04.02.2009 FC Bayern München sieht den Untergang des TSV 1860 München voraus
Wenn es nur noch um die Rendite geht
Der FC Bayern München, namentlich der Manager und Altmeister des Münchner Traditionsvereins Uli Hoeneß, sieht die neuesten Veränderungen beim Stadtrivalen TSV 1860 München kritisch. Die Hereinnahme des privaten Investors Nicolai Schwarzer sei das erste Zeichen für den Niedergang der 60er. Wer nun auf ein Aufleben der alten Feindschaft hofft, wird jedoch enttäuscht, Hoeneß hat mit der öffentlichen Einschätzung der Lage nach eigenen Angaben nur das Beste für 1860 und ganz München im Sinn.
„Mein Bauch sagt mir, dass das, was da zurzeit passiert, der Anfang vom Ende für 1860 München ist", erklärte Hoeneß am heutigen Mittwoch in der Münchner Tageszeitung ‚tz‘. Nach der spektakulären Ablösung von Stefan Reuter als Spordirekter der Münchner Löwen durch Micky Stevic ist der Bayern-Manager sichtlich besorgt: „Sechzig hat ja immer von den Emotionen gelebt, von seinen Fans, von der tiefen Verwurzelung des Vereins in der Stadt und im Land. Wenn jetzt Geschäftemacher kommen, um sich einzukaufen, dann sagt mir mein Bauch: Das ist der Anfang vom Ende. In ein paar Jahren werden wir uns wieder sprechen."
Die Investition des privaten Berliner Immobilien-Unternehmers Schwarzer ist demnach alleine zum Zweck des Gelverdienens geschehen. Dies verneint der 35-Jährige auch keineswegs. In der Welt hatte Schwarzer unlängst erklärt: „Ich hoffe aber vor allem, damit Geld zu verdienen, auch wenn ich mich natürlich auch ein wenig für Fußball interessiere." Die Details des Deals zwischen dem TSV 1860 München und dem privaten Investor werden deswegen auch nicht öffentlich gemacht.
Bislang ist nur soviel klar: die Löwen wollen und müssen nun wohl auch mit aller Macht in die 1. Liga aufsteigen. Bereits am Ende dieser Saison sollte dies Gelingen, doch nach der Rückrunden-Auftaktniederlage gegen den SC Freiburg am vergangenen Wochenende stehen die Münchner nur auf dem elften Tabellenplatz. Der Rückstand auf die Aufstiegsränge in der hart umkämpften zweiten Liga beträgt nach dem 18. Spieltag schon zehn Punkte. Ein baldiger Wiedersehen in der 1. Liga ist damit wohl ausgeschlossen.
Der sportliche Führungswechsel bei den Münchner Löwen sollte nun wohl wie ein Befreiungsschlag wirken. Hoeneß sieht jedoch vor allem ein Problem: „Ich glaube nicht, dass der jetzt gerade Herzblut da drin hat. Der hat eher ein paar Euro-Zeichen im Herzen", wettert der Bayern-Manager gegen den neuen Sportdirektor Stevic. Auch der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge äußerte sich kritisch über die Ablösung von Stefan Reuter: „Für Stefan Reuter tut es mir leid, er kann nichts dafür. Er hätte sicher gern den einen oder anderen Transfer gemacht, aber wenn nichts zum Investieren da ist, ist nichts da."
Rummenigge spricht damit zugleich das Kardinalproblem des Stadtrivalen an: Wo kein Vermögen, da auch keine Investitionen. In der Winterpause mussten die Löwen mit Timo Gebhard einen ihrer absoluten Leistungs- und Hoffnungsträger an den VfB Stuttgart abgeben, vor allem aus finanziellen Gründen. Die 3-Millionen-Euro-Trasfereinnahme wurde jedoch nur teilweise reinvestiert, mit Stefan Aigner kam von Arminia Bielefeld zwar ein äußerst motivierter Spieler an die Isar, aber der Gebhard-Abgang hinterlässt trotzdem eine spielerisch schwer zu schließende Lücke.
Mit Schwarzer könnten solche sportlich nicht wirklich sinnvollen Transfers in Zukunft vermieden werden, doch nach der Aussage des privaten Investors in der 'Welt' regiert trotzdem vor allem die Aussicht auf Gewinn - und damit auf hohe Transfererlöse. Ob die Münchner Löwen auf diesem Weg eine schlagkräftige Truppe langsam aufbauen können, um den Aufstieg zu schaffen, bleibt abzuwarten, zumal auch Trainer Marco Kurz nach den letzten beiden Niederlagen im Pokal und der Liga stark in der Kritik steht.
Als letzte Lösung wäre nach den besorgten Aussagen der Bayern-Verantwortlichen vielleicht sogar eine Unterstützung durch den ehemals so großen Stadtrivalen, den FC Bayern, denkbar. Doch auch dann würde die lange Tradition der 60er mit Füßen getreten werden, was Hoeneß zufolge ja dem Untergang gleichzusetzen ist.