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OLIVER KAHN - TITAN ADÉ: Weg vom FC Bayern München, auf zum Jakobsweg!

19.12.2007 OLIVER KAHN - TITAN ADÉ

Auf zum Jakobsweg!

Ach, Olli. Suspendierung ok, aber jetzt auch noch Reue? Das geht irgendwie zu weit. Das stiftet Verwirrung. Gerade kurz vor Weihnachten, gerade zu dem Zeitpunkt, an dem  Großelternscharen in die Bayern-Fanshops pilgern, um dem Enkel ein FCB-Trikot zum Fest zu kaufen. Welchen Olli hat man den nun, wenn man dein Torwart-Leibchen mit der Eins eintütet und als Geschenk unter den Baum legt? Eine für Eltern und Großeltern mitunter entscheidende Frage (Stichworte: frühkindliche Prägung, verantwortliches Schenken).

Ist es der rauflustige Action-Olli? Oder doch der sensible Sünder? Irgendwie ist die Marke Kahn im Begriff zu verschwimmen, plitschplatsch zu verwässern. Wahrscheinlich steckt dennoch Prinzip dahinter. Erst den Ribéry und den Toni rund machen, dann vorschnell von der Weihnachtsfeier flitzen, um das Verenchen oder sonst wen zu daten. Und später nach diesen beiden Husarenstücken erklären: Alles großer Mist gewesen, kommt nie mehr vor, jetzt muss ich erst einmal in mich gehen und schauen, was ich besser machen könnte.

Erst Tacheles geredet, dann Psycho-Ratgeber-Deutsch. Übrig bleibt: ein verwirrter Fan. Was kommt als nächstes? Womöglich: Oliver Kahn läuft den Jakobsweg. Vielleicht zusammen mit Jens Lehmann, zumal sich bei dem noch amtierenden deutschen Nationaltorwart gerade ein Urlaubsfenster für den Sommer 2008 zu öffnen droht. Was ist schon eine Pilgerreise mit dem Olli gegen eine Europameisterschaft? Könnte er sich zumindest sagen.

Was diese Kolumne nahe legen will, ist zweierlei. Erstens: Die Tage des King-Kahn-Titan sind passé. Der 38-Jährige hat es ein letztes Mal mit einer krawalligen Nummer versucht, ist gescheitert, und arbeitet jetzt an einem Relaunch, einer Wiederbelebung der Marke „Oliver Kahn". Es dürfte in die Richtung „Jürgen Fliege" gehen. Zweitens wurde der Trend zur Pilgerreise nicht als bloße Spielerei, sondern als exit-option für alle EM-Torwart-Anwärter aufgegriffen.

Wie gesagt, was ist schon eine Pilgerreise mit dem Olli gegen eine Europameisterschaft. Wäre sicherlich hübsch anzuschauen, wie Kahn, Lehmann, Hildebrand, Weidenfeller und Wiese Ende Juni 2008 hintereinander in Richtung Santiago de Compostela watscheln, um ja nicht mitzubekommen, wie Robert Enke Deutschland ins Endspiel faustet.

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