Seit fast drei Wochen lebt Mutter Elisabeth Fritzl nun schon mit ihren Kellerkindern nicht mehr in Gefangenschaft. Immer wieder kommen neue Fakten ans Licht, die den Richter bezüglich des einsitzenden Josef Fritzl sicher nicht milder stimmen. So hat Kerstin, die immer noch im künstlichen Koma liegt, ihre Rettung Oma Rosemarie zu verdanken. Die 68-Jährige machte gerade Urlaub in Italien: Nur deswegen traute sich der Inzest-Täter, den kranken Teenager ins Spital zu bringen.
Die 19-jährige Tochter Kerstin muss auch weiter um ihr Leben kämpfen: Wie lange die im Keller aufgewachsene Tochter und Enkelin von Josef Fritzl schon krank war, bleibt offen. Josef Fritzl wollte sich offensichtlich nicht verdächtig machen, und wartete bis zur letzten Minute, um seine Kellertochter medizinisch versorgen zu lassen. Nur der Zufall, dass seine Ehefrau Rosemarie zu diesem Zeitpunkt mit ihrer Freundin Urlaub in Italien machte, rettete der 19-Jährigen das Leben.
Zwei Tage, bevor Rosemarie am 21. April eine Postkarte an ihre Familie schickte, nahm Fritzl Kerstin aus dem Verlies und brachte sie ins Krankenhaus. Der Inzest-Täter versuchte auch diesmal, alles natürlich aussehen zu lassen. Per Telefon kündigte er seiner Frau Rosemarie an, offensichtlich sei eine weitere Tochter Elisabeths aufgetaucht. Die 68-jährige Oma Rosemarie brach daraufhin ihren Urlaub ab, und kehrte umgehend zurück nach Österreich.
Die Ermittler gehen nach wie vor davon aus, dass die ahnungslose Frau tatsächlich nichts vom Kellerverlies wusste. Eine erneute Befragung bliebt der 68-Jährigen desewegen jedoch nicht erspart. Schon nächste Woche soll das Verhör stattfinden.
Die Kinder von Inzest-Opfer Elisabeth Fritzl befinden sich indessen immer noch in psychologischer Behandlung und versuchen, zu einem halbwegs normalen Leben zurückzukehren. In einer der psychologischen Sitzungen malten sie ein Plakat mit ihren sehnlichsten Wünschen auf Leinwand für die Öffentlichkeit. "Die Familie will zeigen: Wir sind keine weggesperrten Monster, sondern ganz normale Menschen", kommentiert der Münchner Psychiater Klaus Werner Heuscher diese Hanldung der 'Abendzeitung'.
Josef Fritzl hingegen muss noch so einige psychiatrische Tests über sich ergehen lassen. Dabei soll festgestellt werden, ob der Inzest-Täter tatsächlich geisteskrank ist. Fritzls Anwalt Rudolf Mayer verteidigt auch weiterhin seine Meinung, dass sein Mandant für die abscheulichen Taten nicht bestraft werden darf.
Die Tests werden voraussichtlich mehrere Monate dauern. Die Ermittler wollen prüfen, ob Fritzl klar war, was er seiner Tochter und seinen Enkeln angetan hat. Diese Tests werden auch beim Urteil eine wichtige Rolle spielen und entscheiden, ob der Inzest-Täter seine letzten Tage im Gefängnis, oder vielmehr in einer geschlossenen Klinik wird verbringen müssen.