Uli Hoeneß, Noch-Manager des FC Bayern München, hat zu den Problemen des Rekordmeisters in zwei großen Interviews Stellung bezogen. Trainer Louis van Gaal sieht er dabei in einer guten Position, weil der Niederländer schließlich auf ihn als "größten Helfer" zählen könne. Einen gereizten Unterton angesichts der grassierenden Vorwürfe und zahlreiche Seitenhiebe gegen Spieler und Imageberater konnte er sich dennoch nicht verkneifen.
Seit 30 Jahren hat er die Position als Manager des FC Bayern München inne: Und auch in dieser bislang eher mißratenen Saison sieht Uli Hoeneß (57) in seiner Mannschaft ganz klar das Potenzial zum Deutschen Meister.
Doch auch in seinen erfolgsverwöhnten Augen ist nicht alles perfekt: So bemängelt Hoeneß beispielsweise, dass nicht alle Spieler sich bis zur Leistungsgrenze einsetzten. Im Gespräch mit der Tageszeitung 'Die Welt' führter dafür verschiedene Ursachen an: "Wir haben einen neuen Trainer, wir spielen ein neues System. Wir haben relativ viele Verletzungen. Franck Ribery hat die ganze Saison fast gar nicht gespielt. Wir haben Robben gekauft, dann hat er sich verletzt."
Und in puncto körperlicher Fitness läßt Hoeneß sich auch nicht den Vorwurf gefallen, kein Hellseher gewesen zu sein: "Auch wenn wieder alle Schlaumeier sagen, es war doch klar, der ist verletzungsanfällig. Aber seine Verletzung wurde bei keiner Untersuchung festgestellt. Er hat bis jetzt überhaupt keine Verletzung gehabt, die vermeintlich vorhersehbar war. Wenn man bei anderen Vereinen die zwei Besten über Wochen herausnimmt, leidet auch die Qualität."
Der in den Medien derzeit als Prügelknabe gehaldelte Louis van Gaal genießt indessen zwar eine klare Rückendeckung bei der Führungsriege des FC Bayern, doch pure Freude dürften die Kommentare seines Managers beim holländischen Trainer nicht hervorrufen: "Louis van Gaal sagt, er ist sich sicher, dass wir mit der Zeit besser werden und die Systeme greifen. Die Frage ist nur, wie lange Zeit bekommst du von den Medien, von der Öffentlichkeit, von den Fans. Das kann ich nicht sagen."
Dennoch will Hoeneß selbst dem Coach keinen Zeitrahmen stecken: "Mir geht es darum, dass er und die Mannschaft es schaffen, dass es Fortschritte gibt. Das beurteilen wir. Wenn wir das Gefühl haben, das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer funktioniert nicht oder das blockiert die Entwicklung der Einzelnen, dann müssen wir nachdenken."
Gegenüber der 'Zeit' klingt die lebende Legende der Säbener Straße da schon eindeutig positiver, wenn er an Louis van Gaals Erfolge in der Vergangenheit erinnert: "Derselbe hat aus einer Durchschnittsmannschaft in Alkmaar eine Meistermannschaft gemacht, er war mit Barcelona im Finale der Champions League, er ist ein anerkannter Fachmann. Wir haben gewusst, dass er Disziplin einfordern würde." Ein leicht kritischer Akzent schwingt jedoch auch hier mit: "Ob er nun in manchen Bereichen zu weit geht, ist eine Frage, die wir noch zu beantworten haben."
Entgegen aller Verlautbarungen, mit Philipp Lahm sei alle sbereinigt, lässt der FCB-Manager auch hier keine Zweifel an seiner Meinung: "Lahm liegt zu 90 Prozent falsch, und jetzt sage ich Ihnen, wer dahintersteckt: Roman Grill, sein Berater, der ja auch mal hier gearbeitet hat, will seinen Mandanten positionieren - als Kapitän, als Führungsfigur. Heute Morgen frage ich Grill am Telefon: Wieso erklärst du in der Öffentlichkeit, dass Philipp Lahm schon zwei-, dreimal beim Vorstand war? Du weißt genau, dass das nicht so ist. Und er antwortet mir: Wie soll er sich sonst profilieren? Das war die Antwort."
Trotz der beständigen Versuche des desigierten Präsidenten des FC Bayern München, Einigkeit zu demonstrieren, wird klar, dass Uli Hoeneß vor allem mit sich selbst im Reinen ist: Klar sei, "dass heute keiner mehr 30 Jahre am Stück im Geschäft bestehen würde. Die Zeit ist vorbei, ich bin der Letzte dieser Art."