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EU-Parlament würdigt Dalai Lama mit Standing Ovation

06.12.2008 EU-Parlament würdigt den Dalai Lama mit Standing Ovation

'Wir wollen echte Autonomie'

24-Stunden-Fasten und weiße Seidenschals - die Abgeordneten des EU-Parlaments haben dem Dalai Lama einen pompösen Empfang bereitet. Das geistige Oberhaupt der Tibeter besuchte am gestrigen Donnerstag die Europäische Union in Brüssel. Dabei forderte der 73-Jährige die EU dazu auf, in einen kritischeren Dialog mit China zu treten. Doch Peking ist momentan ohnehin nicht gut auf Europa zu sprechen - vor allem Frankreich zog sich zuletzt den Zorn des Reichs der Mitte zu.

Der Dalai Lama bekräftige in Brüssel seine Forderung nach der Autonomie Tibets. „Wir wollen bei China bleiben, aber mit einer echten Autonomie und unter Wahrung unserer Identität", sagte das geistige Oberhaupt der Tibeter im EU-Parlament. Chinesische Anschuldigungen, er wolle eine Abspaltung der Provinz, wies der Dalai Lama als „Propaganda" zurück. Ein Verbleib bei China, „diesem großen Volk", sei gerade im Interesse der jungen Tibeter, da diese wirtschaftlichen Wohlstand und ein modernes Tibet wollen.

Der Dalai Lama rief Peking außerdem dazu auf, seine Menschenrechtspolitik zu überdenken. Dies geschehe auch im Interesse Chinas, sagte das geistige Oberhaupt der Tibeter. „Die Volksrepublik China hat den Ehrgeiz, eine Supermacht zu werden. Sie verdient das", sagte der Dalai Lama. Aber dafür fehle Peking noch die „moralische Autorität". In diese Kerbe müsse auch die Europäische Union stoßen, von der der Dalai Lama einen kritischeren Umgang mit China einforderte. „Ein wahrer Freund weist auch auf die Fehler seines Freundes hin", erklärte der 73-Jährige.

EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering bekräftigte, dass die Europäische Union „Kurs in Fragen der Menschenrechte" halten wolle. Die EU wolle eine „gute Beziehung" zu China, das vor allem im Kampf gegen den Klimawandel und die Finanzkrise zu einem wichtigen Partner geworden ist. „Aber wir können unsere eigenen Werte nicht aufgeben", sagte Pöttering. Mehr als 500 Parlamentarier und andere Bedienstete der Europäischen Union fasteten am Tag des Besuchs des Dalai Lama und trugen weiße Seidenschals, um ihre Solidarität zu demonstrieren.

Ohnehin ist das europäische Verhältnis zu China momentan belastet. Vor allem das geplante Treffen des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy mit dem Dalai Lama erregt die Gemüter in Peking. Der derzeitige EU-Ratsvorsitzende Sarkozy möchte am Samstag in Danzig im Rahmen eines Treffens von Friedensnobelpreisträgern mit dem geistigen Oberhaupt der Tibeter sprechen. Aus Protest hatte China den für den vergangenen Montag angesetzten EU-China-Gipfel in Lyon abgesagt.

Der chinesische Außenminister Liu Janchao sagte in Peking, sein Land lege großen Wert auf die strategische Partnerschaft und den Handel mit Frankreich. Bedingung hierfür seien jedoch „gute bilaterale Beziehungen", erörterte Janchao. Er hoffe, dass Sarkozy „die richtige Wahl" treffen werde. Ungeachtet dessen freut sich der Dalai Lama bereits auf das Treffen mit dem französischen Staatsoberhaupt. „Ich habe mich schon mit der sehr attraktiven Frau des Präsidenten getroffen, jetzt freue ich mich, ihren Mann kennenzulernen", sagte der Dalai Lama.

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