Beim am heutigen Freitag in Peking beginnenden ASEM-Gipfel der asiatischen und europäischen Staaten sollten eigentlich Umweltschutz und Energiepolitik auf der Tagesordnung stehen. Doch die internationale Finanzkrise bedingt es, dass sich die 45 Teilnehmerstaaten vorrangig mit wirtschaftlichen Fragen beschäftigen - denn mittlerweile ist auch China betroffen.
Im bislang so boomenden Reich der Mitte mussten mittlerweile ebenfalls erste Fabriken geschlossen werden, die Arbeitslosenquote steigt rapide. Das Wirtschaftswachstum Chinas verlangsamt sich, was vor allem an den zurückgehenden Exporten liegt. Es liegt also auch in Chinas Interesse, dass der zweitägige ASEM-Gipfel umfunktioniert wird.
Ursprünglich wollten sich die 45 Teilnehmerstaaten mit Umweltschutz und transkontinentaler Energiepolitik befassen, doch nun dient die Konferenz als Vorbereitung auf den ersten internationalen Finanzgipfel, der am 15. November in New York stattfinden soll. Die ASEM-Mitglieder wollen nun eine gemeinsame Linie finden, welche Reformen für das Weltfinanzsystem nötig sind.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso fand bereits drastische Worte und schwörte die Teilnehmerstaaten auf Kooperation ein. "Wir haben große Herausforderungen zu bewältigen, die keine Grenzen kennen. Sie sind global. Das ist der Fall bei der Finanzkrise. Kein Land - egal ob in Europa oder in Asien - kann so tun, als ob es immun dagegen sei. Wir brauchen eine koordinierte Antwort. Es ist ganz einfach: Entweder schwimmen wir gemeinsam oder wir sinken gemeinsam", sagte der Portugiese in Peking.
Die eigentlichen Themen des Gipfels, Umweltschutz und Energiepolitik, sollen auf dem Gipfel dennoch zur Sprache kommen. Die europäischen Staaten wollen sich in China auch über die Handelsbeschränkungen und Urheberrechtsverletzungen des Gastgeberlandes beschweren.
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist bereits am gestrigen Donnerstag in Peking eingetroffen, um bilaterale Gespräche mit Chinas Staatspräsident Hu Jintao sowie Ministerpräsident Wen Jiabao zu führen. Dabei wird die Kanzlerin von einer Delegation aus der deutschen Wirtschaft begleitet, der unter anderem Vorstandsmitglieder von Daimler, ThyssenKrupp und Siemens angehören. Merkel besuchte am gestrigen Donnerstag außerdem ein Daimler-Werk in Peking.