Der bekannteste Praktikant der Welt ist sicherlich David Beckham: Der britische Star-Fußballer absolviert derzeit beim italienischen Renommeklub AC Mailand einen viermonatigen unbezahlten Gastaufenthalt. Dort scheint es ihm allerdings bereits so gut zu gefallen, dass er kaum noch weg will. Den derzeit in diese Richtung weisenden Spekulationen erteilte er in einem heute erschienenen Interview mit der Mailänder Tageszeitung 'Corriere della Sera' weiteren Auftrieb.
Dass David Beckham bei den Kickern von 'Los Angeles Galaxy' in der US-Profiliga nicht wirklich anspruchsvollen Fußball erleben würde, war irgendwie von Anfang an klar. Dass der sportliche Vorzeige-Beau dies nun auch selbst der Presse verkündet, ist hingegen neu: "Hier zu spielen ist der Traum jedes Spielers. Es ist nicht leicht, zu entscheiden, ob ich nach Los Angeles zurückkehre, oder in Italien bleiben werde. Diese Angelegenheit erfordert Zeit. Ich stehe in den USA unter Vertrag und hege sehr viel Respekt gegenüber Galaxy. Die Möglichkeit, bei Milan zu spielen, ist jedoch etwas wirklich Besonderes... Ich wusste, dass ich Spass haben würde, aber nicht, dass ich so viel Spass haben würde. Von Natur aus bin ich allerdings eine sehr respektvolle Person", flirtet der Kapitän der englischen Nationalmannschaft in der heutigen Mittwochausgabe des 'Corriere Della Sera' unverhohlen mit einem eventuellen Verbleib bei den Norditalienern.
Zwar übt sich der Brite hinsichtlich seiner Aussichten in Los Angeles noch in Zweckoptimismus: "In Wirklichkeit unternehmen die Amerikaner alles Mögliche, um das Niveau und den Ruf ihres Fußballs zu verbessern. Die amerikanische ist eine junge Liga: Ich glaube, sie brauchen noch etwa zehn Jahre, um vorzeigbare Ergebnisse liefern zu können." Anschließend wird Beckham hinsichtlich seiner immer geringeren Motivation, in den USA zu bleiben, konkreter: "Ich muss zugeben, dass es oft frustrierend war, an gewissen Spielen teilzunehmen, weil ich vorher in Europa gespielt hatte. Manchmal habe ich allerdings auch etwas Spass gehabt, als ich zum Beispiel von einem US-Staat zum anderen gereist bin."
Die italienische Liga stelle in diesem Zusammenhang sicherlich eine komplett andere Dimension dar, so Beckham: "Mir ist klar, dass man technisch gut sein muss, um hier spielen zu können, und das gilt für eine Mannschaft wie Milan natürlich ganz besonders. Dass es bei euch taktsch sehr hart zugeht, wusste ich vorher. Viel darüber habe ich bei Fabio Capello gelernt, als er mich bei Real Madrid trainierte. Von ihm habe ich Organisation und Disziplin gelernt. Jetzt führt Capello all dies auch in der englischen Nationalmannschaft ein."
Von daher macht sich bei Beckham nach der lauen US-Zeit nun ein gewisser Stolz breit, dass er wieder neben Schwergewichtern wie Kaká, Rolandinho, Pato und Gattuso spielen kann: "Als ich zum ersten Mal die Clubjacke anhatte, saß meine Frau mir gegenüber. Sobald ich gemerkt habe, dass darauf das Milan-Emblem prangt, habe ich das Kleidungsstück ständig hin und her geschoben, und das Emblem in einem Zustand betrachtet, den ich nicht anders als ekstatisch nennen kann."
Und in puncto Vorbereitungen, den Italien-Aufenthalt eventuell auf unbestimmte Zeit zu verlängern, lässt sich Beckham nicht lumpen: Mindestens eine Stunde täglich übe er die italienische Sprache, so der Mittelfeld-Star. Und treffe sich zu diesem Zweck auch mal zum Abendessen mit Milan-Veteran Paolo Maldini. Ansonsten sei sein soziales Leben eher überschaubar: Die meiste Zeit verbringe er eben beim Training oder im Hotel, verrät der Neuankömmling im Land der Alta Moda. Nur zur Modeschau von Giorgio Armani habe es ihn verschlagen. Zum zweiten Mal in 15 Jahren, beteuert der öffentlichkeitsscheue Medienliebling.