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Rippenbruch: Johannes Heesters rutscht gefährlich ins neue Jahr

05.12.2008 Johannes 'Jopi' Heesters hat Adolf Hitler doch nicht lieb

'Ein guter Kerl'?

Der 105 Jahre alte Johannes Heesters hat offenbar in einem Interview des holländischen Fernsehsenders VARA gesagt, dass Hitler ein guter Kerl war. "Adolf Hitler, ja Gott, ich kenne den Mann wenig, aber ein Kerl, weißt du, das war er, ein guter Kerl." In dem Interview ging es um Hitler und Stalin, doch Heesters Ehegattin ist der Meinung, "Die Antwort wurde meinem Mann in den Mund gelegt". Der alte Herr habe die prekäre Situation und die dahinter stehenden Absichten nicht durchschaut.

Der aus Holland stammende Schauspieler fühlt sich durch den Fernsehsender „hereingelegt". In einer Presseerklärung, die seine Gattin Simone Rethel-Heesters am Montag der dpa übermittelt hatte, betonte sie das Alter ihres Mannes. Im Interview mit dem Fernsehsender VARA sei der Schauspieler „überfallartig" mit Fragen nch Hitler und Stalin konfrontiert worden.

Nach den Angaben von Rethel-Heesters beantwortete der zur Zeit in Hamburg spielende Akteur die Frage "War Hitler ein guter Kerl?" ("Was Hitler een aardige man?") unter anderem wie folgt: "Für seine Soldaten war er aardig (gut), die fanden ihn gut."

Nach Ansicht der Star-Gattin sei ihm die ungeschickte und "schreckliche Antwort" in den Mund gelegt worden. Da die Unterhaltung in niederländischer Sprache gehalten wurde, habe sie die "perfide Frage" des Interviewers nicht verstanden.

"Mein Mann hat leider immer wieder versucht, die Frage nach 'Hitler, dem guten Mann' zu beantworten, indem er sich immer wieder ungeschickt und für ihn entsetzlich verfänglich ausdrückte. Mein Mann äußerte sich während des Interviews sehr wohl gegen das Regime: 'Ich war nicht in der NSDAP. Ich war kein Parteimitglied, ich wollte nichts mit den Herren Goebbels, Göring zu tun haben.' Dass dies nicht gezeigt wurde, läßt auf einiges schließen."

Simone Rethel-Heesters betonte, dass sie davon überzeugt sei, dass die Lebensleistung ihres Mannes nicht durch einen unglücklichen Satz in einem Interview geschmälert werde, das er im Alter von 105 Jahren gegeben habe. "Mein Mann ist im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen immer auf Distanz zu den braunen Machthabern geblieben und hat in der Vergangenheit hundertfach in Interviews zum Ausdruck gebracht, dass er für Hitler und seine Gefolgsleute stets nur Verachtung übrig hatte."

Mit der Ausstrahlung des Interviews, meinte Rethel-Heesters, welches von einem jungen Mann geführt worden sei, der gar nicht auf die Schwierigkeiten eines sehr, sehr alten, blinden Manes eingegangen sei, zynische Fragen stellte, die ein 105-Jähriger nicht mehr durchschaue, "versucht man zweifellos, das Leben meines Mannes zu zerstören".

Laut dpa war es in der Sendung zur folgenden Unterhaltung gekommen:

Reporter: „War Hitler ein netter Bursche?"

Heesters: „Adolf Hitler, ja Gott, ich kenne den Mann wenig, aber ein Kerl, weißt du, das war er, ein guter Kerl."

Rethel-Heesters: „Ja Jopie, was redest du?"

Heesters: „Was?"

Rethel-Heesters: „Das war doch kein guter Kerl, der Hitler."

Heesters: „Nun ja, das war er nicht, aber für mich war er nett."

Rethel-Heesters: „Jopie, Hitler war der größte Verbrecher auf der ganzen Welt! Da kannst du nicht sagen, er war ein feiner Kerl! Was redest du für dumme Sachen!"

Heesters: „Naja, ich darf nicht mehr sagen, dann ist sie böse mit mir."

Der umstrittene Schauspieler erntete auch von Hitler und Goebbels Bewunderung. 1939 soll der Diktator dem Schauspieler im Gärtnerplatztheater zugerufen haben: „Herr Heesters, es war wieder wunderbar."

In seinem Geburtsort Amersfoort wurde sein Auftritt im Februar ausgebuht. „Heesters SS, Heesters SS." Und : „De zingende Nazi."

Ursprünglich hatten Heesters und seine Gattin sich auf den 105.ten Geburtstag des Schauspielers sehr gefreut. Doch die momentane Situation sei „eine Katastrophe. Er ist zurzeit praktisch nicht mehr in der Lage, seine Rolle zu spielen, und würde bei nochmalig auftretenden Bühnenschwierigkeiten aufhören müssen." Bis zum 18. Januar 2009 ist geplant, dass Heesters in Hamburg den Kaiser Franz Joseph in der Operette „Im weißen Rössl" spielt.

Zur Zeit sezt sich der in den Niederlanden geborene und seit über 85 Jahren auf der Bühne stehende Schauspieler vor dem Berliner Landgericht gegen Behauptungen zur Wehr, dass er bei einem Besuch in Dachau gemeinsam mit dem Ensemble des Münchner Gärtnerplatztheaters 1941 im KZ Dachau für die Wachmannschaft aufgetreten sei. Das Urteil wird für den 16. Dezember erwartet.

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