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06.08.2009 FC Bayern München: Louis van Gaal - nur selten mürrisch

Die erste Elf steht

So redselig kannte man Louis van Gaal gar nicht. Seit seinem Amtsantritt beim FC Bayern München glänzt der eigetnlich als mürrisch geltende Trainer mit detaillierten Erklärungen zum bevorzugten Spielsystem, den dazu passenden Spielern und seiner ersten Wahl für den Saisonauftakt. Zwei Tage vor dem Bundesligastart gegen Hoffenheim sind die Würfel im Kampf um die Plätze in der Startelf dem Trainer zufolge gefallen - zumindest der Tendenz nach.

Nicht nur in der Münchner Medienlandschaft herrschte lange Zeit Verwirrung, ob der taktischen Formation der neuen Bayern unter van Gaal: Der Niederländer klärte die Experten schnell auf: Bevorzugt 4-3-3, wenn das nicht geht, dann eben 4-4-2- mit einem echten Spielmacher hinter den Spitzen. "Da gibt es auch viele Dreiecke", erklärte van Gaal kurz seine Vision von gutem Fußball. Mit schnellem Kurzpassspiel und steilen Pässen in die Tiefe statt langen Bällen in die Spitze sollen die Gegner in der kommenden Saison schwindelig gespielt werden.

Lange brauchte der neue Mann an der Münchner Seitenlinie, um seine erste Elf zu finden. Nun ist es endlich raus. Gegen Hoffenheim sollen die gleichen elf Akteure auflaufen wie gegen Neckarelz im DFB-Pokal, erklärt der Übungsleiter mit der Trillerpfeiffe im Interview mit dem vereinseigenen TV. Gegen den no-name-Gegner sah van Gaal zwar keine berauschende Leistung seiner ersten Wahl, aber gute Ansätze, auf denen er aufbauen will.

Die erste Elf steht


Ganz zufrieden wirkt der Trainer wenige Tage vor dem Saisonstart aber nicht. Zwar ist der kreative Führer hinter den Spitzen, Franck Ribèry, seit gestern Vormittag wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Aber nach vier Wochen verletzungsbedingter Abstinenz in der wichtigen Vorbereitung wird es nun "schwierig, Franck in die Mannschaft zu integrieren", erklärt van Gaal dem hauseigenen Reporter offenherzig. Ob der Franzose gegen Hoffenheim im Kader stehen wird, lässt der Trainer offen: "Das kann ich noch nicht sagen. Ich weiß nur, dass er nicht von Anfang an spielen wird."

Um ein kollektives Rätselraten über die erste Elf bei Fans, Journalisten und der versammelten Fußballelite zu verhindern, wie in der langen Vorbereitung ausführlich geschehen, verrät van Gaal mehr: "Ich denke, dass gegen Hoffenheim die Mannschaft anfängt, die gegen Neckarelz gespielt hat." Im Klartext heißt das: Doch kein Stammplatz für Newcomer Holger Badstuber, der in den Vorbereitungsspielen noch an der Seite des neuen Abwehrchefs Daniel van Buyten aufgelaufen war. Trotz seines anfänglichen Linksfuß-Bonus hat der 19-Jährige gegen die geballte Erfahrung von Martin Demichelis nun doch den Kürzeren gezogen. Eine handfeste Überraschung nach den medialen Vorschusslorbeeren für Holger Badstuber.

Ohne Ribèry im Mittelfeld bekommt hingegen ein anderer Nachwuchsspieler seine Chance. Thomas Müller vertrat schon beim Pokalspiel den flinken Franzosen auf der für van Gaal so wichtigen Position hinter den Spitzen. "Ohne Ribèry fehlt ein bisschen die Kreativität", hatte der 57-jährige Fußballlehrer schon vor Wochen bekannt. Auch gegen Neckarelz fehlte ein bisschen Kreativität, Müller musste Mitte der zweiten Hälfte seinen Platz an Alexander Baumjohann abtreten. Der Argentinier Sosa scheint im Kampf um die Ribèry-Vertretung abgehängt.

