01.05.2009 Erhöhtes Krebsrisiko? Von rotem Fleisch und anderen Krankmachern
Kann diese Kuh gefährlich sein?
Rotes Fleisch, Pommes Frites, Wein bei Frauen, zu viel Bier bei Männern und natürlich das Rauchen. Außerdem sämtliches zu heiß Gebratenes und Frittiertes, also auch Kartoffelchips. Essen macht so keinen Spaß mehr, obwohl man doch ist, was man isst.
Wenn man im Internet nach Gesundheitstipps sucht, wird man schnell fündig. Zahlreiche Seiten bieten dem selbstbewussten Konsumenten Informationen im Kampf gegen den Tod. Auch wenn das Leben stets tödlich ist, wie Erich Kästner so schön formuliert hat, erklären uns Studien, wie wir den gehassten Mann mit der Sense lange von uns fernhalten.
95 Jahre Lebenserwartung: Was tun?Nichtraucher, Bürojob, fast kein Alkohol, eine feste Beziehung und eine ausgewogene Ernährung. Und natürlich Bewegung, eben ein bisschen Wohlfühl-Sport. Wenn es nur nicht zuviel Joggen, Snowboarden, Tennis oder Fußball ist. Denn dann gehen die Knie kaputt. ‘Dann brauchen sie irgendwann ein künstliches Gelenk‘, erklärt der Versicherungsagent, der Sicherheit zum Billig-Preis verkauft.
‘Glückwunsch, sie werden 95 Jahre alt. Das ist gut für ihre Gesundheitsversicherung, die wird billiger, aber schlecht für die Rente. Schließlich bekommen sie dann 28 Jahre Bezüge. Das kostet sie natürlich einiges', erklärt der Gesundheitsagent und lässt sie mit zahlreichen Angeboten alleine. Sie sind etwas deprimiert, weil sie nicht genau wissen, was sie lange 95 Jahre auf der Welt machen sollen. Nur der Gedanke, ihre eigenen Ur-Enkel kennen zu lernen, erheitert sie.
‘Gefährliches Fleisch'Na, dann also zurück ins Büro und am Abend nach Hause zur Frau. Zwischendrin surfen sie wieder im Internet. Alleine in den vergangenen sechs Monaten lasen sie dort knapp 20 erschreckende Nachrichten über die steigende Krebsgefahr: ‘Pommes erzeugen Krebs', ‘Wein erhöht das Krebsrisiko - aber nur für Frauen', ‘Kartoffelchips bringen den Tod' um nur einige zu lesen. Nun gibt es eine neue Studie, die bemerkenswertes zu Tage bringt.
‘Gefährliches Fleisch' prangt seit Tagen bei google.news in der Rubrik ‘Besonders beliebt' ganz oben. Gemeint ist rotes Fleisch, also der saftige Sonntagsbraten vom Schwein, Rind, Wild und Lamm. Nur Geflügel kann man essen, davon allerdings so viel man will, haben nun zwei Studien aus Europa und den USA nachgewiesen. Dass dahinter diesmal kein gekonnter Werbetrick steht, um ein neues unbekanntes Produkt auf dem Markt zu lancieren, liegt auf der Hand.
80 Gramm - mehr nicht, sonst gibt es keine RevolutionDennoch ist man sich auch hier nicht der Bedeutung der Studie ganz im Klaren. Wie oft darf ich denn dann Fleisch essen, ab wann steigt das Risiko exponentiell. Kann ich durch Wahrscheinlichkeitsrechnung mein ganzes Leben ganz genau vorhersagen, wie schon Blaise Pascal im 17. Jahrhundert meinte?
Am Tag nicht mehr als 80 Gramm Fleisch, fordert die Studie. Auch Horst Köhler hat dies unlängst gefordert. Zwar nicht mit der genauen Gewichtsbestimmung, aber immerhin tendenziell. Der Bundespräsident hatte gefordert, sich wieder mehr zu beschneiden: "Früher gab es nur einmal die Woche Fleisch, den Sonntagsbraten. Heute kommt beinahe täglich Fleisch auf den Tisch." Sein Ziel ist es, eine neue "industriell-ökologische Revolution" in Gang zu setzen, um die Erde zu erhalten.
Dieses Ziel verfolgen auch andere, und das schon seit Jahren und Jahrzehnten wie zum Beispiel unzählige NGO's, aber auch die Grünen. ‘Greenpeace' und ‘Food Watch' klären in Zeitschriften und im Internet über die zahlreichen Gefahren, die im Essen lauern, auf. Doch das heißt nicht, dass sie sich jene Informationen auch zu Gemüte führen müssen, denn dann könnte es passieren, dass ihnen beim Anblick ihres Essens schlecht wird. Zwar ist das bei weitem nicht so schlimm, wie eine erhöhtes Krebsrisiko, aber kann auch wirklich unangenehm sein.