Der SV Werder Bremen und der Hamburger SV haben das Halbfinale im Uefa Cup erreicht und stehen sich nun am 30. April und am 7. Mai im ersten deutsch-deutschen Halbfinale in einem europäischen Wettbewerb seit 20 Jahren gegenüber. Nachdem beide Mannschaften ihre Hinspiele mit 3:1 gewonnen hatten, genügte Werder ein 3:3 bei Udinese Calcio und den Hamburgern eine 1:2-Niederlage bei Manchester City, um die Vorschlussrunde zu erreichen.
Zur Halbzeit sah es in Udine nicht gerade danach aus, als könnte Werder Bremen am gestrigen Donnerstagabend ins Halbfinale einziehen. Der 3:1-Vorsprung aus dem Hinspiel war bereits egalisiert: Die Italiener führten nach Toren von Inler (15.) und Quagliarella (30., 38.) mit 3:1, lediglich Diego konnte für die Bremer zwischenzeitlich ausgleichen (28.).
In der zweiten Halbzeit aber wendeten die Norddeutschen das Blatt und erreichten das Halbfinale letztlich verdient.
"Wir freuen uns, wir sind im Halbfinale, das ist eine große Leistung", jubelte Werder-Trainer Thomas Schaaf nach dem Spiel. Zwar sei die erste Halbzeit "völlig daneben" gegangen, aber "in der zweiten Halbzeit kamen zum Glück die Tore, die uns Sicherheit gegeben haben." Für das erste dieser Tore sorgte wieder mal Diego, der den Abpraller eines Lattenschusses von Almeida in der 60. Minute per Kopf verwertete. 12 Minuten später hätte der Brasilianer auch noch seinen dritten Treffer erzielen können, scheiterte aber per Foulelfmeter an Udine-Torwart Handanovic.
Für großen Frust blieb allerdings keine Zeit, die auf den Elfmeter folgende Ecke verlängerte Mertesacker auf Pizzaro, der kam mit der Fußspitze an den Ball und erzielte den Ausgleich und damit die endgültige Entscheidung in der 73. Minute. Nun hätte der Gegner noch drei Tore erzielen müssen, Werder spielte die Partie souverän zu Ende. Und wieder einmal war es Diego, der den Unterschied für den SV Werder gemacht hatte. Dabei war der Einsatz der Nummer 10 bis kurz vor Beginn wegen einer Muskelverhätung unsicher. Thomas Schaaf dürfte letztlich erleichtert gewesen sein, als Diego grünes Licht bekam. Schon vor der Partie kündigte Bremens Trainer an, dass Diego "ein Spiel allein entscheiden" könne. Den Beweis hat er in Udine erneut geliefert.
Im Vorfeld war das Duell zwischen beiden Mannschaften in den italienischen Medien vor allem auf das Duell zwischen Udine-Stürmer Fabio Quagliarella und Diego reduziert worden. Der Sieg geht letztlich an den Bremer: Im Hinspiel schoss dieser zwei, sein Kontrahent nur ein Tor. Gestern trafen beide je zwei Mal. Was allerdings viel schwerer als das persönliche Duell wiegt: Diege steht mit seiner Mannschaft im Halbfinale. Vielleicht wäre dies nicht der Fall, wenn der Wunsch von Udines Abwehrspieler Felipe in Erfüllung gegangen wäre: "Ich bin ganz offen. Mir wäre es lieber, wenn Diego nicht spielt", erklärte der Landsmann des Bremer Regisseurs vor dem Spiel. Nach den 90 Minuten wird er seine Meinung nicht geändert haben.
Nun haben die Bremer also noch zwei Mal die Möglichkeit, eine verkorkste Bundesligasaison durch mindestens einen Pokalsieg vergessen zu machen. Sowohl im DFB-Pokal, als auch im Uefa Cup stehen die grün-weißen im Halbfinale - der Weg ins Finale führt aber in beiden Fällen nur über den ewigen Nordrivalen vom Hamburger SV. Nachdem sich die beiden Teams schon im DFB-Pokal gegenüberstehen, kommt es nun also auch zum Nordderby im Uefa Cup. Heiße Wochen im Norden stehen an.
Innerhalb von nur 19 Tagen treffen der SV Werder und der HSV gleich vier Mal aufeinander. Dem DFB-Pokalspiel am 22. Mai in Hamburg folgt das Hinspiel im Uefa Cup am 30. Mai in Bremen. Eine Woche später findet das Rückspiel in Hamburg statt, ehe es nur 3 Tage später erneut zum Aufeinandertreffen in Bremen kommt. Anlass ist dann der 31. Bundesligaspieltag.
Die Hamburger erreichten das Halbfinale im Uefa Cup ebenfalls am gestrigen Donnerstagabend. Bei Manchester City genügte eine 1:2 Niederlage zum Erreichen der Runde der letzten Vier. Zwar konnten die Engländer das 0:1 durch Paolo Guerrero (12.) nach wenigen Minuten durch einen unberechtigten Handelfmeter von Elano egalisieren (18.) und in der 54. Minute durch Caicedo in Führung gehen - den dritten Treffer, der zur Verlängerung gereicht hätte, konnten sie aber nicht erzielen. HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorf war nach dem Spiel vor allem erleichtert: "Das war ziemlich eng. Wir haben Glück gehabt. Ich dachte, wir gehen in die Verlängerung. Ich freue mich jetzt auf Werder Bremen, es darf weiter geträumt werden."
Nach 26 Jahren hat der Hamburger SV wieder ein europäisches Halbfinale erreicht. Das letzte Mal, 1983, war die Vorschlussrunde nur ein Zwischenschritt zum späteren Sieg des Europapokals der Landesmeister. Der HSV kann also weiterhin von drei Titeln träumen, während Werder noch zwei Titelchancen besitzt. Immerhin wird in jedem Fall eine deutsche Mannschaft das Uefa Cup-Finale in Istanbul erreichen. Und sicher ist auch, dass dort mit Schachtjor Donezk oder Dynamo Kiew ein Gegner aus der Ukraine warten wird.