Nicht nur wegen Entführung, Nötigung und Vergewaltigung muss sich Inzest-Vater Joseph Fritzl vor Gericht verantworten, sondern auch wegen Mordes. Das legt zumindest ein neues Gutachten nahe. Denn das neugeborene Baby, das Fritzl mit seiner über 20 Jahre lang eingesperrten Tochter gezeugt hatte und kurz nach der Geburt verstarb, hätte durch ärztliche Hilfe überleben können.
Das österreichische Nachrichtenmagazin ‘News' veröffentlichte in seiner heutigen Ausgabe einen entsprechenden Bericht. Auch bei ORF1 war am gestrigen Mittwoch ein ähnliche Meldung gesendet worden. Demnach habe ein vom zuständigen Gericht beauftragter Gutachter bescheinigt, dass das Baby durch ärztliche Hilfe überlebensfähig gewesen wäre. Fritzl habe trotz der Atemprobleme des Neugeborenen nicht für die nötige medizinische Versorgung gesorgt. Dem Gutachten zufolge sei damit nun eine Anklage wegen Mordes durch Unterlassung möglich.
Der Gutachter stützt sich bei seinen Schlussfolgerungen hauptsächlich auf die Aussage von Elisabeth Fritzl, die jahrzehntelang in einem Kellerverlies eingesperrt und von ihrem Vater vergewaltigt worden war. Das Neugeborene, der kleine Michael, sei demnach schon schwerkrank auf die Welt gekommen, habe unter erheblichen Atembeschwerden gelitten. Doch Joseph Fritzl habe auf die Warnungen und Ängste seiner Tochter nicht reagiert, ehe das Baby nach 70 Stunden verstorben ist.
Sollte Fritzl bei der Geburt dabei gewesen sein und keine ärztliche Hilfe geholt haben, droht nun die Anklage wegen Mordes. Doch der Angeklagte, der momentan in Untersuchungshaft sitzt und weitgehend geständig ist, bestreitet nach Angaben des Magazins, von der Geburt etwas mitbekommen zu haben. Erst nach dessen Tod sei der 73-Jährige auf den kleinen Michael aufmerksam geworden und habe anschließend aus Angst vor Beweisen, die Leiche des Kindes in einem Ofen verbrannt.
Ein weiteres Gutachten könnte Fritzl zudem des "schweren Missbrauchs mit Dauerfolgen" beschuldigen. Demnach sei die renommierte Psychaterin Sigrun R. damit beauftragt worden, zu untersuchen, ob die an Elisabeth Fritzl begangenen Taten psychisch derartige Schäden angerichtet haben, dass die heute X-Jährige lebenslang an Folgeschäden leiden wird. Sollte dies der Fall sein, droht Fritzl ein Strafmaß von bis zu zwanzig Jahren Haft.
Joseph Fritzl hatte seine Tochter 24 Jahre in einem Kellerverlies eingesperrt, sie jahrelang vergewaltigt und mit ihr sieben Kinder gezeugt. Die dafür Infrage kommenden Anklagepunkte Entführung, Nötigung und Vergewaltigung stellen lediglich eine 15-jährige Haftzeit in Aussicht. Deswegen ist die zuständige Staatsanwaltschaft auf der Suche nach Beweisen, die seinem Verbrechen eine angemessene Haftstrafe setzt, berichtet news.at.
Erst im Frühjahr diesen Jahres waren die Behörden auf das Verlies im Keller des Wohnhauses von Joseph Fritzl aufmerksam geworden. Der Prozess gegen den Mann soll nun noch vor Weihnachten beginnen und zum Schutz der Opfer wahrscheinlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.