23.08.2008 Prestige-Duell FC Bayern München gegen Borussia Dortmund endet Remis
RENSING WEITER UNGESCHLAGEN
Das Prestige-Duell vor 80.000 Zuschauern zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München endete 1:1 (1:0). Über eine Stunde musste der FC Bayern in Unterzahl spielen. Zuvor hatte Kuba Blaczykowski mit einem Sonntagsschuss die Führung für den BVB erzielt. Erst in der zweiten Halbzeit taute das Münchner Starensemble langsam auf, ein später Treffer von Tim Borowski sicherte Bayern München wenigstens einen Punkt im Westfalenstadion.
Bayern-Manager Uli Hoeneß zeigte sich nach dem Spiel zufrieden: "Ich bin hochzufrieden. Wir haben immerhin einen Punkt in Dortmund geholt. Vor dieser Kulisse ist nicht mehr drin gewesen, vor allem weil wir über eine Stunde in Unterzahl gespielt haben." Grund dafür war wieder einmal der neue Kapitän Mark van Bommel. In den letzten neun Partien der vergangenen Saison sah der Holländer drei gelb-rote Karten und auch in der neuen Spielzeit setzt sich diese Serie fort. Zunächst beging der Kapitän in der 20. Minute ein gelbwürdiges Foul an Sebastian Kehl. Wenige Minuten später zückte der Schiedsrichter nach einem angeblichen Ellbogen-Schlag des Niederländers die gelb-rote Karte.
FC Bayern München läuft Rückstand hinterher"Das war kein Ellbogenschlag. Ich bin hochgesprungen und mein Gegenspieler in meinen Arm gelaufen. Wenn man springt kommt man eben auch wieder runter", erklärte ein sich ungerecht behandelt vorkommender van Bommel. Doch die Fragwürdigkeit des Platzverweises spielte keine Rolle, seit der 23. Minute mussten die Bayern in Unterzahl spielen. Schon seit der achten Minute waren die Münchner zudem in Rückstand: Kuba dribbelte über rechts, passte in die Mitte auf Nelson Valdez, dem der Ball leicht wegsprang. Doch statt den Ball zu klären, schauten die Bayern-Verteidiger nur zu, der Pole nahm Anlauf und traf mit einem Sonntagsschuss direkt den bayerischen Winkel.
In der Folge wirkten die Bayern geschockt. Nach einer guten Anfangsphase der Gäste waren die Dortmunder nach der Führung und dem Platzverweis nicht nur besser geordnet, sondern zugleich stets einen kleinen Schritt schneller als die Münchner. Erst die Halbzeit-Einwechslung von Tim Borowski änderte das Kräfteverhältnis. Miro Klose, der neben dem wiedergenesenen Luca Toni von Beginn an im Sturm auflief, musste dafür vom Platz. Borowski spielte eine Art hängende Spitze und versuchte eine Bindung zwischen dem bayerische Mittelfeld um Altintop, Ottl und Schweinsteiger und dem italienischen Weltmeister im Sturm herzustellen.
BVB lässt nach, Bayern schaltet zu zehnt den Turbo einDas gelang dem Neuzugang der Münchner auch ganz gut, obwohl die EM-Stars Altintop und Schweinsteiger ihrerseits bei weitem noch nicht in Hochform aufliefen. Immer wieder leisteten sich die bayerischen Flügelspieler leichte Abspielfehler und Ungenauigkeiten in der Bewegung nach vorne. Auch Andreas Ottl, der für den an muskulären Problemen laborierenden Ze Roberto von Beginn an spielte, konnte in der Offensive wenig ausrichten. Die Dortmunder ihrerseits verpassten es, ihre zahlreichen Kontergelegenheiten in zählbares umzusetzen und damit den Sack frühzeitig zu zumachen.
So wie Florian Kringe in der 70. Minute: Nach einem Eckball von der rechten Seite herrschte im bayerischen Strafraum vollkommenes Chaos, Kringe reagierte am schnellsten und versuchte den Ball aus zwei Metern über die Linie zu drücken. Doch Schweinsteiger rettete am Pfosten postiert in höchster Not. Beinahe im Gegenzug in der 74. Minute fiel schließlich der Ausgleich. Nach einer der 14 bayerischen Ecken schaltete Borowski am Elfmeterpunkt am schnellsten und schob den Ball an den verdutzten Verteidigern ins BVB-Tor. Damit hatte sich die Einwechslung von Jürgen Klinsmann mehr als gelohnt.
Bayern fehlt noch einiges zur Topform der vergangenen SaisonBereits vor der Partie hatte BVB-Trainer Jürgen Klopp auf die momentane bayerische Schwäche hingewiesen: "Der Zeitpunkt für die Partie ist perfekt, die Münchner sind noch nicht in Top-Form. Wir können sie schlagen", motivierte Klopp seine Spieler. Das Hauptproblem der Bayern ist momentan neben der vielen Verletzten vor allem die schlechte Vorbereitung ihrer EM-Spieler. Die Abwehr steht und fällt mit Martin Demichelis, im Mittelfeld konnte weder Altintop noch Schweinsteiger eine wirklich überzeugende Leistung abrufen, Franck Ribèry fehlt als Turbo-Spieler an allen Ecken und enden. Auch Luca Toni war im gestrigen Spiel nach seiner Wadenverletzung bei weitem noch nicht in Topform. Immer wieder haderte der Italiener mit dem Schiedsrichter, verlor beinahe jeden Zweikampf gegen die jüngste Bundesliga-Innenverteidigung um Subotic und Hummels.
Nur einmal strahlte große Gefahr von Toni aus. Doch den klaren Schubser von Subotic in der 72. Minute im Strafraum ahndete Schiedsrichter Herbert Fahndel nicht, obwohl der DFB die Unparteiischen vor der Saison angewiesen hatte, sämtliches Ziehen, Zerren und Stoßen sofort zu ahnden. Stattdessen sah der Italiener wegen einer angeblichen Schwalbe die gelbe Karte. Wieder haderte der Weltmeister auf seine gewohnt liebenswürdige Art mit der Fußballgöttin Fortuna, ehe er an Lukas Podolski seinen Platz im Sturm abtreten musste.
Gerechtes RemisPünktlich nach 90. Minuten pfiff der Schiedsrichter schließlich ab, mit einem gerechten Remis endete das Prestige-Duell zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund im ausverkauften Westfalenstadion. "Ich bin zufrieden. Die Mannschaft hat hervorragend auf den Platzverweis reagiert. Jetzt müssen wir halt nächsten Sonntag den Dreier landen", erklärte Jürgen Klinsmann nach der Partie. Der zweite Jürgen, BVB-Trainer Klopp, hingegen war nicht ganz so glücklich über den Ausgang der Partie: „Da war heute mehr drin. Wir haben uns in der zweiten Halbzeit zu weit nach hinten drängen lassen. Aber das ist eben eine alte Fußballweisheit: manchmal ist es gegen zehn Mann schwerer als gegen elf."
Noch eines ist am Ende zu bemerken: Steht Michael Rensing zwischen den bayerischen Pfosten, können die Münchner gar nicht verlieren. In sämtlichen 25 Partien, die der 24-Jährige als Nummer 1 bestritten hat, hat das bayerische Starensemble kein einziges verloren. Mit neun unentschieden und 16 Siege kann Rensing eine makellose Bilanz vorweisen. Am kommenden Sonntag gegen Hertha BSC soll diese Serie weiter ausgebaut werden. Auch der BVB wird am kommenden Samstag gegen Energie Cottbus versuchen, in der laufenden Saison weiter ungeschlagen zu bleiben.