit hat, wie er vielleicht geglaubt hat, um eine Mannschaft zu formen. Freiburg wird ein echtes Schlüsselspiel."

Auch die 'Bild'-Zeitung kommentierte hämisch: "Es wäre sein größter Fehler zu glauben, dass man als Bayern-Trainer Zeit hat, um in Ruhe etwas aufzubauen. Der letzte, der so dachte, war Jürgen Klinsmann. Das bittere Ende ist bekannt."

Im Moment sieht alles danach aus, dass auch im Fall von Louis van Gaal der FC Bayern München keine Ausnahme zu tätigen gewillt ist.

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