Linkbox
Artikel zum Thema
Highlights zum Thema
Pressestimmen zum Thema
01_aktion_300x300
Bildgalerie
Robert Pattinson und Kristen Stewart in 'Twilight Eclipse': Ewiger Treueschwur
Highlights der Woche (KW 20)
Diese Seite DruckenDiese Seite weiterempfehlen
StartseiteHighlight des Tages
Der FC Bayern München schwächelt: Doch Uli Hoeneß bleibt kämpferisch

24.08.2009 FC Bayern München: Das Ende der Vorherrschaft?

Eine Nachbetrachtung

Es gab Zeiten, da hätte Uli Hoeneß, Manager des FC Bayern München, über seine guten Kontakte in die Medienwelt jeden Fußballfan des Landes wissen lassen, was er von diesen geradezu unverschämten Äußerungen von Armin Veh und Felix Magath hält. Diese haben in den letzten Tagen in mehreren Interviews erklärt, dass es mit der Vormachtstellung des FC Bayern im deutschen Fußball erst einmal vorbei sei.

So sagte Magath - noch dazu im Interview mit einer Münchner Zeitung! - im Wortlaut: "Die Bayern haben im Moment keine Ausnahmestellung in Deutschland mehr. Die Dominanz ist derzeit weg." Und auch Wolfsburg-Trainer Armin Veh war sich bereits nach dem zweiten Spieltag sicher: "Die Bayern sind nicht mehr so weit weg, wie sie es früher waren." Daraufhin ließ sich zwar zumindest der neue Sportdirektor Christian Nerlinger im 'kicker' zu der Retourkutsche hinreißen, die großmäulige Konkurrenz solle "erst die Champions League angehen und zeigen, wie groß ihre Subs­tanz ist", wie es der FC Bayern seit 30 Jahren tue, doch von Uli Hoeneß kam: Keine Antwort. Vielleicht, weil er spätestens nach dem peinlichen 1:2 beim Aufsteiger FSV Mainz 05 ahnt, dass Veh und Magath Recht haben könnten?

Denn zumindest die erste Halbzeit des FC Bayern war eine der schlimmsten, die Hoeneß als Bayern-Manager je miterlebt haben dürfte. Furchtlos agierende Mainzer spielten den deutschen Rekordmeister in den ersten 30 Minuten komplett an die Wand. Thomas Tuchel, Trainer der Gastgeber, sprach vor dem Spiel davon, "kein Hase vor der Schlange sein" zu wollen - aber tatsächlich war es die Schlange, die sich vom entfesselt aufspielenden Hasen einschüchtern ließ. Die logische Konsequenz: Das 1:0 durch Ivanschitz (25.), bei dem Torhüter Rensing kräftig mithalf. Zwölf Minuten später nutzte Aristide Bancé einen grotesken Stellungsfehler von Daniel van Buyten und köpfte zum 2:0 ein. Die Sensation war perfekt, und die Bayern erlitten eine peinliche Niederlage, die sich nahtlos in die Serie grober Klatschen der letzten 15 Monate einreiht, ob in St. Petersburg (0:4), gegen Bremen (2:5), in Wolfsburg (1:5) oder in Barcelona (0:4). Langsam muss sich der Rekordmeister fragen, wo er in der Fußball-Hierarchie eigentlich steht. 

Fakt ist: Der FC Bayern ist einer der umsatzstärksten Klubs der Welt, übertroffen nur von Real Madrid, Manchester United und dem FC Barcelona. Zwar lassen sich aus dieser kleinen Statistik nicht die tatsächlichen Machtverhältnisse im europäischen Fußball ablesen, aber es ist dennoch erstaunlich, wie viel Mühe der deutsche Rekordmeister plötzlich hat, sich schon gegen die nationale Konkurrenz zu behaupten - der Traum vom Champions League-Titel ist ohnehin bereits in weite Ferne gerückt. Der FC Bayern hat das bei weitem größte Festgeldkonto aller deutschen Klubs, und dennoch gelingt es ihm nicht mehr, die anderen Vereine zu distanzieren.

Denn die Konkurrenz hat dazu gelernt und versucht, den aus der Historie erwachsenen strukturellen Vorteil der Bayern mit anderen Mitteln aufzuholen, sei es mit einem eigenen Mäzen und Geldgeber (Hoffenheim), klugem Scouting (Hamburger SV), der Bündelung von Kompetenzen in der Machtzentrale (Schalke 04) oder einem ganzheitlichen, schlüssigen spielerischen Konzept (Leverkusen). Hier wird auch ersichtlich, warum der VfL Wolfsburg der mit Abstand gefährlichste Konkurrent der Münchner ist: Der deutsche Meister von 2009 hat greift nämlich zu allen vier Mitteln gleichzeitig.

