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26.11.2008 Horst Köhler prangert Sextourismus und Zwangsprostitution an

Tiefe Scham für Landsleute

Bundespräsident Horst Köhler hat anläßlich der Erstverleihung des 'Roland Berger Preises für Menschenwürde' erklärt, sich für die "Männer aus unserem Land" zu schämen, die sich an der sexuellen Ausbeutung von Frauen und Kindern in aller Welt beteiligen. Köhler prangerte nicht nur den Sextourismus, sondern auch die Zwangsprostitution an. Es sei eine Schande, das Frauen zur Prostitution nach Deutschland verschleppt würden.

Der Preis wird von der seit März mit 50 Millionen Euro ausgestatteten Roland Berger Stiftung verliehen und zählt zu den höchstdotierten Preisen weltweit. Auch in Zukunft soll der Preis in Berlin verliehen werden. Mit ihm möchte sich die Stiftung nach Bergers Worten gegen Sklaverei und Menschenhandel weltweit engagieren.

Am Montagabend fand die erste Preisverleihung in Berlin, im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, statt. Bundespräsident Horst Köhler und der Unternehmensberater Roland Berger übergaben der kambodschanischen Frauenrechtlerin Somaly Mam eine Million Euro für ihr Engagement gegen Sklaverei und Zwangsprostitution. Unter standing ovations mußte Somaly Mam weinen.

Vor den 350 Gästen sagte der Bundespräsident: „ Wir zeichnen eine Frau aus, deren Geschichte erschüttert, die durch ihren kompromißlosen Einsatz zur Wahrung der Menschenwürde uns allen ein Vorbild ist." Der 71 Jahre alte Stifter des Preises erklärte, er werde in Zukunft solche oft unbekannten „Helden unserer Gemeinschaft" fördern.

In ihrer Heimat war die 38-Jährige als Waisenkind in die Prostitution verkauft worden und war selbst Zwangsprostituierte gewesen. Nie hatte sie eine Schule besucht, doch sie hatte sich selbst aus ihrer Lage befreien können, was den meisten anderen nicht möglich ist. Mam engagiert sich seit langem gegen Menschenhandel und Sklaverei. Die Preisträgerin hat mehrere Organisationen gegründet und Bücher zu dem Thema veröffentlicht. Unter anderem gründete sie eine Hilfsorganisation für Kinder mit dem gleichen Schicksal.

Somaly Mam, die eigens über 200 Kinder aus Bordellen befreit und ihnen ein richtiges Zuhause verschafft hat, kämpfte während der Preisverleihung mit den Tränen. Im September hatte sie große Probleme gehabt, für alle genug zu Essen einkaufen zu können. „das Geld hätte zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können", sagte sie am Morgen danach beim Frühstück. 52 der Kinder, die Mam gerettet hat sind unter 16 Jahre alt. Vor vier Wochen erst befreite sie ein vierjähriges Mädchen aus einem Bordell. Doch trotz des Preises hatte sie wie so oft Albträume gehabt. Das Preisgeld wird die überaus mutige Frau zum Ausbau ihrer Stiftungen verwenden.

Durch ihre Arbeit hat sich Mam viele Zuhälter zu Feinden gemacht und lebt deshalb in ihrer Heimat in ständiger Gefahr. Doch dass diese Frau Mut hat, hat sie schon so oft bewiesen. "Die Menschen sterben an Unfällen, an Krankheiten. Wenn ich für eine gute Sache sterben muss, dann tue ich es."

Die Jury, die die Frauenrechtlerin für den Preis auswählte, bestand aus dem Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, sowie aus Kofi Anan, Shirin Ebadi, Joschka Fischer, dem Chef des Bundespräsidialamtes Gert Haller, und der Schauspielerin Maria Furtwängler.

Künftig soll einmal im Jahr einem besonderen Thema Aufmerksamkeit verschafft werden. Der Stifter des Preises ist Horst Köhler sehr dankbar für die Schirmherrschaft. Der Bundespräsident sieht in der Stiftung des Unternehmensberaters Roland Berger einen "Ausdruck von bestem Bürgersinn", der dem Grundgesetz gerecht werde und festhalte, dass "Eigentum verpflichtet".

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