Mehr als zwölf Millionen Euro kostete Joseph Vilsmaiers TV-Zweiteiler über den Untergang der Wilhelm Gustloff. Damit erhoffte sich das ZDF mindestens 10 Millionen Zuschauer. Der am Sonntagabend ausgestrahlte erste Teil des Filmes überholte quotenmäßig mit einem Marktanteil von 23,5 Prozent immerhin den „Tatort“ in der ARD. Mit 8,45 Millionen Zuschauern hat das ZDF sein Ziel damit schon fast erreicht.
Auch am Montagabend blieb die Quote mit 7,87 Millionen Zuschauern und einem Zuschaueranteil von 22,9 Prozent führend. Auch wenn das ZDF die hohen Erwartungen letztlich nicht erfüllen konnte, verdrängte das TV-Epos zumindest Günther Jauch mit 'Wer Wird Millionär?' mit 6,14 Millionen Zuschauern auf den zweiten Platz. Bei den Kritikern löste der Katastrophen-Zweiteiler allerdings keine Begeisterung aus.
Nach dem Antikriegsfilm „Nacht fiel über Gotenhafen" von 1959 ist es erst das zweite Mal, dass ein Regisseur die Katastrophe verfilmt. Mit über 9.000 Toten ist der Untergang der Wilhelm Gustloff die wohl größte Katastrophe in der Seefahrtsgeschichte. Das Passagierschiff, einst gebaut im Auftrag der NSDAP-Organisation Kraft durch Freude, sollte im Januar 1945 als Fluchtmöglichkeit für geschätzte 10.000 Menschen aus Ostpreußen dienen.
Getroffen von mehreren Torpedos des sowjetischen U-Bootes S13 unter dem Kommando von Alexander Iwanowitsch Marinesko brachte die Fahrt allerdings für den größten Teil der Passagiere den Tod auf See. Diese Thematik versuchte Regisseur Vilsmaier nun angemessen in seinem TV-Zweiteiler umzusetzen, erntete dafür aber wenig Lob.
Die Kritiken für „Die Gustloff" reichen von einer „überzeugenden Schilderung des Schiffsdramas" (Die Welt) hin zur „Liebesschmonzette, der mit einer Räuberpistole noch Spannung injiziert werden muss" (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Auch die „Frankfurter Rundschau" urteilte bitter: „Die Gustloff" sei auf „eine ganz schlichte handwerkliche Weise gescheitert: an den Unzulänglichkeiten des Skripts und der Regie", heißt es dort. Und die „Süddeutsche Zeitung erklärt: „Mehr Sendezeit hat nicht zu mehr Sendequalität geführt. Am Ende haben sich die Liebenden gefunden: Der Kapitän und seine Verlobte. Das ist so beim Fernsehen. Ein tiefer Eindruck bleibt deshalb nicht, genauso wenig von dem Ort, um den es geht, die Wilhelm Gustloff".
Wenn sich jedoch auch die Kritiker nicht vor Jubel überschlagen, so schienen doch die TV-Zuschauer ein reges Interesse am Untergang der „Wilhelm Gustloff" zu haben. Der Mix aus Liebesgeschichte und historischem Hintergrundmaterial hat wohl immer noch das Potential, die Deutschen an den heimischen Fernseher zu ketten. Der Erfolg von „Die Gustloff" kann zwar nicht mit dem von „Dresden" oder „Die Flucht" mithalten, aber mit einem Marktanteil von 16,9 Prozent in der Gruppe der 14-49-Jährigen lag das Öffentlich-Rechtliche am vergangenen Sonntag auf Augenhöhe mit den Sendern RTL oder Pro7.
Schon am 22. Januar kamen übrigens auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und einige Bundestagsabgeordnete in den Genuss einer Sondervorführung von „Die Gustloff". Dafür führte der Regisseur extra den „Chancellor´s Cut" ein. Angela hatte nämlich nur zwei Stunden Zeit, darum hat Vilsmaier seinen Film eben mal von 200 Minuten auf 120 Minuten gekürzt. Ob das für Qualität spricht?