Auch am heutigen Freitag hat an der Börse die Unruhe um den niederländisch-belgischen Bankversicherer Fortis weiter angehalten. Nachdem der Kurs der Aktie am gestrigen Donnerstag bereits um sechs Prozentpunkte gefallen war, brach der Titel des Finanzkonzerns auf dem Amsterdamer AEX-Marktplatz heute um mehr als 12 Prozent ein. Auch eine flugs einberufene telefonische Pressekonferenz mit prompt angekündigten Abwehrmaßnahmen vermochte den Negativtrend nicht mehr zu stoppen.
Gegenüber teilnehmenden Journalisten hatte Fortis-Vorstandschef Herman Verwilst in diesem Kontext angekündigt, Unternehmensbestandteile im Wert von fünf bis zehn Milliarden Euro abstoßen zu wollen. Ende Juni noch war einzig von Verkäufen in Höhe von zwei Milliarden Euro die Rede gewesen. Verwilst zufolge stehen bereits zahlreiche Interessenten bereit, von denen auch schon Vertraulichkeitserklärungen unterschrieben worden sind.
Vor allem aber beteuerte der Fortis-Chef, dass "Fortis nicht pleite gehe. Darüber gibt es keinen Zweifel". Dies vermeldete das niederländische 'Financieele Dagblad' aus Amsterdam. Das Unternehmen könne auf eine Kapitalbasis von 300 Milliarden zurückgreifen, womit es seine Aktivitäten vollständig finanzieren könne. Dennoch alarmierten Medienberichte, denen zufolge der Chef der niederländischen Zentralbank, Nout Wellink, eine lange geplante Reise nach Chicago ohne Angabe von Gründen absagte, die Märkte um ein Weiteres.
Auch von der operativen Front musste Verwilst Zahlen nennen, die nur zu gut in das Bild eines krisengeschüttelten Giganten passten: So räumte der Belgier ein, dass in den vergangenen zwölf Monaten drei Prozent der Fortis-Kunden Gesamteinlagen in Höhe von insgesamt fünf Milliarden aus dem Geldinstitut abgezogen haben. Am gestrigen Donnerstag hatten auf dem Börsenparkett vor allem Gerüchte die Händler alarmiert, denen zufolge die niederländische Zentralbank die Rabobank gebeten habe, Fortis mit zusätzlicher Liquidität zur Seite zu stehen.
Die allgemeine Stimmung an den europäischen Finanzmärkten war heute trüb, nachdem in der Nacht zum heutigen Freitag in den USA die größte amerikanische Bausparkasse Washington Mutual bankrott erklärt werden musste. Die finanzielle Schräglage war dadurch unhaltbar geworden, dass immer mehr Kunden ihre Einlagen aus dem Geldhaus abzogen. Auch sorgte die Hängepartie rund um das außerordentliche Hilfspaket der US-Regierung in Höhe von 700 Milliarden Dollar für zusätzliche Nervosität.