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24.02.2009 FC Bayern München: Jürgen Klinsmann gegen Lissabon im Zangengriff

Wiedergutmachung muss her

Nach den herben Niederlagen in der bisherigen Bundesliga-Rückrunde steht der deutsche Rekordmeister unter enormen Erfolgsdruck. Nicht zuletzt deswegen erwartet die Fußballwelt mit großer Spannung das Auftreten des FC Bayern München in der Königsklasse. In dem heißen Entscheidungsfight am heutigen Mittwoch wird das Team des zuletzt heftig kritisierten Bayern-Trainers Jürgen Klinsmann auf Sporting Lissabon, dem 21-fachen portugiesischen Meister, treffen.

Die gesamte deutsche Fußballwelt schaut am heutigen Mittwoch gebannt nach Portugal schauen. Dort wird der amtierende Vizeherbstmeister gegen Sporting Lissabon antreten und als letzter in der Champions-League verbliebener Bundesligaklub in der K.O.-Runde die Ehre des deutschen Fußballs verteidigen. Doch für die erfolgsverwöhnte Truppe um Bayern-Coach Jürgen Klinsmann geht es um weit mehr als die tugendhafte Rolle der Schutzmacht der nationalen Ehre. Nach der bitteren 1:2-Niederlage gegen die Kölner am vergangenen Wochenende, der dritten verpassten Siegeschance im vierten Rückrundenspiel und einem enttäuschenden vierten Platz in der Bundesliga stehen die Bajuwaren gehörig unter Druck und müssen auf aggressiven Angriff umschalten.

Uli Hoeneß schnaubte schon einmal tief auf und ließ den Trainer mitsamt seinen Schützlingen unmissverständlich wissen, dass es am Mittwoch im Estádio José Alvalade richtig knallen muss. Nach dem schechtesten Rückrundenstart der Bayern seit 15 Jahren verwies Bayern-Manager verbittert darauf, dass die Lage allmählich ernst werde: „Es gibt nichts mehr zu beschönigen", wetterte er in Richtung des umstrittenen Bayern-Trainers Jürgen Klinsmann. Auch der zweite, ranghohe Bayern-Mann Karl Heinz Rummenigge nahm Klinsi in die Mangel und forderte klipp und klar, jetzt schnell die Kurve zu kriegen: „Das wird in Lissabon beginnen müssen." Sollte dies nicht der Fall sein, wackelt der Thron des ehemaligen Nationaltrainers in der bayerischen Landeshauptstadt gewaltig.

Tatsächlich stehen die statistischen Zeichen für den Spitzenclub an der Säbener Straße nicht schlecht. Der portugiesische Gegner wird als Außenseiter gehandelt, bei dem letzten Aufeinandertreffen in der Gruppenphase der Saison 2006/07 verließ der deutsche Rekordmeister mit einem zarthauchen Vorsprung von einem Tor durch Bastian Schweinsteiger zum rettenden 1:0 den Platz, im Rückrundenspiel zwei Wochen darauf trennten sich die Kampfhähne mit einem für beide Seiten unbefriedigenden Unentschieden. Zusätzlich glänzt Bayern-Keeper Michael Rensing mit seinen einzigartigen 32 Abwehrparaden in der Königsklasse einsam an der Spitze der Torhüter in der Champions League. Unter dem Strich wiesen die Bayern mit 14 Punkten und einer positiven Tordifferenz von acht Treffern die beste Bilanz aller 32 Teilnehmer in der Gruppenphase der UEFA Champions League in der diesjährigen Saison auf.

Doch anders als die bayerischen Recken konnte Lissabon zuletzt einen wichtigen Sieg in der portugiesischen Liga für sich verbuchen. 3:2 hieß es am Ende für den Achtelfinalgegner des deutschen Spitzenclubs am Mittwoch. Der Sieg über den derzeitigen Tabellenzweiten in der „Liga Sagres" dürfte dem Drittplatzierten Sporting Lissabon neuen Auftrieb verliehen haben. Psychisch gesehen steht es demnach 1:0 für die beflügelten Portugiesen. Der Brasilianer Liedson schoss sich dabei schon einmal auf die Bayern ein und stellte mit zwei Treffern seine Torgefährlichkeit eindrucksvoll unter Beweis. Aber auch auf Mittelfeldstar Joao Moutinho, der im zarten Alter von 22 Jahren bereits zum Kapitän seiner Mannschaft gekürt wurde, sollten die Bayern mehr als ein Adlerauge werfen.

Ob das Team an der Isar auf ihren Vollblutstürmer Luca Toni zählen kann, steht derzeit noch in den Sternen. Erst kurzfristig will Bayern-Chefcoach Klinsmann über den fragwürdigen Einsatz des italienischen Torwirbels entscheiden. Der 44-Jährige hofft aber auf seinen erfahrenen Stürmer, der am Wochenende mit einer „starken Fitnesseinheit" beeindruckend aufgefahren hatte. Über Dauerwackelkandidat Lukas Podolski ließ der ehemalige aktive Bayern-Spieler kein Sterbenswörtchen verlauten. Nach der eher schwachen Leistung im Spiel gegen den neuen kölschen Arbeitgeber scheint der frische Platz des Youngsters im bayerischen Kader mit einem erneuten dicken Fragezeichen versehen worden zu sein.

Die momentane Situation der Bayern lässt nicht viel Positives erwarten. In den bisherigen Spielen offenbarte der sonst so siegessichere Spitzenclub gravierende Defizite in der sonstigen Vorzeigeabwehr. Die Motivation der Profis ist auf den Nullpunkt gesunken, Klinsmann schlug zuletzt verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammen und ließ heftige Schimpftiraden auf den fehlenden Kampfeswillen und den defizitären Biss zum unbedingten Sieg niederprasseln. Seine Spieler hätten am Wochenende nicht „mit dem richtigen Kampf, Fight und Aggressivität" reagiert. Deswegen forderte der nach der dritten Niederlage seiner Profis gehörig ins Schwitzen geratene Coach „mehr Feuer in den Zweikämpfen". Eine Vorstellung wie gegen Köln könne sich seine Mannschaft nicht mehr leisten.

Einer freut sich derweil über die derzeitige Schwäche des deutschen Rekordmeisters und dementsprechend hoffnungsvoll setzte der portugiesische Trainer Paul Bento schon einmal zur altbekannten, rhetorischen Kampfesrede an: „Es werden zwei enge Spiele, aber wir haben ein ganz klares Ziel vor Augen: Das Viertelfinale - und das gehen wir mit jeder Menge Optimismus an." Ein Spruch, für den Klinsi wohl sein letztes Hemd hergeben würde, wenn derartige Siegestöne aus den ausgetrockneten Münder seiner Spieler ertönen würden.

Neuen Kommentar schreiben Leser-Kommentar (1)
(11.03.2009 15:02)

Ja das waren wirklich zwei ganz enge Spiele!