Indonesiens letzter Diktator Hadji Mohammed Suharto ist tot. Am gestrigen Sonntag verstarb der „lächelnde General", wie ihn die westlichen Medien gerne nannten, in seiner Residenz in Jakarta an multiplem Organversagen. Eigentlich wäre dies ein Grund für den südostasiatischen Inselstaat, aufzuatmen und mit der Vergangenheit abzuschließen. Für seine Menschenrechtsverbrechen und die unter ihm grassierende Korruption musste sich der Ex-Staatschef jedoch bis zum heutigen Tage nicht vor Gericht verantworten. Jetzt ist es zu spät.
Präsident Susilo Bambang Yudhoyono rief nach dem Tod des 86-Jährigen eine einwöchige Staatstrauer aus und würdigte Suharto als „besten Sohn des Landes". Diese Bezeichnung kann angesichts der Vergangenheit jedoch nur zynisch verstanden werden. Trotz seiner zeitweiligen wirtschaftlichen Erfolge, die ihm den Namen „Vater des Aufschwungs" einbrachten, wird Suharto wohl hauptsächlich als brutaler und äußerst korrupter Politiker in Erinnerung bleiben.
Die Anti-Korruptionsorganisation „Transparency International" hält den Staatsmann Suharto für den korruptesten Herrscher aller Zeiten. Bis zu 35 Milliarden US-Dollar soll der Diktator des Inselstaats veruntreut haben. Seine rücksichtslose, jahrzehntelange Herrschaft drückte dem Inselstaat Indonesien seinen Stempel auf.
Der 1921 geborene Suharto trat 1965 ins politische Rampenlicht. Bei der Niederschlagung eines angeblichen Putschversuchs der Kommunisten spielte Suharto als General eine wichtige Rolle. Die genauen Umstände des Putsches sind bis dato nicht geklärt. Die Ereignisse leiteten dennoch die Entmachtung Sukarnos ein und führten zu einer landesweiten Verfolgung der Kommunistischen Partei PKI.
Die Armee tötete im Verlaufe der Verfolgung Hunderttausende mutmaßliche PKI-Mitglieder und ihre Sympathisanten. Zynisch wird diese Zeit auch als musim parang, die Saison der Hackmesser, bezeichnet, weil so viele Menschen den Tod fanden. Jakob Sahetapy erzählt in der „Frankfurter Rundschau": „Sie schlachteten Kommunisten wie Hühner. Die Flüsse waren voller Leichen".
Suhartos Politsystem „Neue Ordnung" war hauptsächlich gekennzeichnet von einem allmächtigen Militär. Mit Scheinwahlen ließ sich der korrupte Diktator sechs Mal im Amt bestätigen, und konnte sich so 32 Jahre an der Macht halten. Erst 1998 im Zuge der Asienkrise trat der Militärherrscher unter massivem Druck der Öffentlichkeit von seinem Amt als Staatschef zurück. Unbehelligt lebte er daraufhin noch zehn Jahre in seiner Villa in Jakarta.
Alle halbherzigen Versuche, den Staatsmann für seine Verbrechen gerichtlich zu belangen, scheiterten regelmäßig am Verweis auf seine angeschlagene Gesundheit. Im Jahr 2000 erreichte Suharto durch ein ärztliches Attest das Aussetzen eines Prozesses wegen Veruntreuung von rund 387 Millionen Euro aus öffentlichen Geldern. Im September des vergangenen Jahres eröffnete die Justizbehörde einen weiteren Prozess gegen den Staatspräsidenten außer Dienst. Umgerechnet knapp eine Milliarde Euro sollte von ihm zurück gefordert werden, die er als Präsident über dunkle Kanäle beiseite geschafft haben soll. Dieses Geld werden die Behörden nun nicht mehr eintreiben können.
Über das eingeleitete Verfahren war Suharto höchst irritiert und gab erstmals seit seinem Rücktritt ein Interview. Darin finden sich folgende aufschlussreiche Worte: „Fakt ist, dass ich nicht korrupt war".
In Europa und den USA war der Ex-Diktator während seiner Amtszeit ein gern gesehener Gast. Helmut Kohl bezeichnete ihn als Freund, lieferte ihm Waffen, ging mit ihm Angeln. In den USA machte sich Suharto vor allem außenpolitisch durch seine anti-kommunistische Haltung beliebt.
Bei Menschenrechtlern stand der Ex-General dagegen weit weniger in der Gunst. Sie warfen ihm im Zusammenhang mit dem Einmarsch in das nach Unabhängigkeit strebende Osttimor im Jahr 1975 Völkermord vor. In dem auf die Besatzung folgenden 25-jährigen Bürgerkrieg starben über 200.000 Menschen einen grausamen Tod. Verantwortung dafür kann Suharto nun aber nicht mehr übernehmen, und kommt so mit dem Tod seinen Opfern davon.