Ein Nebenschauplatz bleibt

Auch Neuzugang Anatoli Timoschtschuk muss zunächst mit einem Platz auf der Bank vorlieb nehmen. "Timoschtschuk hat das Problem, dass er nicht auf seiner besten Position spielen kann", erklärte van Gaal. "Er kann auch über rechts spielen, aber da habe ich mich für Hamit Altintop entschieden", erklärte der Trainer nach dem Spiel gegen Neckarelz. Auf Timoschtschuk "bester Position", dem Platz vor der Abwehr, ist Mark van Bommel als Kapitän gesetzt. Er ist der verlängerte Arm des Trainers auf dem Platz, er ist nicht nur "stolz" darauf, "wieder Kapitän zu sein", sondern identifiziere sich voll mit dem Spielsystem und habe einen großen Einfluss auf die Mannschaft, erklärt der geradlinige van Gaal auch diese Entscheidung haargenau.

Von einer mürrischen Art ist bei ihm in diesem Moment weit und breit nichts zu sehen. Van Gaal konzentriert sich auf das Sportliche und ist in diesem Bereich auch sehr zugänglich. Er erklärt, wie er spielen lassen will, erklärt, dass links Linksfüßler und rechts Rechtsfüßler spielen sollen, warum Rensing im Tor steht und er voll hinter ihm, warum sein Landsmann van Bommel Kapitän ist, wie wichtig Schweinsteiger für den FC Bayern ist, wie Ribèrys Gesundheitszustand ist und so weiter und so weiter. Solange es um das Sportliche geht, ist van Gaal äußerst redselig, weil er weiß, was er will und wofür er steht. Eine seiner ersten Amtshandlungen war, die unter Klinsmann angelegte Bibliothek zu schließen, um sämtliche Ablenkungen und Nebenschauplätze zu verlassen und die Spieler wieder zu sportlichen Bestleistungen auf dem Platz und nicht intellektuellen hinter Büchern anzuspornen.

Ein unangenehmer Nebenschauplatz besteht aber weiter: Der Wechselpoker um Franck Ribèry ist endlich vorbei - Real Madrid erklärte nach der Verpflichtung von Xabi Alonso offiziell, nicht mehr auf dem Transfermarkt aktiv zu werden -, dafür bleibt das Konfliktpotential im Sturm. Eine Frage zu den Chancen von Luca Toni im Bayern-Sturm konnte zuletzt die mürrische Art des Trainers doch noch kitzeln. Ein wütender van Gaal warf dem fragenden Journalisten vor, schlecht vorbereitet zu sein und brach die Pressekonferenz umgehend ab.

Ribèry als Joker?

Doch Fragen in diese Richtung werden bei dem aktuellen Überangebot an Stürmern weiter gestellt werden, zumal Luca Toni angeblich von einigen Vereinen gejagt wird. Momentan besteht jedoch kein Überangebot an Stürmern: Mit Miroslav Klose ist nur ein Angreifer voll einsatzfähig. Fernab der Mannschaft absolvierten am gestrigen Mittwoch die Sturmkontrahenten Mario Gomez, der bis zum Samstag seine Adduktorenprobleme auskuriert haben soll, und der später ins Training eingestiegene Luca Toni ein leichtes Aufbautraining. Die seit mehreren Wochen verletzten Ivica Olic und Franck Ribèry schoben am Dienstag intensive Zusatzeinheiten, um einen Tag später ins Mannschaftstraining einsteigen zu können.

Bei Ribèry sah das Spiel mit dem Ball auch schon wieder richtig gut aus: Links unten, rechts unten, Kreuzeck., der Franzose traf , wie er wollte. Vielleicht überrascht van Gaal die viel fragenden Medien noch einmal, und setzt Franck Ribèry gleich nach seiner Rückkehr in den Mannschaftskreis gegen Hoffenheim ein. Die Chance besteht, van Gaal hatte sich vergangene Woche die Möglichkeit offen gelassen, seinen Topspieler als Joker zum Bundesligaauftakt nach Sinsheim mit zu nehmen.
 

 
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