Der FC Barcelona ist Champions League-Sieger 2009. Das Team von Trainer Josep Guardiola setzte sich am gestrigen Mittwochabend in Rom hochverdient mit 2:0 gegen Manchester United durch. Auch im Aufeinandertreffen der aktuell vielleicht weltbesten Fußballer gab es einen klaren Sieger: Lionel Messi krönte eine phantastische Leistung ausgerechnet mit einem Kopfballtor, während Cristiano Ronaldo über weite Strecken blass blieb.
Dabei sah es zunächst gar nicht nach einer so eindeutigen Angelegenheit aus. Keine zwei Minuten waren gespielt, da prüfte Cristiano Ronaldo per Freistoß aus 25 Metern zum ersten Mal Barcelonas Schlussmann Victor Valdes. Und in der 3. und 7. Minute vergab der Weltfußballer des Jahres erneut aus der Distanz. Das Zeichen war aber eindeutig: Ronaldo und Manchester wollten zeigen, dass sie gleich voll da sind. Der Gegner um Dribbelkünstler Lionel Messi kam in den ersten knapp zehn Minuten gar nicht zum Zug - und schlug dann eiskalt zu.
Eto'o setzte sich auf Zuspiel von Andres Iniesta im Strafraum gegen Nemanja Vidic durch und erzielte das zum diesem Zeitpunkt etwas überraschende 1:0 für den FC Barcelona. Und in der Folge bekamen die 67.000 Zuschauer im ausverkauften Olympiastadion von Rom eine völlig andere Partie zu sehen. Nichts war mehr zu sehen vom Ansturm der Engländer auf das Tor von Valdes. "Wir hatten in den ersten zehn Minuten Probleme", äußerte Trainer Guardiola nach dem Spiel. Was danach kam stellte nur den Gegner vor Probleme.
Barca zog nun sein gefüchtetes Kombinationsspiel auf, Manchester kam teilweise überhaupt nicht mehr an den Ball. Sicher zirkulierte das Leder durch die Reihen des spanischen Meisters. Tore fielen vor der Pause allerdings keine mehr. Messi aus 20 Metern und Xavi mit einem 18-Meter-Freistoß verfehlten ihr Ziel allerdings nur äußerst knapp. ManU brachte schlicht zu wenig, um zum Ausgleich zu kommen. Lediglich Ronaldo versuchte es mit einem Schuss aus der zweiten Reihe (20.) und einem Kopfball (23.), ansonsten war vom Titelverteidiger wenig zu sehen.
Auch in der zweiten Halbzeit begann Barca stärker. Und mit einem Freistoß von der Strafraumgrenze hätte Xavi in der 51. Minute auch beinahe das 2:0 erzielt - sein Schuss landete allerdings am Pfosten. Danach begann der englische Meister besser ins Spiel zu kommen, Chancen sprangen dabei allerdings nicht heraus. Und in der 71. Minute folgte dann ein ganz besonderer Moment. Eine Flanke von Xavi segelt in den ManU Strafraum, Rio Ferndinand steht viel zu weit weg von seinem Gegenspieler und der köpft den Ball ins Tor. Der Gegenspieler Ferdinands war: Lionel Messi.
Der Argentinier krönte eine phantastische Leistung mit einem Tor. Das ist nicht ungewöhnlich, es war sein 9. Treffer in dieser Champions League-Saison. Damit hat Messi nicht nur den Pott, sondern auch den Titel des Torschützenkönigs fvon Cristiano Ronaldo übernommen. Aber dass Messi ein Kopfballtor erzielt, ist wirklich etwas Besonderes. Mit seinen 1,69 Metern ist der kleine Wirbelwind bislang nicht als Kopfballungeheuer in Erscheinung getreten. Sein Trainer hatte allerdings nach dem Spiel eine Erklärung für diesen Treffer: "Messi kann einfach alles. Er ist der Beste, der Größte. So einen Fußballer habe ich noch nicht gesehen."
Danach war die Partie entschieden. Manchester pflegt es zwar für gewöhnlich, Champions League-Finals in der Nachspielzeit zu drehen - allerdings ist dies bei einem Rückstand mit zwei Toren wohl doch deutlich schwieriger als wenn man nur ein Tor aufholen muss, um danach in Führung gehen zu können. Und in Barcelona ist es wahrscheinlich auch einfacher, als gegen Barcelona. Vor allem, wenn es sich um den FC Barcelona des gestrigen Abends handelt.
Dieser FC Barcelona sei "die bessere Mannschaft" und "phantastisch, vor allem im Mittelfeld" gewesen, war nach dem Spiel in Rom zu hören. Und zwar von niemand geringerem als Sir Alex Ferguson, Teammanager von Manchester United, der sich als absolut fairer Verlierer zeigte. Ein Sonderlob zollte Ferguson Lionel Messi. Und auch Cristiano Ronaldo gab zu: "Barcelona hat besser gespielt und es ist immer kompliziert und schwer ein Finale zu verlieren."
Jubel dagegen auf Seiten der Spanier. Neben den Lobeshymnen Guardiolas für Messi waren auch die Spieler völlig aus dem Häuschen: "Jetzt haben wir alles gewonnen, was wir gewinnen konnten. Das ist ein historisches Jahr", meinte Carles Puyol nach der Partie. Andres Iniesta war ergriffen von dem Moment des Sieges: "Wir sind auf dem Gipfel angekommen. Es gibt keine Worte, um das zu beschreiben. Das ist der krönende Abschluss einer spektakulären Saison."
Manchester United hat es verpasst, Historisches zu erreichen. Die Mannschaft hatte die Chance, als erste seit Einführung der Champions League 1992 den Titel zu verteidigen. Damit ist sie gescheitert, was aber nicht darüber hinweg täuschen kann, dass ManU mit dem Erreichen des Endspiels von Rom und dem Gewinn der englischen Meisterschaft eine hervorragende Saison gespielt hat.
Im Endspiel aber verloren die Engländer gegen eine grandiose Barca-Truppe. Und allen voran gegen Lionel Messi, dem neuen König des Fußballs. Sicher ist aber, dass sich Cristiano Ronaldo nicht auf Dauer mit der Rolle des Prinzen zufrieden geben wird. Die Fußballwelt darf sich noch auf viele weitere Duelle zwischen den beiden Superstars freuen. Vielleicht ja schon nächstes Jahr in der Primera Division beim Spiel zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid - sollte Cristiano Ronaldo wirklich zu den 'Königlichen' wechseln.