Erst flog Kevin Kuranyi aus dem Nationalteam, und nun droht Bundestrainer Joachim Löw einen weiteren Spieler zu verlieren. Mittelfeldspieler Torsten Frings hat erstmals seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft angedeutet. Der Bremer fühlt sich gedemütigt, weil er in den WM-Qualifikationsspielen gegen Russland und Wales nur auf der Bank saß.
Der 31-Jährige vermisst "Rückendeckung, Vertrauen und Respekt", sagte er nun in einem Interview mit der 'Bild'-Zeitung. Daher sei Frings derzeit auch „echt nachdenklich, der Rücktritt schießt mir immer wieder durch den Kopf". Der Mittelfeldspieler wurde gegen Russland erst nach 83 Minuten eingewechselt, gegen Wales durfte er sich am Mittwoch nicht einmal warmlaufen.
Für Frings war das „die Krönung, eine Demütigung". Der Bremer merke nicht, dass Joachim Löw auf ihn baue. „Und mit fast 32 Jahren hast du ein Gespür für so etwas. Ich sehe bei ihm derzeit keine Perspektive für mich", so der Mittelfeldspieler. Der Bremer denke daher an einen Rücktritt - nicht, weil er beleidigt wäre, sondern weil ihm die letzten Wochen „die Augen geöffnet" hätten.
In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hatte Bundestrainer Löw dem 31-jährigen Frings noch vorbildliches Verhalten bescheinigt. Frings sei weiterhin ein wichtiger Spieler, auf den Löw im Hinblick auf die WM 2010 baue. Der Bundestrainer habe Frings „seine Wertschätzung mitgeteilt", so der 48-Jährige.
Die Verbannung des Mittelfeldmotors auf die Bank gehört zur neuen Linie des Bundestrainers, zukünftig den Konkurrenzkampf zu forcieren und keine Stammplätze mehr aus Dankbarkeit zu vergeben. Noch bei der EM gehörten Spieler wie Jens Lehmann oder Christoph Metzelder zur ersten Elf, die den Stammspieler-Status zuvor nicht rechtfertigen konnten. „Logischerweise sind Spieler unzufrieden, wenn sie nicht spielen, aber das ist eine Situation, die ich möchte", kommentiert Löw den neuen Konkurrenzkampf.
Dass dabei Krisenherde entstehen, kalkuliert der sonst so harmoniebedürftige Bundestrainer bewusst mit ein. Erst letzten Samstag war Kevin Kuranyi aus der Nationalmannschaft geflogen, weil der Stürmer seinen Tribünensitz beim Spiel gegen Russland bereits zur Halbzeit verließ und sich danach nicht mehr beim Betreuerstab der Nationalelf meldete. Der 26-Jährige schaffte es nicht, an der geballten Konkurrenz von Klose, Podolski, Gomez und Helmes vorbeizukommen, und fühlte sich daher ebenfalls gedemütigt.
Torsten Frings hat ein ähnliches Problem. Ohne Frage gehört der 31-Jährige zu den besten defensiven Mittelfeldspielern der Welt. Doch der Bremer befindet sich momentan in einem Formtief, während die jüngere Defensiv-Generation um Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes zur Zeit groß aufspielt. Die Alternativ-Position von Frings, die rechte Seite, ist gegenwärtig ebenfalls besetzt, da sich Bastian Schweinsteiger in Topform befindet.
Frings wird also nichts Weiteres übrig bleiben, als „die Pille zu schlucken", wie Joachim Löw es kommentierte, und die Antwort auf seine Degradierung auf sportliche Art zu geben. Ein Rücktritt wäre natürlich die einfachere Lösung - die Löw jedoch nicht von seiner Linie abbringen wird.