Der Skandal um den Holocaust-Leugner Richard Williamson will kein Ende nehmen. Nachdem der Bischof der erzkonservativen Pius-Bruderschaft wegen seinen umstrittenen Äußerungen über den Holocaust aus Argentinien ausgewiesen worden war, nahm der Brite am vergangenen Donnerstagabend in einem Brief zu seinen Äußerungen Stellung. Der Zentralrat der Juden in Deutschland wies seine Erklärung kritisch als „Bedauern dritter Klasse" zurück.
Am vergangenen Donnerstagabend hatte der katholische Geistliche Richard Williamson in einem Brief erklärt, er habe mit seinen Aussagen zum Holocaust niemanden verletzen wollen. Damit hat sich der 68-Jährige zwar für die Folgen seiner Äußerungen entschuldigt, diese jedoch nicht ausdrücklich widerrufen. Der Bischof der traditionell ausgerichteten Pius-Bruderschaft hatte zuvor in einem Interview behauptet, in Nazi-Lagern seien höchstens 300.000 Juden umgebracht worden. Auch die Existenz von Gaskammern sei zu bezweifeln.
In einem der katholischen US-Organisation Zenit vorliegenden Ausschnitt der Erklärung heißt es: „Der Heilige Vater und mein Oberer, Bischof Bernard Fellay, haben mich ersucht, die Bemerkungen, die ich vor vier Monaten gegenüber dem schwedischen Fernsehen gemacht habe, neu zu überdenken, da deren Folgen sehr schwerwiegend gewesen sind. In Anbetracht dieser Folgen kann ich wahrheitsgemäß sagen, dass es mir leid tut, diese Bemerkungen gemacht zu haben, und dass ich sie nicht gemacht hätte, wenn ich im Vorhinein um den ganzen Schaden und den Schmerz gewusst hätte, die diese verursachen würden".
Der Zentralrat der Juden in Deutschland wies den Inhalt des Briefes als ein „Bedauern dritter Klasse" zurück und sprach in einer ersten Reaktion von einem „halbherzigen" Entschuldigungsversuch. Der Vize-Vorsitzende des Rats, Dieter Graumann, kritisierte, Williamson ziehe seine Thesen zum Holocaust keineswegs zurück, sondern bedauere nur die schädliche Wirkung seiner Worte. Renzo Gettegna, Präsident der Vereinigung der jüdischen Gemeinden Italiens, äußerte sich ebenfalls unzufrieden über das veröffentlichte Schreiben. Die Erklärung sei „zweideutig", sagte er in der Mailänder Tageszeitung 'Corriere della Sera'.
Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) zeigte sich enttäuscht. ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer bezeichnete die Erklärung des Pius-Bruders als „in keiner Weise befriedigend" und forderte, Williamson dürfe keine Verantwortung mehr tragen. Gegenüber dem Berliner 'Tagesspiegel' sagte Meyer, selbst wenn Williamson seine Aussagen über den Holocaust eindeutig widerrufen hätte, müsse man sich fragen, wie ein erwachsener Mensch sich so leichtfertig in einer derart fundemantalen Frage wie der Existenz von Gaskammern in Auschwitz äußern könne.
Der Vatikan schwieg bislang und wollte keine Stellung zu den Ereignissen nehmen. Einzig der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Walter Kasper, tadelte die Entschuldigung gegenüber der Nachrichtenagentur epd als „billig" und forderte von dem aus Argentinien ausgewiesenen Briten, seine „unerträglichen" Äußerungen zur Judenvernichtung zurückzunehmen. Der Heilige Stuhl hatte Williamson aufgefordert, den Holocaust öffentlich als historische Tatsache anzuerkennen, welcher Forderung der Geistliche in seinem Schreiben nicht explizit nachgekommen ist.
Dem widerborstigen Bischof drohen nun juristische Schritte. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) teilte mit, ein Vorgehen gegen den Holocaust-Leugner zu unterstützen, das auf europäischer Ebene durch eine Initiative der tschechischen Ratspräsidentschaft angestoßen worden war. „Auf jeden Fall muss ihm beigekommen werden in der EU", sagte Zypries am Rande eines Treffens mit ihren europäischen Amtskollegen in Brüssel. Tschechiens Justizminister Jiri Pospisil plant, mithilfe des europäischen Rahmenbeschlusses gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gegen den umstrittenen Priester vorzugehen. „Dies könnte eine Handhabe sein", so Pospisil in Brüssel. „Persönlich halte ich das für möglich, aber darüber muss diskutiert werden."