Der italienische Star-Rechtsanwalt Professor Carlo Taormina hat Milliardärin BMW-Erbin Susanne Klatten damit gedroht, sie vor Gericht unmöglich zu machen. Am heutigen Donnerstag soll in Pescara der Prozess gegen Ernano Barretta, der als mutmaßlicher Strippenzieher hinter dem erpresserischen Gigolo Helg Sgarbi gilt, fortgesetzt werden. Sgarbi war bereits Anfang März vom Landgericht München zu sechs Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden.
Ob es jedoch heute zur planmäßigen Fortsetzung des Prozesses kommt, ist fraglich - als Hauptstadt der vom Erdbeben erschütterten Region Abruzzen könnte es sein, dass gerichtliche Termine angesichts der aktuellen Notstandsituation nicht so wahrgenommen werden, wie urprünglich vorgesehen.
Nichtdestotrotz hat die Verteidigung Barrettas bereits schwerste Geschütze in Stellung gebracht. Gegenüber der 'Bild'-Zeitung erklärt Taormina, das Intimleben Klattens ohne Rücksicht auf Verluste ans Licht der Öffentlichkeit zerren zu wollen: "Ich werde die Vorladung von Sgarbi und Frau Klatten als Zeugen beantragen. Das gibt ein schönes Wiedersehen für die beiden. Wir werden großen Spaß haben, wenn die zwei von den sexuellen Details der Affäre genau berichten müssen." In der Mission, seinen Klienten vor dem Gefängnis zu bewahren, schreckt der berühmt-berüchtigte Strafverteidiger vor nichts zurück: "Ich werde ihre Glaubwürdigkeit zerstören. Mein Mandant ist unschuldig."
Barretta war im Juni 2008 als Strippenzieher Sgarbis festgenommen worden und hatte anschließend acht Monate in Untersuchungshaft verbracht. Bei seiner Haftentlassung infolge eines 40-tägigen Hungerstreiks hatte der selbst ernannte Sektenguru die Medien beschuldigt, ihn voreilig "gelyncht" zu haben. Auch Taormina, der in der Vergangenheit bereits mehrfach Mafiosi verteidigte, beteuerte, sein Mandant sei unschuldig, und unterstellte Klatten vielmehr "Lust auf Sex": "Mein Mandant ist ein Signore ohne Fehl und Tadel, der acht Monate unschuldig in U-Haft saß, weil eine Dame Lust auf Sex mit einem Herren hatte, der mit meinem Mandanten befreundet ist."
Am ersten Prozesstag Ende März hatte das zwielichtige Duo bereits einen bedeutenden Sieg errungen. Den beiden gelang es, den zuständigen Untersuchungsrichter Guido Campli (42) wegen Befangenheit aus dem Verfahren zu entfernen. Barretta tritt daher auch in letzter Zeit immer selbstsicherer auf: Neuesten Bekundungen zufolge plant er sogar, jetzt eine Autobiographie zu schreiben, in der er schildert, wie er vom Gastarbeiter in Schweiz zu Ruhm und Reichtum aufstieg.