Die Bayern machen es den anderen Bundesligaklubs jedoch auch leicht. Zu unschlüssig ist die Transferpolitik, zu konzeptlos das eigene Spiel, zu viele Köpfe, die im Verein etwas zu sagen haben. Die Führungstroika um Manager Uli Hoeneß, Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge und Finanzchef Karl Hopfner muss sich den Vorwurf gefallen lassen, die Zeit des Überganges, die nach dem gewonnenen Champions-League-Finale 2001 eintrat, nur ungenügend moderiert zu haben. Zumindest erinnert nur wenig aus der aktuellen Bayern-Mannschaft an das damalige Siegerteam um Spieler wie Kahn, Andersson, Effenberg, Scholl, Jeremies und Elber.

Erste Ursache dafür: Die Transferpolitik des Rekordmeisters. Schon in der letzten Saison offenbarte die Führungsriege des Vereins ein gefährliches Maß an Arroganz, als sie den Kader für ausreichend stark besetzt erachtete und zunächst lediglich die Ergänzungsspieler Borowski, Butt und Kraft verpflichtete (letzterer kam aus der zweiten Mannschaft der Bayern). Der später auf Leihbasis verpflichtete Massimo Oddo wird ebenfalls wie Jürgen Klinsmanns Wunschspieler Landon Donovan als einer der größeren Transfer-Enttäuschungen in die Münchner Vereinsgeschichte eingehen.

Nach einer miserablen Saison, in der das Team unter Trainer Jürgen Klinsmann stetig den UEFA-Cup-Plätzen entgegen taumelte, waren die Schwachstellen im Kader schnell ausgemacht: Vor allem die Torhüter-Position und der Posten des rechten Verteidigers genügten weder nationalen noch internationalen Ansprüchen, und im offensiven Mittelfeld fehlten die personellen Alternativen, was die Mannschaft zu abhängig vom zunehmend launischen Spielmacher Ribéry machte. Doch auf diesen Positionen wurde wenig bis gar nichts getan.

Michael Rensing bekam von Louis van Gaal das Vertrauen ausgesprochen und zahlte dieses gleich mit zwei Patzern in vier Pflichtspielen zurück. Auf dem Transfermarkt beschäftigten sich die Bayern stur mit genau einem Torhüter-Namen: Manuel Neuer. Neuer oder niemand - das war die Maxime der Bayern. Als dessen Klub Schalke 04 dem Wechsel jedoch eine Absage erteilte, stand der Rekordmeister ohne Alternativen da und hatte fast gar keine andere Wahl, als mit dem alten Torhüter-Duo Butt/Rensing in die neue Saison zu gehen. Dabei hätte es genug bezahlbare Kandidaten auf dem europäischen Transfermarkt gegeben, namentlich Enke, Wiese, Handanovic oder Boruc.

Auf dem rechten Verteidigerposten spielt mittlerweile Philipp Lahm. Der ist zwar anerkanntermaßen ein Weltklassespieler, nur wird dadurch plötzlich der linke Verteidiger-Posten zur Sorgen-Position der Bayern, denn der dort eingesetzte Neuzugang Edson Braafheid, ein Wunschspieler van Gaals, bleibt bislang jeglichen Beweis seiner Klasse schuldig. Auch hier entwickelte sich ein ähnliches Muster: Die Bayern fassten nur einen einzigen Kandidaten ins Auge, diesmal José Bosingwa vom FC Chelsea. Doch dessen Transfer gilt mittlerweile als unwahrscheinlich, wodurch sich die Bayern-Führungsriege allerdings nicht zum Handeln gezwungen sieht. 

Stattdessen: Der Kauf von Mario Gomez für 30 Millionen Euro, ein sicherlich zukunftsträchtiger Transfer eines der besten Jungstürmer der Welt, jedoch keiner, der die Problemstellen im Kader schliesst. Die Verpflichtungen von Daniel Pranjic und Edson Braafheid, die sich bislang noch nicht empfehlen konnten. Der Transfer des 30-jährigen Anatoli Timoschtschuk, der keine Chance hat, in van Gaals erste Elf zu rutschen. Und zu allem Überfluss die vermeidbaren Abgänge von Lucio und Zé Roberto, die letzte Saison zu den wenigen sicheren Akteuren im Bayern-Trikot zählten. Zé Roberto erlebt beim Hamburger SV mittlerweile seinen dritten oder vierten Frühling, und Lucio ist inzwischen der Abwehrchef von Inter Mailand. Sein Ersatz bei den Bayern: Der 20-jährige Holger Badstuber von den eigenen Amateuren.

