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Thorsten Schäfer-Gümbel: Hessischer SPD-Spitzenkandidat mit Amtsgarantie

22.11.2008 Thorsten Schäfer-Gümbel: SPD-Spitzenkandidat mit Amtsgarantie

Von der Uni in den Landtag

Nachdem Frau Ypsilanti gescheitert ist, da nicht nur die Wähler, sondern auch Parteikollegen ihr den Wortbruch verübelt haben und sie deswegen nicht zu wählen bereit waren, präsentiert die hessische SPD einen neuen Spitzenkandidaten: Thorsten Schäfer-Gümbel. Der Novize an der hessischen SPD-Spitze fordert einen umfassenden Generationenwechsel - und eine Amtsgarantie für den Fall seiner Niederlage.

Für die schwierigen politischen Verhältnisse trügen alle Parteien die Verantwortung, so der SPD-Spitzenkandidat. Mit einem Unterschied. "Wir sind die einzigen, die sich neu aufstellen für diesen Wahlgang", stellte Schäfer-Gümbel fest. Es sei „eine Provokation, dass die Union mit dem Ministerpräsidenten, der abgewählt wurde, wieder antritt", erklärte Schäfer-Gümbel in einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur in Wiesbaden.

In Wiesbaden und in der Presse wird der dreifache Vater oft nur TSG genannt. Die Buchstaben TSG sollen nun anstatt des vorherigen roten Y zum Markenzeichen der hessischen SPD werden. Der seit 1986 der SPD Zugehörige will bislang nach der vorgezogenen Wahl im Januar kein Bündnis ausschließen. Damit soll ihm der Fehler seiner Vorgängerin nicht unterlaufen. Selbst eine große Koalition schließt Schäfer-Gümbel nun vin vornherein nicht mehr aus.

Dass Politik seine Leidenschaft ist, zeichnete sich schon sehr füh im Leben des neuen SPD-Spitzenkandidaten ab. Bereits während der Schulzeit trat der heutige Spitzenkandidat in die SPD ein und studierte nach dem Abitur im Jahr 1989 Politikwissenschaften. Nach dem Erwerb des Magistergrades mit Auszeichnung arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Europäische Integration am Institut für Politikwissenschaft der Justus-Liebig-Universiät in Gießen.

Ab März 2002 nahm Schäfer-Gümbel eine Beratertätigkeit für die SPD-Landtagsfraktion Hessen wahr. Sollte er nun im Wahlkampf scheitern, fordert der ehemalige Akademiker als Belohnung einen "Posten in der ersten Reihe" seiner Partei.

Der von der gescheiterten Ministerpräsidentenkandidatin Vorgeschlagene bot Frau Ypsilanti seinerseits an, auch weiterhin Parteivorsitzende und Fraktionschefin zu bleiben. Zwischen den beiden herrsche eine klare Aufgabenverteilung. Er sei der Spitzenkandidat, und sie halte ihm den Rücken frei.

Der neue Spitzenkandidat gab bekannt, dass er die Themen des vorherigen Wahlkampfes weiter fortführen werde. Bildung, Energiewende und Mindestlöhne heißen weiterhin die Kernthemen, auch wenn sie ab sofort anders gewichtet werden sollen. In Anbetracht der gerade stattfindenden Finanzkrise wirft Schäfer-Gümbel seinem Gegner, Roland Koch, vor, an den falschen Konzepten festzuhalten .

Der SPD-Politiker bezeichnet den CDU-Kandidaten einen "Jünger des Neoliberalismus". Er selbst will nach eigenen Angaben kein Kandidat für ein paar Wochen sein und sei unter der Bedingung angetreten, dass ein "langfristiger Generationenwechsel" eingeleitet werde. Der SPD-Kandidat kündigte an, eigene personelle und inhaltliche Akzente setzen zu wollen. "Ich beabsichtige, meine eigenen Fußstapfen zu hinterlassen."

Der 39-Jährige sitzt im bisherigen Landtag im Ausschuß für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung sowie in dem für Wissenschaft und Kunst. Ferner ist der Nachwuchspolitiker SPD-Fachsprecher für Industrie- und Beschäftigungspolitik sowie für Technologie- und Forschungspolitik. Der enge Vertraute von Ypsilanti gab kürzlich im 'Spiegel' zu: "Seit ich 2003 in den Landtag gekommen bin, habe ich unter Kochs Alleinregierung gelitten wie ein Hund. Alles Fortschrittliche wurde umgemäht, das Ziel war und ist es, uns und unsere Themen kaputtzumachen". Sein Ziel sei es hingegen, ein "Maximum an sozialdemokratischen Inhalten umzusetzen". Was sich wohl dahinter verbirgt?

Zumindest engagiert hat sich der neue Spitzenkandidat in der gewerkschaftsnahen Kampagne 'Gute Arbeit für Hessen'. In deren Rahmen fordert er Mindestlöhne und faire Arbeitsbedingungen. Wennes nach dem neuen hessischen SPD-Kandidat geht, sollen auch im Leiharbeitsbereich Mindestlöhne eingeführt werden. Nicht nur eine Begrenzung nach unten, sondern auch eine Begrenzung nach oben, etwa der Managergehälter, soll eingeführt werden.

Die bisherige Konzentration der Fördermittel auf Metropolen kritisierte Schäfer-Gümbel scharf. Er setzt sich, siner Herkunft entsprechend, für mehr Fördermittel in ländlichen Räumen ein. Seiner Ansicht nach sollten besonders die Bereiche Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft, erneuerbare Energien und Dorfentwicklung gefördert werden. Die Kultur in den ländlichen Räumen, die Gesundheitswirtschaft und die Infrastruktur in der ländlichen Gegend sollten gestärkt werden.

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