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ZDF ringt um Claus Kleber: Abschied ins Schlangennest?

05.09.2008 ZDF-Halbgott Claus Kleber macht Werbung in eigener Sache

Mit dem Kopf durch die Wand

Claus Kleber hat im Heute Journal ungeniert Werbung für die Expansion seines Arbeitgebers gemacht. Gerade weil es um die finanziellen Eigeninteressen des ZDF geht, und um den Griff in die Tasche der Gebührenzahler, bleibt dem Zuschauer bei der tendenziösen Berichterstattung die Spucke weg. Thema war die Internetmission der öffentlich-rechtlichen Sender. Denen ist mittlerweile offenkundig jedes Mittel Recht ist, um ihre Meinung zum neuen Rundfunkvertrag in die Köpfe ihrer 'Untertanen' zu meißeln.

Während der Halbzeitpause des Abschiedsspiels von Oliver Kahn lehnte sich Claus Kleber vor 5,8 Millionen Zuschauern weit aus dem Fenster. Seine Anmoderation eines Beitrags zur Medienwoche roch gefährlich nach Eigeninteresse des Senders.  "Wahrscheinlich haben Sie es jetzt 30 Sekunden nach neun Uhr abends, und Sie sehen uns im Fernsehen live. Das muss aber nicht so sein. Immer mehr Zuschauer sehen unsere Beiträge im Internet dann, wann sie wollen", hatte Kleber erklärt, um anschließend auf den Streit "zwischen uns, der ARD, und den Zeitungs- und Zeitschriftenverlegern und in der Politik darüber, ob wir das dürfen" überzuleiten.

Kleber ruft auf: BBC-Chef als Zeuge für das ZDF

Gelungen, Herr Kleber, aber nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten hingegen folgte ein fehlerhafter und zum Teil tendenziöser Bericht. Thema war der andauernde Streit zwischen Verlegern, den öffentlich-rechtlichen Sendern und der Politik, wie viel Internetpräsenz von ARD und ZDF der ordentliche Gebührenzahler finanzieren soll. Als Beispiel sollte die englische BBC herhalten. Deren Chef Mark Thompson sollte bezeugen, wie eminent wichtig die Internetpräsenz des öffentlichen Fernsehens ist. Die BBC hat in Großbritannien den offiziellen Auftrag, ein 'Digital-Britain‘ aufzubauen, und wünscht sich das auch für Deutschland: "Alle öffentlich-rechtlichen Sender sollte man im Internet dieselben Möglichkeiten eröffnen wie meinem Haus", erklärte Thompson.

Was das ZDF und allen voran Claus Kleber in der Folge verschwieg: Thompson war nicht nur aus freien Stücken anwesend, sondern vor allem aufgrund einer Einladung von ZDF-Intendant Markus Schächter nach Berlin gereist. Im weiteren Verlauf des Beitrags folgten ungenaue Informationen über den aktuellen Stand der Diskussion zwischen freien Verlegern, den öffentlich-rechtlichen Sendern und der Politik. Demnach könne es bald sein, dass das ZDF keine TV-Sendungen mehr im Internet zeigen dürfe, da die Politik und die freie Wirtschaft das nicht wünsche, malte Kleber den Teufel ‘vollkommen nutzerunfreundlich‘ an die Wand von mehreren Millionen Haushalten.

Werbung nach 20 Uhr im öffentlich-rechtlichen Fernsehen?

Nach dem Willen der freien Wirtschaft und der Politik werde es in Kürze dazu kommen, dass sämtliche Bildinhalte auf ZDF.de und ARD.de von beispielsweise Großereignissen wie den olympischen Spielen nach nur wenigen Stunden gelöscht werden müssen, erklärte Kleber und ergänzte, dass dem Verbraucher damit wichtige Informationen fehlen könnten. Dass die Politik tatsächlich diese Regelung als Ausgleich vorschlägt mindert dabei keineswegs die werbebewusste Moderation des ehemals beinahe zum Spiegel-Chefredakteur hoch gelobten Klebers.

Doch anscheinend fehlt dem ZDF momentan nicht nur ein gutes Stück Relitätssinn, sondern auch das nötige Verhandlungsgeschick, um einen eigenen lohnenswerten Vorschlag zu der Problematik zu machen. Statt auf einen mehr als nur krummen Vergleich mit der BBC zu setzen, sollten die öffentlich-rechtlichen Sender lieber intelligente Lösungen suchen. Eine wäre zum Beispiel, sämtliche TV-Sendungen, auch die weniger quotenträchtige, auf einer eigenen Plattform zu veröffentlichen und sich aus dem Nachrichtenkerngeschäft der Verlage, also dem geschriebenen Wort, zurückzuziehen, um den hart umkämpften Markt nicht noch mehr zu belasten.

Der Intendant macht Politik, der Redakteur sieht die Praxis

Doch dazu fehlt momentan die Einsicht. Diametral entgegengesetzt verhält sich beispielsweise der ZDF-Intendant Markus Schächter. Am Ende der Eröffnungsdiskussion am vergangenen Montag gab er stattdessen eine apokalyptische Vorausschau, sollten die öffentlich-rechtlichen das Internet den privaten überlassen müssen. Denn dann folge ‚Marktversagen‘, Sitten- und Qualitätsverfall. Schon mehrmals hatte Schächter die Prognose gewagt, dass private Anbieter wie ‚FAZ‘, ‚Spiegel‘ oder die ‚Süddeutsche Zeitung‘ nicht dazu in der Lage seien echten, das heißt unabhängigen Journalismus zu bieten.

Doch da hat Schächter wohl reichlich wenig Ahnung von seinem eigenen Sender, denn einerseits strotzt das ‚Heute-Journal‘ schon seit längerem nur so vor reißerischen Anmoderationen und quotenträchtigen Horrormeldungen, andererseits zeigt sich sogar der eigene Chefredakteur Nikolaus Brender offen für Partnerschaften mit großen Verlagen, privaten Fernsehsendern und journalistisch fragwürdigen Internetnetzwerken wie My Space - eben mit jenen, die für Schächter keine Qualitätsgaranten sind.

Abschließend noch eine Bemerkung zum Vergleich mit der BBC: Erstens ist der öffentlich-rechtliche Sender in Großbritannien vollkommen werbefrei, und zweitens ist dessen deren Etat nur halb so groß wie der von ARD und ZDF gemeinsam. Zudem steht an der Spitze der BBC mit dem BBC Trust ein Kontrollgremium, das seinen Namen auch zu Recht trägt. Selbst Thompson weiß das: Kurz vor seinem Auftritt im Namen des ZDF hatte der BBC-Chef Zeitungsjournalisten erklärt, dass „es wenig Sinn mache, sich aus dem britischen System die Rosinen herauszupicken".

Dann macht das ZDF momentan wohl wenig Sinn.

Neuen Kommentar schreiben Leser-Kommentar (1)
Fredi (08.09.2008 08:32)

Welch ein Kommentar

Wer einen Kommentar um eine Sache so unsachlich beginnt:



ZDF-Halbgott ....



hat schon zur Schau gestellt, worum es ihm eigentlich geht und damit verloren.