Dieser verheerenden Bilanz der letzten zwei Jahre stehen nur wenige gelungene Transfers gegenüber, wie der des Laufwunders Ivica Olic zum Schnäppchenpreis. Tatsächlich arbeitet die Scouting-Abteilung des FC Bayern so ineffizient wie kaum ein anderer Verein seiner Größenklasse. Viele Transfers werden nur deswegen getätigt, um die Konkurrenz zu schwächen (Borowski) oder weil die betreffenden Spieler zuvor groß gegen die Bayern aufgespielt haben (Timoschtschuk). Es wirkt, als ob an der Säbener Straße eine vollkommen andere Definition von Scouting herrscht. Unbekannte Spieler, vor allem aus Südamerika, die der FC Bayern verpflichtet, sind fast durchgehend ein Flop: Santa Cruz, dos Santos, Sosa, Breno - sie alle blieben ein ewiges Versprechen oder drohen, eines zu werden.

Aber auch Trainer Louis van Gaal muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen. So ist nicht ersichtlich, warum der Holländer partout auf Franck Ribéry als Spielgestalter besteht, wenn bereits seit geraumer Zeit klar ist, dass der Franzose überhaupt keine Lust hat, diese Position zu spielen. Mit einer komplett anarchischen Vorstellung am zweiten Spieltag gegen Bremen untermauerte Ribéry auch seine kolossale Unlust. General van Gaal musste in der Woche darauf ungewohnt kleinlaut einräumen: "Ich werde nichts von einem Spieler verlangen, was er nicht will." Gegen Mainz versuchte es der Coach anfangs mit einer 4-3-3-Aufstellung, in der Miroslav Klose als Spielmacher agierte. Der 31-Jährige lieferte prompt seine bislang schlechteste Leistung ab, seit er das Bayern-Trikot trägt. Mit anderen Kandidaten für den Spielmacher-Posten wie Diego oder den Holländern Rafael van der Vaart und Wesley Sneijder haben sich die Bayern nie ernsthaft beschäftigt und dabei stets auf Ribéry verwiesen.

Ebenso alarmierend: Die Äußerungen der Bayern-Kicker nach dem Mainz-Spiel, als sie offen zugaben, die Forderungen ihres Trainers noch nicht durchblickt zu haben. Man habe van Gaals Spielkonzept "noch nicht so ganz drin", gab Mario Gomez zu Protokoll. Die Frage muss erlaubt sein, worin die Ursachen hierfür liegen. Für van Gaal wird die Zeit langsam knapp, er muss Ergebnisse produzieren. Der Holländer hat den Bonus, den Ruf eines Machers zu haben, eines knurrigen, erfahrenen Coaches, der seine Spieler hart rannimmt. Daher geben ihm Vorstand wie Öffentlichkeit noch etwas Zeit, die Vorgänger Jürgen Klinsmann beispielsweise nicht hatte.

Alles in allem regiert bei Bayern immer mehr das Mittelmaß, und die Führungsetage scheint fast schon zu gemütlich, um dagegen etwas zu unternehmen. Mit einem Kader voller Rensings, Ottls, van Buytens, Lells, Görlitzs, Altintops und Sosas ist nicht nur auf internationaler Ebene kein Blumentopf zu gewinnen, auch national werden es die Bayern gegen neuerdings aufgeweckte Konkurrenten schwer haben. Ob Uli Hoeneß & Co. bis Ende August, wenn das Transferfenster schließt, noch etwas unternehmen werden, ist nicht klar, aber Panik-Transfers sind ohnehin ebenso wenig zielführend. Vielleicht muss man sich als Bayern-Fan einfach an den Gedanken gewöhnen, dass die nächste Klatsche jederzeit kommen kann - ob in St. Petersburg, Wolfsburg, Barcelona oder Mainz.

 

 

 

 

Neuen Kommentar schreiben Leser-Kommentar (1)
Bayern-Fan (24.08.2009 22:59)

Welch wahre Worte!! Und bitte nicht alles von Ribery abhängig machen...

Treffender kann man d. Zustand des FCB, die Bequemlichkeit des Vorstandes sowie das offensichtliche Unvermögen der Scouts nicht auf d. Punkt bringen. Es macht einen wütend zu sehen, dass Millionen verprasst werden, aber keiner darüber nachdenkt, einem Spieler wie Ribery vielleicht mal einen Spielmacher an d. Seite zu stellen, der ihm zumindest Ansatzweise (Diego,V.d.Vaart.) auf Augenhöhe begegnet!